Klingnau

«Wir bangten um unsere Existenz»: Bauarbeiten im Städtli lassen Umsatz einbrechen

Die Baustelle vor dem Schloss in Klingnau macht nicht nur der Bäckerei Konditorei Gfeller das Leben schwer

Die Baustelle vor dem Schloss in Klingnau macht nicht nur der Bäckerei Konditorei Gfeller das Leben schwer

Der Beginn der Bauarbeiten im Städtli hat Folgen: Weil die Durchfahrt im Städtli erschwert ist, bricht bei der Bäckerei Gfeller der Umsatz im Klingnauer Geschäft ein. Doch die Inhaber haben vorgesorgt.

Die Läden und Restaurants im Klingnauer Städtli haben es zurzeit nicht leicht: Nach dem Franken- folgt der Baustellenschock. Seit Anfang Februar ist die Durchfahrt vor dem Schloss gesperrt.

Bis März 2017 werden das Stadtbild neu gestaltet und die Werkleitungen erneuert. Schnell bei der Bäckerei Gfeller gegenüber ein Gipfeli holen, liegt nicht mehr drin. Das spürt der Bäcker massiv. Sein Umsatz ist um 50 bis 60 Prozent eingebrochen.

«Wegen der Baustelle ist es kompliziert, ins Städtli zu fahren», sagt Geschäftsinhaber Markus Gfeller. Eine Umleitung führt die Autofahrer zwar wieder zurück ins Städtli. Wer aber auf dem Weg zur Arbeit oder am Feierabend nur wenig Zeit hat, nimmt diesen Umweg nicht in Kauf. Es ist noch möglich, vor dem Laden zu parkieren.

Da die Autos aber nur auf der Sonnengasse hin- und wieder wegfahren können, würden sich die Kunden manchmal gegenseitig zuparken. «Hinzukommen der Lärm und der Bagger direkt vor dem Schaufenster», ergänzt Karin Gfeller.

Da die Anzahl Kunden stark abgenommen hat, ist die Bäckerei seit letzter Woche am Nachmittag zu. Wie lange das so bleibt, lässt das Ehepaar offen. «Im Moment haben wir dank des Ostergeschäfts genug Arbeit für unsere 14 Mitarbeiter. Nachher müssen wir die Situation neu beurteilen.»

Dass die Werkleitungen saniert werden müssen, ist schon seit mehreren Jahren bekannt. «Wir hatten wahnsinnige Angst, dass wir deshalb viele Kunden verlieren würden. Wir bangten um unsere Existenz», sagt Karin Gfeller. Deshalb suchten die Gfellers schon früh nach einer Alternative, damit sie ausserhalb des Städtli ihre Brote verkaufen können.

Fündig wurden sie vor zwei Jahren in Döttingen neben der Post. Das Geschäft läuft dort mittlerweile so gut, dass aus dem Provisorium ein zweiter Standort wurde, der die Umsatzeinbussen im Laden in Klingnau auffängt. «Ohne das Geschäft in Döttingen könnten wir wohl nicht mehr so ruhig schlafen.»

Parkplätze besser signalisieren

Auch Stefano Picone vom Hotel-Restaurant Picone fürchtet Umsatzeinbussen – vor allem im Sommer, wenn er mit der Gartenbeiz am meisten Umsatz macht. Denn von Juni bis September wird die Sonnengasse entlang der Kirche bis zur Gartenwirtschaft der Pizzeria aufgerissen. Zwar kann Picone die Tische trotz Baustelle draussen aufstellen.

Der Lärm werde aber die Gartenbeiz-Idylle stören. Problematischer ist für ihn jedoch die Parkplatz-Situation. Die Gäste, die von Döttingen her kommen, hätten Mühe, einen Parkplatz zu finden. «Mehrere Gäste sagten mir schon, dass sie eine halbe Stunde gesucht hätten.» Er wünscht sich deshalb, dass ein Schild eingangs Städtli auf die Parkplätze beim Schulhaus aufmerksam macht.

«Dies werden wir prüfen», sagt Gemeindeschreiber Rolf Walker. Reklamationen habe er aber bis jetzt keine erhalten. «Klar macht das Gewerbe keine Begeisterungssprünge. Die Sanierung der Werkleitungen war aber dringend nötig.» So stammen die Wasserleitungen teilweise aus dem Jahr 1886. Man habe die Anwohner und das Gewerbe schon früh und regelmässig informiert. «Mit den verschiedenen Bauetappen versuchten wir zudem, auf die unterschiedlichen Bedürfnisse einzugehen.»

So sei über Ostern sichergestellt, dass die Zufahrt zur Bäckerei möglich ist. Auch die Etappen rund um die Pizzeria Picone seien zeitlich so angelegt, dass die Gartenwirtschaft im Sommer weiterhin betrieben werden könne. Zudem mietete die Gemeinde gegenüber dem «Engel» 25 Parkplätze. Für die Gfellers ist dies jedoch ein schwacher Trost.

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