Seit Anfang September helfe ich als Betreuerin in einer Pflegewohngruppe einer Freundin aus. Dazu reise ich zu für mich eher ungewöhnlichen Zeiten durchs Zurzibiet:
Je nach Schicht starte ich morgens um 5.33 Uhr oder kehre abends kurz vor Mitternacht zurück. Dabei beobachte ich Seltsames:

Wesen, die aussehen, gehen und sprechen wie Menschen, mischen sich unter die normalen Reisenden – aber das sind keine, die tun nur so als ob! In Wirklichkeit sind das Alien, denen jedes Konzept fehlt, was ein Abfalleimer ist, wofür Verbote da sind oder was eine Hausordnung bedeutet… Obschon diese seltsamen Wesen unsere Sprache sprechen, verstehen sie nicht, was ich ihnen sagen will, wenn ich sie bitte, ihre Bierdosen, Glasflaschen, Zigarettenstummeln, Pizzaschachteln und mehr vom Boden aufzuheben und in den Abfalleimer zu werfen, der knapp 23 cm neben ihren Füssen steht. Sie ignorieren mich meistens oder glotzen mich fassungslos an, als ob sie sagen möchten: «Du kannst uns sehen?»

Noch ist mir nicht klar, auf welches Zeichen hin diese Wesen aus dem Dunkel der Nacht auftauchen, aber ich finde sie in Bad Zurzach und in Koblenz, in Döttingen und in Turgi, und vermutlich sind auch weitere Bahnhöfe betroffen, aber das weiss ich nicht, weil ich da nicht umsteige … Ich vermute aber, der eine oder die andere Leserin ist denen auch schon begegnet. 

Zwei ganz besondere Exemplare hatten mich gestern im Wartehäuschen auf Gleis 4 so vollgequalmt, dass ich fiepend nach meinem Asthmaspray griff – und mich kurz darauf hustend auf dem doch bereits empfindlich kühlen Perron wiederfand. Wo sind die Men in Black, wenn man sie mal braucht?

Immerhin: Beim Aussteigen in Bad Zurzach waren da die Men in Orange, von Railclean, und sorgten dafür, dass die Pendler, die zu normalen Zeiten reisen, vom nächtlichen Spuk nichts mitbekommen. Ich dankte ihnen von Ferne für ihre Arbeit – allzu nahe traute ich mich nicht. Wer weiss, ob darunter nicht einer war, der mich geblitzdingst hätte…