«Die Frage, ob zu viel oder zu wenig Pflegeplätze geplant und geschaffen werden, können wir nicht abschliessend beantworten»: Dieses Fazit zog Grossrat Erwin Baumgartner (Tegerfelden) am traditionellen Achenbergtreffen der FDP des Bezirks Zurzach. Es sehe aber danach aus, als ob die Zahl genügen würde oder allenfalls sogar etwas zu hoch sein könnte, stellte er fest. Wichtig sei, dass Alterswohnungen mit Service angeboten werden und zwar dort, wo entsprechende Strukturen bereits vorhanden sind. Als «spannend» bezeichnete er das Modell des Vereins Altersbetreuung Oberes Fricktal, das zusammen mit dem Planungsverband Zurzibiet Regio angeschaut werden sollte.

Achenberg: Alterspflege im Zurzibiet war Thema am Achenbergtreffen der FDP

Achenberg: Alterspflege im Zurzibiet war Thema am Achenbergtreffen der FDP

Zum traditionellen Anlass der FDP des Bezirks Zurzach, der dem aktuellen Thema «Alterspflege Zurzibiet – Zu viel oder zu wenig Pflegeplätze?» gewidmet war, konnte Bezirkspräsidentin Claudia Hauser rund 70 Personen begrüssen, die grösstenteils im Sternmarsch auf den winterlichen Achenberg gepilgert waren. Im Zentrum des Treffens standen Referate von Roland Wormser und André Rotzetter.

«Ambulant vor stationär»

«Unsere Hauptaufgabe ist es, dafür zu sorgen, dass die Leute so lange wie möglich zu Hause bleiben können», betonte André Rotzetter, der Geschäftsführer des Vereins Altersbetreuung Oberes Fricktal. Der Verein betreibt in Frick, Laufenburg und Rheinfelden Alterszentren mit gesamthaft rund 200 Betten, bietet in Frick rund 50 Alterswohnungen mit Betreuung an und plant in Laufenburg weitere rund 40 Alterswohnungen.

Probleme bereiten würden bei der Planung des Angebotes an Pflegeplätzen die Babyboomer, stellte André Rotzetter fest. Diese Generation der Jahrgänge 1940 bis 1965 wird ab 2025 ins Pflegeheimalter kommen. Er verwies aber darauf, dass 30 Prozent der Menschen, die heute in Alters- und Pflegeheimen leben, kaum KVG-Pflege beanspruchen würden und weitgehend selbstständig seien. Gleichzeitig sei die Spitexquote im Aargau vergleichsweise tief. «Spitex ist der Schlüssel», betonte André Rotzetter. «Es muss mit Spitex beginnen.» Und er gab zu bedenken: «Gemeinden haben mehr Einfluss darauf, dass die Leute länger zu Hause bleiben können, als sie denken.»

Zu pessimistische Zahlen

«Die Prognose des Bedarfes an Pflegeplätzen ist sehr komplex», erklärte Roland Wormser, Unternehmensberater und Präsident des Verwaltungsrates der WirnaVita AG Würenlingen. Zu den vielen Faktoren komme jetzt ein zusätzlicher Trend, der in Richtung Wohnen mit Service gehe. Wohnangebote mit Service würden sich klar auf den Bedarf an Pflegeplätzen auswirken. Bedarfsprognosen müssten daher regelmässig überprüft werden. Dabei dürfe nicht an Bezirksgrenzen Halt gemacht werden.

Die Zahlen von «Obsan 47» -- einem Bericht des Schweizerischen Gesundheitsobservatoriums Neuenburg mit dem Titel «Statistische Grundlagen zur regionalen Pflegeheimplanung in der Schweiz» -- seien viel zu pessimistisch. «Im Aargau ist die Situation aber nicht so schlimm», räumte Roland Wormser ein. «Das Departement Gesundheit und Soziales betrachtet die Obsan-Zahlen als Maximalwerte.»

Im Anschluss an eine Diskussion wurde Franz Nebel, der nach 9 1/2 Jahren im Grossen Rat zurückgetreten ist, von Claudia Hauser und Bernhard Scholl, dem Fraktionschef der FDP im Grossen Rat, verabschiedet.