Die Zahl der Kinder und Jugendlichen mit Schlafproblemen steigt: Die Klinik für Schlafmedizin in Bad Zurzach verzeichnet vier Mal mehr minderjährige Patienten als noch vor zwei Jahren. Klinikleiter Jürg Schwander bestätigt eine Meldung von «20 Minuten Online». Für diesen Anstieg gebe es verschiedene Gründe, präzisiert Schwander gegenüber der Aargauer Zeitung. «In vielen Ausbildungsgängen stehen die Jugendlichen vermehrt unter Druck, der Leistungsanspruch ist gestiegen. Als Folge reduzieren sie ihren Schlaf, weil sie nach der Schule und den Lernstunden auch noch ihr Freizeitbedürfnis und Sozialleben pflegen wollen.» Viele dieser Patienten stammen aus der Gegend, sagt Schwander. «Ein Drittel wohnt im Kanton Aargau.»

«Schlafzeit ist beste Zeit des Tages»

Man sollte den Jugendlichen beibringen können, dass der Schlaf für das Wohlbefinden ebenso wichtig wie die Ernährung und sogar wichtiger als Sport sei, sagt Schwander «Wir hätten schon seit längerer Zeit gerne präventive Veranstaltungen in Schulen durchgeführt, leider sind solche Projekte schwer finanzierbar.» Beispielsweise könnte man die Kinder und Jugendlichen in einem Skilager eine Nacht lang wach bleiben lassen und ihnen am Tag danach die negativen Auswirkungen aufzeigen. «Die Schüler müssen eine Beziehung zum Schlaf aufbauen. Meiner Meinung nach ist die Schlafzeit die beste Zeit des Tages, weil man dann keine Probleme verursacht.»

Ein weiterer Grund für den Anstieg der Jugendlichen mit Schlafproblemen sei die Tatsache, dass Ärzte dieses Phänomen vermehrt als Ursache von Beschwerden in Betracht ziehen. «Der Schlaf wird in der medizinischen Argumentation immer wichtiger. Man hat gemerkt, dass er Einfluss auf viele gesundheitliche Störungen haben und sowohl psychische als auch körperliche Beschwerden verursachen kann.» Nicht nur von Ärzten, auch von Eltern würde Schlafmangel bei Kindern vermehrt beobachtet, glaubt Schwander, denn dieses Thema werde auch in den Medien immer häufiger diskutiert.

«Unterricht sollte später beginnen»

Erschwerend für die Schlafdauer komme bei Pubertierenden hinzu, dass sie im Vergleich zu Erwachsenen einen verschobenen Wach-Schlaf-Rhythmus hätten: «Es fällt ihnen nachts schwer, früh einzuschlafen, weswegen sie am nächsten Morgen müde sind.» Gleichzeitig hätten die Jugendlichen ein grosses Schlafbedürfnis. «Es wäre gerade für Jugendliche zwischen 11 und 16 Jahren sinnvoll, wenn der Schulunterricht etwas später als derzeit üblich beginnen würde.»

Unterschieden werde zwischen verschiedenen Schlafstörungen. Es gebe Jugendliche mit Schnarchproblemen, Beinbewegungsstörungen oder Ein- und Durchschlafstörungen.

Keinen Einfluss auf den Anstieg der Jugendlichen mit Schlafstörungen in den letzten Jahren habe gemäss Untersuchungen entgegen der landläufigen Meinung das Handy. «Bei einer Befragung haben Jugendliche angegeben, das Smartphone tagsüber, aber nicht nachts zu nützen.» Beeinflusst werde der Schlaf zwar durch Stimulanzen wie Koffein, Nikotin oder üppiges Essen. Aber weil die meisten Jugendlichen sich linienbewusst ernährten, dürfte auch die Nahrung nicht in erster Linie der Grund für den oben genannten Anstieg sein, glaubt Schwander.