«Mit einem Referendum soll der Ersatzbau für die Formbetonhalle verhindert werden. Was dann weiter?» Diese Frage stellen 69 Würenlinger Ortsbürgerinnen und Ortsbürger auf einem Flugblatt, das letzte Woche in die Haushaltungen verteilt wurde.

Mit dem an der Sommer-Gemeindeversammlung 2011 bewilligten Kredit von 4,915 Millionen Franken für den Ersatzbau könne das Areal optimal ausgebaut und zeitgemäss genutzt werden, schreiben die Befürworter des Projekts in ihrem Flugblatt. «Ohne Investition entsteht eine verwahrloste, Kosten verursachende Industriebrache.» Die geplante Investition wird als «verhältnismässig und finanziell tragbar» bezeichnet. Ein grosses Risiko bestehe nicht, weil einige Mietinteressenten vorhanden seien.

Eine einmalige Chance

Auch äussern die 69 Befürworter des Neubau-Projekts die Ansicht, ein Verkauf des Areals im heutigen Zustand sei nicht sinnvoll und für die Würenlinger Ortsbürger wohl auch mit finanziellen Einbussen verbunden. Zusätzlich würden die Ortsbürger bei einem Verkauf des Geländes an einen Grossinvestor ihren Einfluss auf die Entwicklung und den Verwendungszweck des Areals verlieren. «Ein Verkauf oder eine Abgabe im Baurecht ist später jederzeit möglich», argumentieren die Initianten des Flugblattes und weisen darauf hin, dass die Ortsbürgergemeinde bereits mit dem Kauf des Formbetonareals an der Sommer-Gemeindeversammlung 2007 für 5,4 Millionen Franken Besitzerin einer Immobilie geworden sei.

Der damalige Gemeindeammann (Arthur Schneider, die Redaktion) habe den Kauf als einmalige Chance für die Ansiedlung von KMU bezeichnet. Auch wird im Flugblatt erwähnt, dass die Ortsbürgerversammlung über den Zustand des Gebäudes nicht informiert worden sei und die dringend anstehenden Sanierungen kurzfristig ausgeführt werden mussten. Dass die alte Halle seit längerer Zeit nicht mehr genutzt wird, erklären die Flugblatt-Initianten mit weiteren grossen Investitionen, die aus Sicherheitsgründen hätten getätigt werden müssen. «Diese hätten sich nicht gerechtfertig. Deshalb musste den Mietern gekündigt werden», schreiben die Projektbefürworter auf ihrem Flugblatt.

«Mit Risiken behaftet»

Eine vollständig andere Meinung vertritt das Referendumskomitee, das mit seiner Unterschriftensammlung dafür gesorgt hat, dass am 23. Oktober an der Urne nochmals über den Baukredit für den Rück- und Umbau der leer stehenden Formbetonhalle von 4,915 Millionen Franken abgestimmt wird. Mit diesem Geschäft werde die bisherige Strategie ausgehebelt, dass die Ortsbürgergemeinde als Vermittlerin von Industrieland an Gewerbe- und Industrieunternehmen auftritt. Mit der Realisierung des Neubaus werde die Ortsbürgergemeinde zur Immobilienbesitzerin und Vermieterin ohne entsprechende Infrastruktur. Als weitere Argumente führt das Referendumskomitee ins Feld, mit der Investition von 4,915 Millionen Franken werde ein grosser Teil der liquiden Mittel der Würenlinger Ortsbürger verbraucht. Auch seien die an der Ortsbürgerversammlung zitierten Einnahmen von rund 360000 Franken bei einer Vollvermietung in keiner Weise garantiert. Bauen auf Vorrat sei ein grosses Abenteuer und mit Risiken behaftet.

Ausserdem, so das Referendumskomitee, benötige die Ortsbürgergemeinde ihre finanziellen Mittel für andere Aufgaben. Erwähnt werden das Projekt «Dorfschüür», die Erweiterung der Industriezone, die Verkehrsplanung und der Kauf von Wald- und Landwirtschaftsparzellen.