Schneisingen

Zu allen Gegenständen kann eine Geschichte erzählt werden

Im Zivilschutzkeller lagern unzählige Gegenstände, die von den Mitgliedern der Gruppe Ortsmuseum Schneisingen zusammengetragen wurden. ZVG

Im Zivilschutzkeller lagern unzählige Gegenstände, die von den Mitgliedern der Gruppe Ortsmuseum Schneisingen zusammengetragen wurden. ZVG

Im «Rohnerhaus» in Schneisingen soll ein Dorfmuseum eingerichtet werden. Die Sammlung, die dort den Besuchern zugänglich gemacht werden soll, ist umfassend: Sie reicht von Post-Schlitten über Feuerwehruniformen bis hin zu einer alten Kirchentür.

«Es gibt genug staubige Museen mit alten Heugabeln.» Oder: «Ein Museum ist eine interessante Idee.» Die Frage, ob ein Ortsmuseum eine Bereicherung darstellt oder überflüssig ist, stellte Lucia Gillessen von der Gruppe Ortsmuseum Schneisingen gleich zu Beginn ihres Informations-Anlasses in den Raum. Die Organisatoren wollten den Puls der Dorfbevölkerung fühlen, mit ihnen diskutieren und sie über ihre Pläne orientieren.

«Es tut uns weh, wenn bei einer Räumung alles entsorgt wird», sagte Gillessen. Vor ungefähr fünf Jahren begann das kleine Grüppchen, alte Gegenstände zu sammeln – nun hat man gemäss Gillessen «einen rechten Stock zusammen». Woraus dieser Stock besteht, stellte Herbert Schwitter den Anwesenden vor. Die Sammlung ist umfassend: Sie reicht von Post-Schlitten über Feuerwehruniformen bis hin zu einer alten Kirchentür.

Auch auf den ersten Blick unscheinbar wirkende Dinge wie Diplome oder Quittungen wurden aufgehoben. Sie dienen vor allem dazu, Geschichten zu erfahren. «Hier sieht man, dass die Kirchentür für 8 Franken verkauft wurde», erklärte Herbert Schwitter. «Oder hier hat der Keller Fritz vier Bäume gekauft.» Überhaupt: Anonym ist praktisch nichts in der Sammlung. Seien es die Kaufbelege oder eine Tasche von Frau Bösch: Zu allen Gegenständen kann eine Geschichte erzählt werden.

Jetzt sollen diese Erinnerungsstücke eine neue Heimat erhalten. «Schneisingen war lange ein Bauerndorf. Uns war daher immer klar, dass das Museum in ein Bauernhaus gehört», sagte Gillessen. Nun wurde ein geeignetes gefunden: Franz Meng würde das «Rohnerhaus» zur Verfügung stellen. Laut Gillessen eine einmalige Chance: «Wir hoffen, dass wir das Haus bereichern und beleben können.»

Tür zum «Rohnerhaus» steht offen

Sollte aus dem Haus tatsächlich ein Ortsmuseum werden, käme noch viel Arbeit auf die Gruppe zu. Arbeit, die sie nicht alleine bewältigen kann. «Wir brauchen Leute, die mithelfen», sagt Schwitter. Die Hilfe könne sehr unterschiedlich sein. Man brauche Leute, die handwerklich begabt sind, die alte deutsche Schrift lesen können, oder solche, die helfen, grosse Gegenstände zu transportieren. Vor allem benötigen sie aber die mentale Unterstützung.

Um gegen aussen nicht mehr als lose Gruppe aufzutreten, soll nun ein Verein gegründet werden. Auf einer Liste konnten die Schneisinger eintragen, ob sie diesem gerne beitreten würden. Damit beantworteten sie indirekt auch die zu Beginn gestellte Frage: «Ein Ortsmuseum für Schneisingen – eine Bereicherung oder überflüssig?»

Telefon aus dem Jahr 1861

Bei den Anwesenden haben die Ideen und Anliegen der Gruppe Ortsmuseum Gehör gefunden. Bald kam die Frage auf: «Sollen wir eine Liste machen oder unsere Gegenstände gleich vorbeibringen?» Zudem wurde spontan ein Telefon aus dem Jahr 1861 oder die Bereitschaft, Führungen zu organisieren, angeboten. «Wir sind offen für alles», betonte Schwitter.

Nach einer Aufwertung der Aussenfassade und kleinen Instandstellungsarbeiten im Innern sollte das «Rohnerhaus» in ein bis zwei Jahren bereit sein, ein Museum zu werden.

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