Kleindöttingen

ZKD-Chef nach Konkurs: «Aufträge immer seriös kalkuliert und rentabel»

Die Kleindöttinger Firma ZKD Büromöbel AG hat ihre Bilanz deponiert.

Die Kleindöttinger Firma ZKD Büromöbel AG hat ihre Bilanz deponiert.

Die Kleindöttinger Firma ZKD Büromöbel AG hat ihre Bilanz deponiert. Ex-Mitarbeiter erheben an den Inhaber schwere Vorwürfe. Dieser versucht den Konkurs zu erklären und gesteht Fehler in der Strategie des Unternehmens ein.

Neun ehemalige Mitarbeiter der Kleindöttinger Firma ZKD Büromöbel AG, die ihre Bilanz deponiert hat, erheben in einem Leserbrief Vorwürfe an den Inhaber der vergangenen Jahre, Fred Heinzelmann.

Mit ihm seien eine «völlig neue Kultur, Überheblichkeit und Arroganz» in das Unternehmen eingezogen. «Der Chef holte Finanz- und andere Fachleute an Bord und bauschte den administrativen Apparat unverhältnismässig auf», schreiben die Unterzeichnenden – unter anderem auch Alois Schneider und Norbert Lütte, die früher beide der Geschäftsleitung angehört hatten. «Die Auftragsbücher füllten sich mit nicht nachvollziehbar tiefen Verkaufspreisen.»

Fred Heinzelmann zeigt auf Nachfrage der az Verständnis für die heftigen Reaktionen: «Die ehemaligen Mitarbeiter denken mit einer gewissen Wehmut zurück, das ist klar. Auch dass man in gewissen Dingen anderer Meinung ist, wenn jemand Neues ein Unternehmen übernimmt, ist normal.»

Grundsätzlich habe er immer das getan, was er für richtig hielt. Dass die administrative Abteilung unter seiner Führung grösser wurde, sei richtig, so Heinzelmann.

«Damit haben wir vieles internalisiert, zum Beispiel die Buchhaltung. Dafür war vorher ein externes Treuhandbüro zuständig.»

Dass man um jeden Preis wachsen wollte und sich den hohen Umsatz einfach mit Dumpingpreisen erkaufte, stimme nicht. «Die Aufträge waren stets seriös kalkuliert und rentabel.»

Das Problem war laut Heinzelmann: Zu den grossen, langfristigen Rahmenaufträgen, welche die Grundauslastung der Firma sicherten, kamen zusätzlich viele Grossaufträge. So viele, dass die ZKD ihre Produktion ausbauen musste – das führte zu hohen Fixkosten.

Ist man also zu stark gewachsen? Hätte man Aufträge ablehnen müssen? «Das ist praktisch unmöglich», sagt Heinzelmann.

«Ein Kunde, dessen Auftrag man ablehnen muss, kommt nie wieder.» Allerdings, lenkt der ZKD-Chef ein, hätte man rückblickend nicht zusätzlich in das Innenausbau-Geschäft einsteigen sollen. «Dort sind Fehler passiert, wir hatten nicht die nötigen Kompetenzen, um das Geschäftsfeld in diesem Ausmass zu bewältigen.»

Andere Wirtschaftsvertreter zeigen sich überrascht über den Konkurs der ZKD. Markus Birchmeier, Präsident des Wirtschaftsforums Zurzibiet und Geschäftsführer der Birchmeier Hoch- und Tiefbau AG mit 250 Mitarbeitern: «Wenn man mir vor fünf Jahren gesagt hätte, die ZKD müsse 2015 ihre Bilanz deponieren, hätte ich das nicht geglaubt.»

Er habe die Firma persönlich als gesunden Betrieb erlebt, der gut für seine Mitarbeiter gesorgt habe, sagt Birchmeier. «Auch wir bezogen unsere Büromöbel von der ZKD. Die Qualität war immer gut.»

Auch für Lukas Weibel kam der plötzliche Untergang der Kleindöttinger Traditionsfirma überraschend. Der Präsident der Regionalgruppe Zurzach der Aargauischen Industrie- und Handelskammer ist selber in der Möbelbranche tätig – wenngleich seine Firma Intertime AG in Endingen nicht wie die ZKD Büromöbel herstellt, sondern Polstermöbel für den Heimmarkt. Er kennt den enormen Preisdruck, der in der Möbelbranche herrscht. «Die Situation hat sich mit dem schwachen Euro definitiv verschärft.»

Dem pflichtet Markus Birchmeier bei. «Der Konkurrenzdruck aus dem Ausland spielte sicher eine Rolle.» Die direkte Grenznähe hingegen sei eher ein Vorteil, da Grenzgänger für solche Betriebe wertvolle Arbeitskräfte seien.

Mit dem Konkurs verlieren rund 100 Mitarbeiter ihre Stelle. Was bedeutet das Aus der Firma für die Gemeinde Böttstein, zu der Kleindöttingen gehört? Ammann Patrick Gosteli: «Das ist zum jetzigen Zeitpunkt noch schwer abzuschätzen. In der Gemeinde wohnhaft war ein eher kleiner Teil der Mitarbeiter.» Der Konkurs sei sehr bedauerlich, die Firma sei jahrzehntelang eine Qualitätsmarke mit gutem Ruf gewesen.

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