Der Fahrplanwechsel im Dezember 2011 brachte für die Reisenden auf der Strecke Baden–Waldshut einen Komfortgewinn: Die SBB setzten seither moderne, klimatisierte Zugskompositionen des Typs Domino ein. Das hatte damals allerdings seinen Preis: Die Nutzlast der alten Rheinbrücke in Koblenz ist beschränkt, die neuen Züge wären zu schwer gewesen. Um genau zu sein: Das Gesamtgewicht der Züge wäre eigentlich kein Problem gewesen, aber die Achslast der Domino-Triebwagen war zu hoch.

Mit den Behörden in Deutschland wurde eine Lösung ausgehandelt: Die Züge dürfen mit maximal 30 Km/h über die Brücke fahren und die Triebwagen bleiben geschlossen. Wer bis Waldshut wollte und sich auf den falschen Platz setzte, hatte Pech gehabt: Er musste für die Fahrt über die Brücke in einen anderen Wagen umsteigen.

Neue Gleise

Diese Schikane ist nun seit dem letzten Fahrplanwechsel vergangenen Dezember wieder aufgehoben. Obwohl die Brücke dieselbe ist und dieselben Züge darüber fahren. Seldwyla in Koblenz? Nicht doch. SBB-Sprecher Christian Ginsig klärt das Rätsel. Zwar wurde nicht die alte Rheinbrücke von 1859 saniert, die Bahngleise, die darüber führen aber schon. Und zwar passierte das bereits in der Zeit von Herbst 2012 bis Anfang 2013.

Der Ersatz der Gleise kostete mehrere 100'000 Franken. Es sei in unabhängigen Ingenieursgutachten nachgewiesen worden, dass die Rheinbrücke nun auch von den Domino-Zügen wieder ohne die 2011 verhängten Einschränkungen passiert werden kann, so Ginsig.

Nur: Das Sagen haben in dieser Sache nicht die SBB, das Bundesamt für Verkehr oder das Aargauer Baudepartement, sondern das deutsche Eisenbahn-Bundesamt EBA. Und in Deutschland mahlen die Mühlen der Behörden offenbar noch etwas langsamer, als das hierzulande oft beklagt wird. Die Bewilligung, wieder mit Passagieren im Triebwagen nach Waldshut zu fahren, traf erst kurz vor dem Fahrplanwechsel im Dezember ein.

Brückensanierung steht an

So weit, so gut. Dennoch steht auch eine Sanierung des ganzen Bauwerks der vermutlich ältesten Eisenbahnbrücke in Europa an. Sie gehört je zur Hälfte den SBB und der Deutschen Bahn. Zuständig für die Instandhaltung und somit auch federführend bei diesem Plan ist die DB-Netz AG.

Erste Gespräche bezüglich eines Vorprojekts hätten stattgefunden, heisst es vonseiten der SBB. Man rechnet dort aber nicht mit Fortschritten im Eilzugtempo, bis Ende Jahr sollte man ein bisschen konkreter über den Investitionsbedarf Bescheid wissen.