Nach Konkurs

Wird Schloss Böttstein verkauft? So viele Immobilien besitzt die Eigentümerin sonst noch

Das Konkursverfahren zur Schlossherrin von Böttstein und dem Hotel dürfte mehr als ein Jahr lang dauern. Mindestens 23 Immobilien gehören der Schlossherrin – sie werden nun geschätzt. Im Schloss darf sie wohnen bleiben.

Gerade erst hat die Birchmeier-Gruppe das Schloss in Bad Zurzach gekauft – nun scheint auch ein Verkauf von Schloss Böttstein, das auch im Zurzibiet liegt, möglich. Das Konkursverfahren zum Hotelbetrieb und dessen Eigentümerin Pearl Anthony Lauper ist erst wenige Wochen alt. «Bereits haben sich mehrere Kaufinteressenten gemeldet», sagt Christoph Rengel vom Konkursamt Thalwil. Der Notar beaufsichtigt das Konkursverfahren, das seine Mitarbeiterin Sabrina Brem führt. 

Ob es zu einem Verkauf oder einer Versteigerung kommt, hängt von mehreren Faktoren ab. «Wir dürfen letztlich nur so viele Liegenschaften verkaufen, um die Forderungen der Gläubiger decken zu können», führt Rengel aus. Man werde aber zuerst jene Liegenschaften veräussern, die den grössten Ertrag versprechen. Zudem sei beim Verkauf das Einverständnis des Grundpfandgläubigers nötig. Bei diesem handelt es sich laut Informationen dieser Zeitung um die Neue Aargauer Bank. 

Forderungen in Millionenhöhe

Der Gastronomiebetrieb ist seit Mitte Juli geschlossen, nachdem das Zürcher Obergericht Anthony Laupers Beschwerde gegen die Konkurseröffnung des Bezirksgericht Horgen abgewiesen hatte. Beim Konkursverfahren ist die offizielle Eingabefrist für Forderungen nun verstrichen. «Wir haben fünf Ordner voll mit Forderungen von Gläubigern», sagt Rengel. Das Konkursamt prüft diese auf ihre Rechtmässigkeit. Einige liegen in Millionenhöhe. Sie betreffen Hypothekarkredite, die Anthony Lauper von Banken erhielt. 

Die Hauptarbeit für Sabrina Brem liegt nun darin, sämtliche Aktiven und Passiven zu erfassen. Auf der einen Seite sind das Vermögen und laufende Einnahmen, auf der anderen Seite die Schulden. Beides fliesst in den sogenannten Kollokationsplan und das Inventar ein. Der Kollokationsplan weist die Rangfolge von Gläubigern und ihren Forderungen aus.

Zuerst werden die Ansprüche der Pfandgläubiger, dann jene aus der 1. Konkursklasse beglichen. Dazu gehören Lohnforderungen. Lässt sich schon sagen, ob die Aktiven reichen, um die Forderungen sämtlicher Gläubiger zu stillen? «Dazu können wir noch nichts sagen», sagt Rengel. «Noch liegen nicht alle Schätzungen vor, welche wir für eine Hochrechnung benötigen.»

«Wir setzen ein riesiges Puzzle zusammen»

Die Gläubiger werden noch viel Geduld und das Konkursamt viel Zeit aufbringen müssen. «Wir setzen ein riesiges Puzzle zusammen», sagt Rengel. Das Verfahren ist sehr aufwendig. Er rechnet im besten Fall mit einer Dauer von einem Jahr. Doch Anthony Lauper liegt mit mehreren Parteien, die ihre Forderungen eingereicht haben, im Rechtsstreit. Prozesse vor dem Arbeitsgericht und dem Handelsgericht stehen aus, wie Recherchen der «Schweiz am Wochenende» zeigen.

Erst, wenn die hängigen Prozesse erledigt sind, wird die genaue Forderungssumme aller Gläubiger feststehen. Dann lässt sich das sogenannte summarische Konkursverfahren in die Schlussphase führen. Notar Rengel erklärt: «Erst dann können nach den gesetzlichen Vorgaben Auszahlungen vorgenommen werden.»

23 Immobilien, viele Sozialwohnungen

Schlossherrin Anthony Lauper ist im Besitz von 23 Immobilien. Dazu gehören die vier Parzellen in Böttstein mit Schloss und der Wohnliegenschaft Kreuz. Eine Immobilie befindet sich in Wil SG, alle weiteren im Kanton Zürich: in Dietlikon, Dübendorf, Effretikon, Illnau, Kilchberg, Opfikon-Glattbrugg sowie ein Abrissobjekt in Adliswil. Dazu kommt mit der ehemaligen Jesuiten-Villa in Enge-Zürich ein repräsentatives Objekt. Anthony Lauper hat es vor wenigen Jahren mit ihrem Lebenspartner im Baurecht erworben. Hier befindet sich der Sitz ihrer Wilkinson Immobilien GmbH, die auch wegen Konkurs liquidiert wird.

Das Konkursamt strebt weiter an, Wohneigentum von Anthony Lauper in Südafrika zu eruieren. «Das gehört alles in die Konkursmasse. Es ist aber sehr schwierig, an die Informationen zu kommen», sagt Rengel. Ausserdem hat das Konkursamt auf Barvermögen, das sich auf Bankkonten befand, Zugriff genommen.

Schlossherrin wohnt im Schloss Böttstein

Das Konkursamt lässt den Wert der 23 Immobilien nun schätzen. In einigen Liegenschaften befinden sich Sozialwohnungen. Verwaltungen erhielten den Auftrag zur Bewirtschaftung. Bisher herrschte hierbei offenbar ein Chaos. «Es fehlten Mietverträge, Kautionen waren nicht hinterlegt», sagt Rengel.

In mehreren Häusern funktionierte die Heizung nicht. Mieter verschiedener Wohnungen haben Mängel gerügt, ohne dass die Eigentümerin reagiert hätte. Dies gilt etwa für eine der sechs Wohnungen im Haus am Rand der Altstadt in Wil SG. Das bestätigt eine Frau, die mit der Situation eines Mieters vertraut ist. «Er hat nie eine Antwort erhalten. Es ist nichts passiert.»

Das Inventar von Schloss Böttstein hat im Auftrag das Konkursamt Brugg aufgenommen. Der Haupteingang ist allerdings nicht versiegelt. Rengel erklärt den Grund dafür: «Frau Anthony Lauper lebt vorübergehend in der dazugehörigen Wohnung, die denselben Hauptzugang hat.» Als Konkursitin habe sie das Recht dazu. Sie habe faktisch schon vor der Konkurseröffnung im Schloss gewohnt, auch wenn sie offiziell noch in Kilchberg gemeldet war.

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