Leuggern/Klingnau

Wirt und Opernsänger: So kriegt der Aargauer Michael Hauenstein den Spagat hin

Mann mit vielen Talenten: Michael Hauenstein als Vater Mattis in Ronja Räubertochter 2017.

Mann mit vielen Talenten: Michael Hauenstein als Vater Mattis in Ronja Räubertochter 2017.

Der Wirt und Opernsänger Michael Hauenstein pendelt zwischen der «Sonne» in Leuggern und dem Opernhaus Zürich. Am Sonntag tritt er in Klingnau auf.

In Möriken aufgewachsen, wurde ihm die Welt der Operetten in die Wiege gelegt. Seine Mutter und Grossmutter sangen in den Produktionen im Ort mit. Bekanntschaft mit einer Oper hingegen machte Michael Hauenstein erst als 20-Jähriger.

«Eine Tante nahm mich mit ins Opernhaus Zürich zu Puccinis ‹Tosca›. Ich fand es schrecklich.» Nichtsdestotrotz: Seit drei Jahren steht Hauenstein selber als Solist auf der Opernhaus-Bühne.

«Das Einzige, was mich damals an der Tosca fasziniert hatte, waren alle Sängerinnen und Sänger, die ohne Mikrofon das grosse Haus füllen konnten.»

Aus einer zufälligen Begegnung 2006 mit der Sopranistin Margot Senn, die in den 70er- und 80er-Jahren die Operette Möriken mitgeprägt hatte, resultierte die erste Gesangsstunde, der bis heute unzählige folgten: Im bulgarischen Gesangslehrer Ivan Konsulov aus Arbon fand der Bass-Bariton mehr als einen Lehrer – einen Mentor.

Feuer fürs Singen

Bass-Bariton Hauenstein, der eine Verwaltungslehre in Mägenwil absolvierte und seit 14 Jahren zusammen mit seiner Frau Karin Hauenstein-Birchmeier das Restaurant Sonne in Leuggern führt, war anfangs drei- bis viermal pro Woche zum Gesangsunterricht in die Ostschweiz gefahren.

«Nachdem in mir das Feuer fürs Singen entbrannt war, habe ich keinen Aufwand gescheut.» All die Mühe hat sich gelohnt.

Hauenstein als Dr. Bartolo in Nozze di Figaro im Juni 2019 am Opernhaus

Hauenstein als Dr. Bartolo in Nozze di Figaro im Juni 2019 am Opernhaus

Was als Hobby begonnen hatte, ist längst zu einem Beruf geworden. Der «Brocken» von einem Mann ist sicht- und spürbar stolz auf seine Leistung, ohne deshalb überheblich zu wirken.

Schon sein erstes Vorsingen – «es war 2011 im Pfalztheater Kaiserslautern» – brachte ein Engagement, dem weitere Stückverträge in Halle, Basel, Innsbruck folgten und als Höhepunkt das Zürcher Opernhaus, wo Hauenstein in der Saison 2017/18 festes Ensemblemitglied war und jetzt als Freiberufler weiter gefragt ist: Im zu Ende gegangenen Jahr war er im Haus am Bellevue als Kuno in von Webers «Der Freischütz» und Dr. Bartolo in Mozarts «Le Nozze di Figaro» zu erleben.

Spezielles Programm für Auftritt in Klingnau

Ab März wird er als Graf Waldner in Richard Strauss’ «Arabella» auf der Zürcher Opernhaus-Bühne stehen sowie als Solist in Beethovens «Missa solemnis mit dem Glarisegger Chor und den Zürcher Symphonikern zudem unter anderem in der Tonhalle Maag gastieren.

Bereits diesen Sonntag wird sein voller Bass in der Stadtkirche Klingnau ertönen, begleitet von der Pianistin Judit Polgár. Die Kulturkommission als Organisatorin des Neujahrskonzertes hat die Zusammenstellung des Programms ganz dem Sänger überlassen.

Faible für Fremdsprachen

«Nur so viel sei verraten: Ich werde die Gäste mit bekannten und weniger bekannten Opernarien, durchmischt mit Operetten-Schmankerl, überraschen.»

Dabei wird den Zuhörern klar, dass Opernsänger auch ein Faible für Fremdsprachen brauchen, und zwar nicht nur für Italienisch, sondern beispielsweise auch fürs Tschechische. Aus der Arie des Wassermanns Vodnik aus Dvořáks Oper «Rusalka».

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