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Zeuge des Kalten Krieges: Militärmuseum ist wieder offen - viele Panzer haben eine spezielle Geschichte

Besucher folgen André Perrets Ausführungen zum Centurion

Besucher folgen André Perrets Ausführungen zum Centurion

Der Centurion-Panzer stand im Zentrum einer Führung durch das Militärmuseum, das wieder offen steht. Panzer aus der ganzen Welt werden hier gezeigt.

Der Centurion-Geschützturm neben dem Hauptgebäude deutet darauf hin: Der britische Kampfpanzer, dessen Entwicklung in den letzten Jahren des Zweiten Weltkrieges begonnen hatte und der in der Zeit des Kalten Krieges das Rückgrat der Schweizer Panzertruppen bildete, hat natürlich auch im Schweizerischen Militärmuseum in Full einen Ehrenplatz.


An diesem Samstag führt André Perret eine Gruppe von Besuchern durch die Panzerhalle. Neben Panzern aus aller Herren Ländern – wie etwa dem ­legendären sowjetrussischen T34 – wird die Entwicklung der Schweizer Panzertruppen aufgezeigt. Vom «Praga» aus dem Jahre 1938 bis hin zum «Leopard». Zwischen dem «Leo» und einem Panzer 68, einer Schweizer Eigenentwicklung, steht einer der 300 Centurions, die zwischen 1951 und 1960 in drei Tranchen beschafft worden waren. (Dass die Centurions der dritten Tranche in Südafrika gekauft wurden, hatte damals zu gewissen «Irritationen» geführt.)

Von Privatpersonen erworben

Unbestritten bleibt aber, dass der 51 Tonnen schwere Centurion, der über eine Kanone im Kaliber 10,5 cm verfügt und durch einen 12-Zylinder-V-Motor mit 27 Litern Hubraum und einer Leistung von 650 PS angetrieben wird, als «bester Panzer des Kalten Krieges» gilt. Das Ausstellungsstück in Full diente ­übrigens als Ausbildungsfahrzeug, bevor es von zwei Privatpersonen erworben und später dem Militärmuseum geschenkt wurde.

Nicht zu übersehen ist der sogenannte Rotinoff-Zug, der aus einem Centurion-Kampfpanzer auf einem Tieflade­anhänger und einem gewaltigen Super-Atlantic-Schlepper besteht. Dieses Gespann, so Marcel Ritter vom Verein Militärmuseum, gehört dem Centurion-Verein. «Der Verein hat das Objekt, und wir haben den Platz», stellt er fest. «Es ist eine Win-win-Situation.»

Ausgestellt ist auch ein Centurion-Entpannungspanzer mit einer speziellen Geschichte. Wie André Perret erklärt, sind diese «Abschlepp»-Panzer nach der Ausmusterung in der Schweizer Armee nach Schweden verkauft worden.

Nachdem auch in Schweden die Centurion-Ära zu Ende ging, hat zumindest eines dieser knapp 50 Tonnen schweren Ungetüme den Weg zurück in die Schweiz gefunden. An die Zeit in Schweden erinnert aber der spezielle Tarnanstrich. «Zwischen den Militärmuseen spielt sich vieles auf Tauschbasis ab», sagt Marcel Ritter zu dieser Odyssee. Selbst nach der Ausmusterung hatte der Centurion – zumindest in Teilen – in der Schweizer Armee sozusagen überlebt. Als Ersatz für die alten Panzerabwehrkanonen sind eine Anzahl Centurion-Geschütztürme in Befestigungsanlagen eingebaut worden. Im Militärmuseum Platz gefunden hat die für die Ausbildung der Bunker-Kanoniere erbaute Anlage, die sich einst im Berner Oberland befunden hatte.

In seinem Buch «Centurion» hat Daniel Stoop, Präsident des Centurion-Vereins Schweiz, die Geschichte des legendären Panzers aufgezeichnet.

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