Rietheim

Zu viel Chlorothalonil im Trinkwasser: Gemeinderat verbietet weitere Verwendung

Rietheimer Landwirte dürfen das Pflanzenschutzmittel Chlorothalonil nicht mehr verwenden. Das hat der Gemeinderat entschieden.

Labormessungen zufolge sind die Grezwerte des Pflanzenschutzmittels überschritten worden. Nun hat die Rietheimer Exekutive reagiert.

Im Trinkwasser der Gemeinde Rietheim im Bezirk Zurzach sind Rückstände des Pflanzenschutzmittels Chlorothalonil nachgewiesen worden. Gemessen wurden im kantonalen Labor 0,26 Mikrogramm pro Liter, wie die Gemeinde mitteilt. Der vom Bund definierte zulässige Höchstwert von 0,1 Mikrogramm pro Liter sei somit überschritten worden.

Das Pflanzenschutzmittel wird vor allem gegen Pilzbefall im Ackerbau verwendet; die Abbaustoffe können ins Grundwasser gelangen und gemäss europäischer Lebensmittelsicherheitsbehörde ab einer bestimmten Konzentration womöglich die Gesundheit gefährden. Das Bundesamt für Lebensmittelsicherheit und Veterinärwesen kam zum selben Schluss. Deshalb überprüft der Bund die Zulassung des Mittels.

Rietheims Vizeammann Christian Schneider erklärt: «Gemäss Auskunft des kantonalen Amts für Verbraucherschutz kann das Trinkwasser weiterhin bedenkenlos konsumiert werden. Die Höchstwertüberschreitung ist nicht mit einem unmittelbar erhöhten Gesundheitsrisiko verbunden.»

Für Trinkwasser und andere Lebensmittel würden Höchstwerte nach vorsorglichen Prinzipien festgelegt – dadurch sei sichergestellt, dass eine vorübergehende Aufnahme von Trinkwasser über dem Höchstwert auch bei Kindern oder geschwächten Personen nicht zu Gesundheitsproblemen führt, sagt Schneider.

Obschon die Gemeinde aus rechtlicher Sicht nicht dazu verpflichtet wäre zu handeln, habe der Gemeinderat sofort reagiert. «Wir haben den Landwirten einen Brief geschickt und ihnen mitgeteilt, der Gebrauch von Chlorothalonil sei ab sofort zu unterlassen beziehungsweise verboten.»

Die Gemeinde werde die Landwirte nicht ständig kontrollieren können, erklärt Schneider, der selber Landwirt ist. «Aber das wird auch gar nicht nötig sein. Erstens, weil das Mittel in den kommenden Wintermonaten nicht verwendet wird. Zweitens, weil es nur wenig Landwirte im Dorf gibt und wir im Austausch sind. Und drittens rechnen wir damit, dass das Produkt in Kürze auf Bundesebene verboten wird.»

Und nicht zuletzt sei einwandfreies Trinkwasser auch im Interesse der Landwirte. Während beispielsweise in der Gemeinde Obersiggenthal das belastete mit unbelastetem Wasser vermischt und dadurch die Chlorothalonil-Konzentration gesenkt wird, ändert sich an der Zusammensetzung des Wassers in Rietheim vorerst nichts.

«Es gäbe die Möglichkeit, das Wasser nicht von unserem Grundwasserpumpwerk zu beziehen, sondern beispielsweise von der Nachbargemeinde Bad Zurzach. Aber weil man unser Wasser nach wie vor bedenkenlos trinken kann, sind derlei Massnahmen nicht notwendig.»

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