Es ist 21.43 Uhr, als die Wohler Fans von den Holzbänken aufspringen, die mitgebrachten Fähnchen schwingen und jubeln, so laut sie können. Sieg! «Unglaublich!» - «Das gibt ein Fest nächste Woche!» Jede Minute der langen Fahrt nach Simplon, ins abgelegene Walliser Bergdorf hat sich gelohnt.

Auf einen Sieg gehofft, das haben alle Wohler Fans. Aber sicher war der Erfolg nie. Jetzt haben sie es geschafft. Nächste Woche wird im Freiamt gejasst. Auch wenn die Wohler nicht ganz zufrieden sind, dass das Jassfest auf dem Merkur-Areal steigen soll: «Die Kulisse ist einfach nicht schön.» – «Aber es braucht halt Platz für all die Leute.»

Vom Alphorn-Empfang bis zum Schunkeln mit DJ Antoine: Die Wohler Jass-Fans in Simplon Dorf

Vom Alphorn-Empfang bis zum Schunkeln mit DJ Antoine: Die Wohler Jass-Fans in Simplon-Dorf

   

Als der Car kurz vor 12.30 Uhr in Wohlen einfährt, warten dort 45 Jass-Fans. Sie reisen nach Simplon, um «ihre» Jasserinnen und Jasser Julie-Pearl Meyer, Roger Hefti, Cécile Keller und Daniel Huwiler zu unterstützen. Alle tragen weisse T-Shirts mit roten Ärmeln und dem Wohler-Donnschtig-Jass-Logo auf der Brust.

Die Jass-Fans auf dem Weg ins Wallis – ausgerüstet mit Strohhüten und Fanshirts

Für die 45 Wohler Fans ist klar: «Wenn das kein Sieg gibt heute, dann hats nicht an uns gelegen.»

Und wie es sich für einen waschechten Wohler gehört, bringt er an einen solchen Anlass mit nationaler Ausstrahlung auch seinen Strohhut mit. Schliesslich ist das Motto der Reise: «Huet isch Trumpf». Der Vergnügungsreise, wie sie ein Wohler nennt, steht nichts mehr im Weg. Der erste Schreckmoment lässt aber nicht lange auf sich warten. Nach gut einer halben Stunde Fahrt wird der Wohler Fan-Car auf der Autobahn überholt. Von einem anderen Car. «Das sind sicher die Klingnauer.» Ein kühles Bier beruhigt.

Erste Niederlage für den Strohhut

Nach 2,5 Stunden Fahrt ist Zeit für eine Pause und ein Gruppenfoto. «Nehmt die Strohhüte mit und zieht das T-Shirt an», sagt Claudia Nick vom Organisationskomitee. Das Tenue sitzt. Bis zur ersten Windböe – und die sind auf der Raststätte heftig. Selbst ein Wohler Strohhut zieht da den Kürzeren. Aber am Ende ist das Foto im Kasten, alle Hüte noch ganz und die Fans frisch gestärkt. Im Car spendiert das OK ein Gläschen Rosé und Gebäck. «Wein oder Gebäck?» – «Wein!» Wer hinten sitzt, hat Pech.

Pause mit Fototermin – der Wind meint es nicht gut mit den Wohler Strohhüten.

Pause mit Fototermin – der Wind meint es nicht gut mit den Wohler Strohhüten.

Auf der Autobahn tauchen die Klingnauer wieder auf. Am Rand auf einem simplen Parkplatz. Raststätte? Fehlanzeige. «Die haben halt ein anderes Budget, können nicht einmal einen Kaffee trinken.» – «Jetzt könnten wir die Strasse sperren. Sie sind hinter uns.» Haben die Wohler hier ihren Sieg klargemacht?

Die Klingnauer sind überholt, als der Wohler Car auf der Hauptstrasse bremsen muss. «Es Fueder Stroh!» Schnell wird klar: Auf dem Kopf und geflochten mögen die Wohler ihr Stroh. Aber nur so. Vor allem, wenn auf dem Berg die Jasser warten. Das letzte Stück nach Simplon auf der kurvigen Passstrasse zieht sich. «Dass so ein Dorf überhaupt mitmachen darf!» - «Das Gute ist, dass wir den Festplatz gar nicht verpassen können. Das ganze Dorf ist eine Festhütte.»

Wohler Fans waren zuerst da

Kurz vor dem Dorfeingang stehen die SRF-Lastwagen. Mit ihnen wurden in den letzten Tagen die 40 Tonnen Material für die Sendung nach Simplon gekarrt. Immerhin sind sie ein Zeichen, dass der Festplatz nicht mehr weit weg ist. Kuhglocken läutend und Fähnchen schwingend ziehen die Fans durch Simplon, geben einen ersten Vorgeschmack auf das, was später während der Sendung folgt. Auf einem Parkplatz üben Alphornbläser für ihren Auftritt in der Sendung. Die Hauptprobe auf dem Dorfplatz ist schon fast zu Ende, als die Wohler an die beiden Festbänke sitzen. Roman Kilchsperger ist in Hochform. Blickt von der Bühne in ein buntes Meer aus Menschen. In der Mitte des Platzes singt eine Jodlergruppe. Hören kann man sie nicht. Die Boxen beben, weil DJ Antoine gleichzeitig probt. SRF bringt den Wahnsinn in ein Dörfchen im Nirgendwo, umgeben von hohen Bergen.

Während sich die Wohler Fans bereits zuprosten, finden auch die Klingnauer den Weg auf den Platz in Simplon-Dorf. «Die Wohler sind schon da», stellt einer beim Vorbeigehen konsterniert fest. Bis zum Sendungsbeginn bleiben knapp zwei Stunden, um in Stimmung zu kommen, eine Bratwurst, Polenta oder Raclette zu essen.

Kurz vor der Livesendung wird noch einmal geübt. Wann ist klatschen angesagt, wann lärmen und wie geht der Schlusssong. Die Regie lässt das Publikum dreimal üben, bis sie zufrieden ist. Dann wird es kurz ganz still, bis der Sendungsjingle erklingt. Die Fans und vielen Gäste beweisen, dass sie mehr als aufgewärmt sind.

Kilchsperger begrüsst Klingnauer Fans persönlich.

Kilchsperger begrüsst Klingnauer Fans persönlich.

Simplon Dorf hat nur 300 Einwohner. Um Werbung zu machen, hatte der Moderator versprochen, jedem Gast auf dem kleinen Dorfplatz per Händedruck zu begrüssen.

DJ Antoine bringt alle zum Singen

DJ Antoine und das Model Laura Zurbriggen sind die Ehrengäste in Simplon-Dorf. Und DJ Antoine zeigt, dass seine Musik ein älteres Publikum, aber auch Teenager mit Fanshirts, durchaus auf Bänken zum Tanzen bringt. Absolut friedlich geht es unter den Fans zu und her. Während dem Jassen gilt: Je kleiner die Differenz, desto euphorischer die Stimmung – in beiden Lagern. Auch wenn Klingnau und Wohlen Gegner sind: Sie mögen sich gute Resultate gönnen oder klatschen zumindest aus Anstand.

Was für ein Fest. Was für eine Kulisse. Und das in einem Dreihundert-Seelendorf. Nach dem Sieg bleiben die Wohler Fans noch etwas auf den Festbänken sitzen. Der letzte Wein, der letzte Schluck Bier oder Wasser sind noch nicht getrunken. Die Freude überdeckt die Müdigkeit in ihren Gesichtern. Bis sie ins Bett fallen können, steht ihnen noch die vierstündige Rückfahrt im Car bevor. Umso grösser dürfte die Vorfreude auf das Fest nächste Woche in Wohlen sein. Dann können sie zu Fuss ins Bett purzeln. Und Morschach und Muota-thal um den Sieg jassen lassen.