Am Mittwochnachmittag wurde vor dem Primarschulhaus Aemmert in Schneisingen ein Schulkind von einer verdächtigen Person angesprochen. Das Kind handelte richtig und rannte schreiend weg, als der Mann anbot, es nach Hause zu fahren. 

Einen Tag nach dem beunruhigenden Vorfall verteilte die Schulleitung einen Brief an die Eltern, warnte sie vor den mutmasslichen Übeltätern und gab ihnen Tipps, wie Kinder sich in solchen Situationen verhalten sollen. Die Primarschule meldete sich auch bei der Regionalpolizei und informierte sie über das Schreiben.

Die Mitteilung der Schule machte schnell die Runde auf dem sozialen Netzwerk Facebook. Heikel findet das Roland Pfister, Mediensprecher der Kantonspolizei Aargau. Er warnt davor, sich wegen des Vorfalls unnötig zu ängstigen. «Wir verzeichnen jährlich zwischen 60 und 80 solcher Meldungen», erklärt er auf Anfrage der az. «Fakt ist aber, dass es im Kanton Aargau in den letzten 20 Jahren keinen einzigen Entführungsfall mit Schulkindern gab.» Gerade die Verbreitung solcher Geschichten über Facebook könne zu einer regelrechten Hysterie führen, die niemandem hilft. 

Der Warnbrief der Primarschule Schneisingen

Häufig stecken Missverständnisse hinter den Vorfällen

Hinter den Schreckensmeldungen würden häufig nur Missverständnisse stecken, erklärt Pfister. Er erinnert sich an einen Fall, bei dem ein Mädchen behauptete, von einem verdächtigen Mann angesprochen worden zu sein. Als es den Vorfall auf der Polizeiwache nochmals schildern sollte, gab die Schülerin aber zu, die Geschichte nur erfunden zu haben.

Es stellte sich heraus, dass das Mädchen die angespannte Situation nach einem Warnbrief der Schule ausnützte, um schulfrei zu bekommen. «Kinder können sehr einfallsreich sein», fasst Pfister die Geschichte zusammen. 

Weiter weist der Mediensprecher darauf hin, dass das reine Ansprechen von Kindern noch keinen Strafbestand darstelle. «Oft sind es geistig behinderte Personen, die Kinder ansprechen, dabei aber gar nichts Böses wollen», erklärt Pfister. 

Dennoch sei es richtig und wichtig, dass Kinder ihre Eltern oder Lehrer über solche Vorfälle informieren. Diese sollen dann umgehend die Polizei informieren. Nur so könnten eventuelle Triebtäter aufgespürt und zur Rechenschaft gezogen werden.