Klingnau

«Wollten nicht zu Infektionsherd werden»: Nach dem Chlauseinzug wird auch der alternative Umzug abgesagt

Als Alternative zum traditionellen Chlauseinzug wurde in Klingnau ein Umzug durch die Quartiere geplant. Wegen der aktuellen Lage muss nun aber auch diese Alternative abgesagt werden. «Wir wollten auf keinen Fall zu Infektionsherd werden», sagt der OK-Chef. Wo die Kinder den Samichlaus trotzdem sehen können.

Zwischen 600 und 900 Besucher strömen jedes Jahr nach Klingnau, wenn die vier Samichläuse in Rot und Gold gekleidet mit der Kutsche in die Stadt einziehen und zwei Mal um die Kirche fahren. Der Tross startet traditionsgemäss jeweils am ersten Adventssonntag auf dem Hönger ausserhalb des Wohnquartiers mit rund 30 Schmutzlis, die Esel oder Ponys führen, Leiterwägeli ziehen oder Fackeln in den Händen halten.

Dass der Chlauseinzug in diesem Jahr wegen Corona nicht stattfindet, ist schon länger bekannt. Nun teilt das Organisationskomitee schweren Herzens mit, dass der als Alternative geplante Umzug durch die Quartiere ebenfalls abgesagt wird. Immerhin: Auf alle weihnächtlichen Bräuche müssen die Kinder nicht verzichten. Die Chläuse besuchen die Kleinsten im Städtli weiterhin zu Hause – unter Einhaltung des Schutzkonzepts.

Der Samichlaus zieht am Chlauseinzug ins Städtli Klingnau ein (2015): 

«Wir haben alles Mögliche versucht, um den traditionellen Anlass durchführen zu können», sagt Hermann Märki, OK-Chef. Mehrmals hat das OK das Schutzkonzept überarbeitet. «Wir planten zuerst, den Chlauseinzug ohne den Kirchenbesuch durchzuführen», sagt er. Die Stadtkirche ist jedes Jahr bis auf den letzten Platz gefüllt, wenn der Pfarrer den Samichläusen den Stab übergibt und sie auf ihre Reise zu den Familien schickt.

Das Organisationskomitee änderte seine Strategie nochmals

«An den Zufahrtsachsen ins Städtli hinein hätten wir kontrollieren können, wie viele Besucher wir hineinlassen und ob alle Masken tragen.» Aber nach der Verschärfung der Massnahmen vor wenigen Wochen änderten sich die Voraussetzungen nochmals. Das Verbot von Veranstaltungen mit über 50 Personen hätte kaum eingehalten werden können. Denn nach der Begrüssung in der Kirche herrscht bei der Gabenverteilung in der Altstadt jeweils ein grosser Andrang.

Das Organisationskomitee änderte deshalb seine Strategie nochmals, sagte den Chlauseinzug ganz ab und wollte stattdessen einen Umzug durchführen. Das Schutzkonzept sah vor, dass die Kutsche während rund einer Stunde auf einer Strecke von vier Kilometern durch verschiedene Klingnauer Quartiere rollt und zwei Samichläuse sowie einige Schmutzli ihre Gabensäckli verteilen. Helfer wären vorausgelaufen und hätten dafür gesorgt, dass sich allfällige Ansammlungen wieder auflösen.

Kantonsärztin hätten Umzug wohl nicht bewilligt

Das Konzept dazu reichte das OK beim Rechtsdienst des kantonalen Departements Gesundheit und Soziales ein. «Diese Vorabklärung ergab aber, dass die Kantonsärztin den Umzug vermutlich kaum bewilligt hätte» sagt Hermann Märki. «Da viele Chlausanlässe im Aargau bereits abgesagt wurden, wären wahrscheinlich wiederum zahlreiche Auswärtige nach Klingnau gekommen.» Dies hätte die Einhaltung des Verbots von Ansammlungen von mehr als 50 Personen zusätzlich erschwert. «Und wir wollten auf keinen Fall zu einem Infektionsherd werden», stellt Hermann Märki klar. Diese Woche fiel deshalb nun der Entscheid, auch den Umzug abzusagen.

Immerhin kann eine der Klingnauer Weihnachtstraditionen nach wie vor durchgeführt werden: die Hausbesuche der Samichläuse am Samstag und Sonntag, 5. und 6. Dezember. «Es könnte sein, dass wir die Besuche auf mehr als zwei Abende verteilen», sagt Hermann Märki. Denn von den normalerweise zehn Chläusen, die jeweils von drei Schmutzlis begleitet werden, sind in diesem Jahr weniger unterwegs, unter anderem wegen Risikopersonen in der Familie aus oder arbeitsrelevanten Gründen.

Bei Hausbesuchen werden verschiedene Regeln eingehalten

«Wir warten nun die Anmeldungen ab und sehen dann weiter», sagt der OK-Chef, der ebenfalls als Samichlaus unterwegs sein wird. «Falls gewünscht, führen wir die Besuche wie mit dem Kindergarten oder der Kita auch im Freien durch.»

Um die Sicherheit alle zu gewährleisten, gilt es, bei den Hausbesuchen verschiedene Regeln einzuhalten. «Mehrfamilienbesuche sind beispielsweise nicht möglich in diesem Jahr», sagt Märki. Verschiedene Familien würden mit bis zu zwölf Kindern für die Chlausfeier zusammenkommen. «Die Anzahl der Gäste sollte nun möglichst klein gehalten werden. Auch auf das Schütteln der Hände wird in diesem Jahr verzichtet.» Ausserdem sind nur zwei Schmutzlis mit dem Samichlaus unterwegs, um die Abstandsregeln einhalten zu können.

So sah der Klingnauer Chlausmarkt 2019 aus:

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