Rund 50 Militärradfahrer werden am kommenden Samstag anlässlich der Gippinger Radsporttage die 73,2 km lange Strecke absolvieren, die als Schweizer Meisterschaft ausgeschrieben ist. Auf dem achtmal zu absolvierenden Rundkurs fehlt auch der «Strick» nicht, die berüchtigte Steigung nach dem Start in Leuggern. Los gehts für die über 75 Jahre alten Fahrer und die Damen um 9 Uhr, die jüngeren gehen je nach Alter drei oder fünf Minuten später auf die Piste.

Der mit Abstand älteste Starter in Gippingen heisst Pius Zimmermann, ist 80-jährig und wohnt in Fislisbach. Selbstverständlich ist das nicht, schliesslich lag Zimmermann nach einem Sturz mit dem Drahtesel vor ein paar Monaten noch kurzzeitig im Spital. Doch er hatte Glück im Unglück, ausser ein paar Schrammen am Kopf und an den Händen ist nichts passiert. Längst fährt der rüstige Fislisbacher wieder mit seinen Kollegen der Aargauer Sektion des Schweizerischen Verbandes der mechanisierten und leichten Truppen (SVMLT) Trainings und Rennen.

Premiere in Gippingen 1984

So freut sich Zimmermann auf die nächste Herausforderung am Samstag. «Das Rennen in Gippingen ist ein ganz spezielles. Zumindest für mich. Es ist eine wunderbare Strecke, und seit vor einem Jahr der ‹Strick› wieder in den Parcours aufgenommen wurde, ist es perfekt.» Bevor Zimmermann Mitte der 1980er-Jahre aufs Militärfahrrad wechselte, absolvierte er mit grosser Leidenschaft Waffenläufe. «Doch dann kriegte ich Probleme mit der Hüfte. Und so wechselte ich aufs Rad», blickt der Fislisbacher zurück.

Ebendiese Hüftprobleme sind der Grund, warum er seit seiner ersten Teilnahme 1984 ein einziges Mal nicht starten konnte. Vor zwei Jahren musste sich Zimmermann einer Operation unterziehen, darum fehlt die Gippinger Ausgabe 2015 in seinem Palmarès. Apropos: Am Samstag bestreitet Zimmermann sein 385. Rennen, seit er damals auf den harten Sattel gewechselt hat. Fast unglaublich: Kein einziges Mal hat der Fislisbacher ein Rennen freiwillig aufgegeben. «Fünfmal hatte ich in diesen über 30 Jahren einen Defekt. Da konnte ich nicht mehr weiterfahren. Aber aufgeben, weil ich müde war oder der Regen einsetzte? Nie!»

Londoner Wrestling-Champion

Mag sein, dass Zimmermanns Zähigkeit im hohen Alter auch damit zusammenhängt, dass er in jungen Jahren Nationalturner war. Und ein höchst erfolgreicher dazu. Im Alter von 23 Jahren holte er für den Turnverein Fislisbach beim Eidgenössischen in Basel den ersten von zahlreichen Kränzen. Als knapp 30-Jähriger nahm der gelernte Maschinenschlosser ein Job-Angebot seines damaligen Arbeitgebers BBC an und dislozierte Mitte der 1960er-Jahre zusammen mit seiner Frau Bethli nach London. Dort schloss sich Zimmermann dem Ashdown Wrestling Club an und wurde dreimal Londoner Ringer-Champion. «Es war eine verrückte Zeit», schüttelt Zimmermann schmunzelnd den Kopf.

Zurück in die Gegenwart. Was erwartet Zimmermann vom Rennen im Gippingen? «Also, auf die Zeit achte ich schon seit vielen Jahren nicht mehr. Ich möchte einfach ein gutes Gefühl haben, wenn ich im Ziel ankomme.» Zimmermanns Frau Bethli lächelt ihren Pius an: «Und dass du gesund wieder nach Hause kommst. Das ist das Wichtigste.»