Hochrhein

Zeugen der Römerzeit werden vor dem Zerfall gerettet

Zeugen der Römerzeit werden vor dem Zerfall gerettet

Zeugen der Römerzeit werden vor dem Zerfall gerettet

Zwischen Kaiserstuhl und Kaiseraugst stehen rund 30 Wachtürme aus römischer Zeit, die nun erforscht und zum Teil saniert werden. Die Wachtürme gehören neben Augusta Raurica und Vindonissa zu den bedeutendsten Zeugen der Römerzeit im Aargau.

Mit den Arbeiten für die Sanierung des Wachturms beim Koblenzer «Laufen» direkt an der Kantonsstrasse Koblenz–Rietheim ist Anfang Juni begonnen worden. Studenten der Universität Basel entfernen unter der Leitung von Professor Peter-Andrew Schwarz den Bewuchs, reinigen die Mauern, legen Fundamente frei und dokumentieren die antike Bausubstanz sowie die Sanierungsarbeiten der letzten Jahrzehnte.

In Sichtweite zueinander

Die Wachtürme wurden während der Regierungszeit von Kaiser Valentinian (364 bis 375 n. Chr.) gebaut und gehörten zu einem militärischen Überwachungs- und Alarmierungssystem, das sich von Basel bis an den Bodensee erstreckte. Die Wachtürme und die anderen militärischen Anlagen der Römer standen stets in Sichtverbindung zueinander. Auf diese Weise konnten im Falle eines Angriffs der Germanen die grösseren Einheiten in Kaiseraugust (Castrum Rauracense) und im heutigen Bad Zurzach (damals Tenedo) alarmiert und an die Brennpunkte beordert werden. Nach dem Abzug der römischen Truppen von der Rheingrenze im Winter 401/402 gerieten die Türme in Vergessenheit und zerfielen ganz oder teilweise.

Restauriert werden nur 12 der 30 Wachtürme entlang des Hochrheins. Die restlichen Ruinen sind entweder bereits zerstört oder liegen unsichtbar im Boden und werden von den Archäologen nicht freigelegt. Den Koblenzer Turm bezeichnet Kantonsarchäologe Georg Matter als «speziell, weil die zwei Meter hohen Mauern erstaunlich gut erhalten sind». Die rund zwei Meter hohen Mauern bestehen vorwiegend aus Kalkstein, der vermutlich nur wenige Meter vom Turm entfernt am Rheinufer abgebaut worden ist. Speziell am Koblenzer Römerturm ist auch, dass der antike Name (Summa rapida) sowie das genaue Baudatum bekannt sind (371 n. Chr).

Seit Beginn der Sanierungsarbeiten der Kantonsarchäologie und der vom Kanton Aargau mitfinanzierten Vindonissa-Professur wurde unter anderem auch eine steinerne Türschwelle aus Kalkstein entdeckt, ausgegraben und dokumentiert. Ausserdem fand sich bei Geländebegehungen im Umfeld des Turms ein grosses Fragment eines Fenster- oder Türgewändes.

Ein Gemeinschaftswerk

Die Instandstellung und Dokumentation der zwölf Wachtürme entlang dem Hochrhein kostet rund eine halbe Million Franken. Die Kosten teilen sich die Kantonsarchäologie, der Bund sowie die Standortgemeinden. Der Bund beteiligt sich am Projekt, weil die Wachtürme Objekte von nationaler Bedeutung sind. Die Ortsbürgergemeinde Möhlin feierte im letzten Jahr ihr 100-jähriges Bestehen und beteiligt sich finanziell an der Sanierung der Wachtürme beim «Fahrgraben», in der «unteren Wehren» sowie an der vermutlich aus dem 10. Jahrhundert stammenden Toranlage beim «Bürkli».

Auch die Gemeinde Koblenz möchte sich im Rahmen der 750-Jahr-Feier im nächsten Jahr ihrer römischen Wurzeln erinnern und übernimmt einen Teil der Kosten für die Restaurierung des Römerturms im Laufen. Der Ortsname «Koblenz» ist von der römischen Bezeichnung «ad Confluentes» abgeleitet, was übersetzt «beim Zusammenfluss» (von Aare und Rhein) bedeutet.

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