Grenzregion

Zöllner entdecken Spinnen, Schusswaffen, Euroscheine – und sogar ein Klavier

An der Grenze wurden auch gefährliche Tiere entdeckt. Ein Schweizer wollte vier Vogelspinnen einführen. ZVG

An der Grenze wurden auch gefährliche Tiere entdeckt. Ein Schweizer wollte vier Vogelspinnen einführen. ZVG

Ob Signalmunition, Vogelspinnen oder Luxuskarossen – alles wird geschmuggelt. Dies zeigt die neuste Statistik des Hauptzollamtes Singen an der Zurzibieter Grenze. Zudem: Die Zahl der Schmuggelfälle verdoppelte sich 2013 gegenüber dem Vorjahr.

Das Hauptzollamt Singen, das auch die Grenze zum Zurzibiet kontrolliert, hat die Zahlen für das Jahr 2013 vorgestellt. Dahinter stehen Einzelfälle, die spannender und skurriler nicht sein könnten.

Einige Beispiele: Im April staunten die Zöllner am Übergang Koblenz–Waldshut nicht schlecht, als sie das Auto eines 44-jährigen Schweizers kontrollierten. In einem Transportterrarium entdeckten sie zwei artengeschützte Vogelspinnen. Im Verlauf der weiteren Ermittlungen stellte sich heraus, dass der Mann zwei Wochen zuvor zwei weitere Vogelspinnen über die Grenze geschmuggelt hatte.

Ebenfalls am Waldshuter Zoll deckten Zöllner einen Bargeldschmuggel mit einer Gesamtsumme von 58 000 Franken auf. Ein 61-Jähriger hatte in einem Reisekoffer 50 000 Euro versteckt. Weitere 8000 Euro trug er – verteilt auf sämtliche Hosentaschen – bei sich.

Bei Bargeldschmuggel sind der Fantasie offenbar keine Grenzen gesetzt: Bei einer 54-jährigen Zugreisenden aus der Schweiz wurden im Bahnhof Singen Noten im Wert von 15 000 Franken entdeckt. Die Frau hatte das Geld in einem Kondom verpackt im Intimbereich versteckt. In einem anderen Fall versuchte ein Brüderpaar, 203 000 Euro über die Grenze zu schmuggeln.

Visitenkarte verrät Schmuggler

Am Grenzübergang Bietingen wurde der Versuch eines 79-jährigen Schweizers vereitelt, ein hochwertiges Klavier zu schmuggeln. Erwischt wurde auch ein 41-jähriger Belgier beim Versuch, einen Porsche Carrera unverzollt in die Schweiz zu bringen.

Kurios ist der Fall eines Immobilienmaklers aus Osteuropa. Zusammen mit seinem Sohn passierte er die Grenze bei Bietingen. Die Frage nach mitgeführtem Bargeld über den erlaubten 10 000 Euro verneinte er und zeigte – quasi als Beweis – sein Portemonnaie. Darin befanden sich 500 Euro. Den Zöllnern aber fiel auf, dass im Geldbeutel die Visitenkarte einer Liechtensteiner Bank steckte.

Bei der Durchsuchung des Wagens entdeckten die Beamten in der hintersten Ecke des Kofferraums 250 000 Euro, versteckt in einem Schuhkarton. Bei einem anderen Schweizer Reisenden fanden die Beamten einen Schiesskugelschreiber, mit dem Signalmunition verschossen werden kann.

50 Prozent mehr Schmuggelfälle

Zu den Aufgabenschwerpunkten des Hauptzollamtes Singen, zu dem auch die Zollämter in Waldshut, Jestetten, Laufenburg und Bad Säckingen gehören, zählt neben der Überwachung des grenzüberschreitenden Personen- und Warenverkehrs die Überwachung der EU-Aussengrenze zur Schweiz, die Überwachung des Bargeldverkehrs sowie die Bekämpfung der Schwarzarbeit. Beim Reiseverkehr wurden 2013 knapp 6300 Schmuggelfälle festgestellt. Dies entspricht einer Zunahme gegenüber dem Vorjahr von rund 50 Prozent. Die Bussgelder für die geschmuggelten Waren haben sich von 714 000 Euro auf 1,5 Millionen Euro verdoppelt.

Extrem zugenommen hat laut den Erhebungen des Hauptzollamtes der Schmuggel von Bargeld. Die Summe der unangemeldet eingeführten Barmittel ist von 11,9 Millionen auf 18,86 Millionen Euro hochgeschnellt. Diese Steigerung dürfte im Zusammenhang mit der verstärkten Jagd der deutschen Strafverfolgungsbehörden auf Steuersünder mit Schweizer oder Liechtensteiner Bankkonten zu tun haben.

Eine besorgniserregende Entwicklung musste bei den Schusswaffen festgestellt werden. 2012 wurden 56 Schusswaffen oder Waffenteile sichergestellt, 2013 waren es 240. Die Festnahmen an den deutsch-schweizerischen Grenzübergängen zwischen Konstanz und Bad Säckingen stieg von 147 im Vorjahr auf 227.

Über 9 Millionen Ausfuhrzettel

Bemerkenswert ist auch, dass die Gesamtzahl der ein- und ausreisenden Lastwagen von 1,852 Millionen auf 1,596 Millionen Fahrzeuge gesunken ist, dass insgesamt 117 100 Personen und 79 000 Objekte kontrolliert wurden und dass die Beamten des Hauptzollamtes Singen 2013 auf den 14 Zollämtern 9,12 Millionen Ausfuhrkassenzettel für Schweizer Kunden abgestempelt haben.

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