Corona-Krise

Zugausfälle ab Koblenz: Doch die Situation an der Grenze hat sich entschärft

Die Regionalbahn Thurbo fährt nur noch bis Koblenz. Die Strecke nach Waldshut wird nicht mehr bedient.

Die Regionalbahn Thurbo fährt nur noch bis Koblenz. Die Strecke nach Waldshut wird nicht mehr bedient.

Ab Montag fahren keine Züge mehr aus der Schweiz nach Waldshut. Was dies für die Grenzgänger bedeutet, die im Gesundheitswesen arbeiten.

Vor zwei Wochen schloss Deutschland die Grenze zur Schweiz. Die Folgen: Die rund 500 Pendler, die in Gesundheitsinstitutionen in den Bezirken Baden und Zurzach arbeiten, standen täglich bis zu fünf Stunden im Stau. Jetzt wirkt sich das neue Einreiseregime auch auf die Zugverbindung aus: Ab Montag wird der grenzüberschreitende Zugverkehr zwischen Koblenz und Waldshut (D) eingestellt.

Die Züge der S27 Baden–Waldshut und S36 Bülach–Waldshut würden aufgrund einer Verfügung der deutschen Bundespolizei nur noch auf dem Schweizer Streckenabschnitt verkehren und Waldshut nicht mehr bedienen. Das teilte die Regionalbahn Thurbo am Freitag mit.

Dieter Wicki, Leiter der kantonalen Abteilung Militär und Bevölkerungsschutz, sagte am Freitag am Point de Presse des Kantons: «Das macht uns natürlich Sorgen mit Blick auf die Grenzgängerinnen und Grenzgänger, die im Gesundheitswesen und in den kritischen Infrastrukturen arbeiten.»

Im Spital Leuggern arbeiten 35 Grenzgänger

Die Folgen dürften aber geringer sein als befürchtet. Die Taskforce des Asana-Spitals in Leuggern habe noch am selben Tag die möglichen Auswirkungen besprochen, sagt Spitaldirektor René Huber auf Anfrage. Unter den rund 400 Mitarbeitenden des grenznahen Spitals sind 35 Grenzgänger. «Die meisten kommen nicht mit dem öffentlichen Verkehr zur Arbeit», sagt Huber. Der Ausfall der Zugverbindung zwischen Koblenz und Waldshut schätze das Asana-Spital Leuggern deshalb nicht als Problem ein. 

Zudem habe sich unterdessen die Situation für jene Mitarbeitenden entschärft, die täglich mit dem Auto zwischen der Schweiz und Deutschland hin- und herpendeln. «In Koblenz und Laufenburg haben sich die Wartezeiten mittlerweile wieder massiv verkürzt», sagt der Spitaldirektor. Der Grenzübertritt erfolge nun wieder relativ problemlos.

Ob die Forderung nach einer «Green Lane» im Zurzibiet, wie sie an der Grenze in Rheinfelden bereits besteht, weiterverfolgt werde, sei deshalb unklar, sagt Huber. Mit der «Green Lane» reagierte die Eidgenössische Zollverwaltung auf die Grenzschliessung vom 16. März: Sie führte noch in derselben Woche eigene Fahrspuren für Grenzgänger ein, die in essenziellen Berufen arbeiten.

Offenbar mit Erfolg, wie auch der Sprecher des Kernkraftwerks Leibstadt (KKL), Thomas Gerlach, bestätigt. Jeder Vierte der rund 500 Mitarbeitenden des KKL wohnt im Ausland. «Sie kommen nun wieder gut über die Grenze», sagt er. Daran wird auch der Ausfall der Zugverbindung nach Waldshut nichts ändern: «Die meisten unserer Mitarbeitenden pendeln mit dem Auto oder mit dem Velo zur Arbeit.»

16. März 2020: Stundenlang im Stau vor dem Grenzübergang Koblenz – letzte Grenzgänger kehren erst nachts um 22 Uhr zurück

16. März 2020: Stundenlang im Stau vor dem Grenzübergang Koblenz – letzte Grenzgänger kehren erst nachts um 22 Uhr zurück

Das Schliessen der Grenze am Montag hatte massive Folgen: Grenzgänger und Einheimische standen vor dem Grenzübergang Koblenz stundenlang im Stau.

Meistgesehen

Artboard 1