Inhaltlich war vieles neu an der diesjährigen Ausgabe des Döttinger Winzerfests, doch eines war so wie immer: Die Besucher strömten während dreier Tagen in Scharen aufs Festgelände. Der Vorjahreswert von 51'000 Besuchern wurde deutlich übertroffen. Rund 55'000 waren es dieses Mal nach ersten Schätzungen des Organisationskomitees.

Ein neuer Rekord? «Nicht ganz», sagt Roland Keller, OK-Mitglied und verantwortlich für die Kommunikationsarbeit. «Es ist mit Sicherheit ein Spitzenwert. Jedoch hatten wir vor acht Jahren ebenfalls ein Fest mit etwa gleich hohen Besucherzahlen.»

Neben optimalen Wetterbedingungen sieht Keller in den diesjährigen Neuerungen die Gründe für den grossen Besucherandrang. Erstmals wurde der traditionelle Fassanstich mit einem kostenlosen Apéro begangen, Konzerte von Brass Bands sorgten am Eröffnungsabend für Festivalatmosphäre. «Bis anhin galt der Freitag immer ein wenig als Geheimtipp. Das war dieses Jahr anders», sagt Keller.

Noch ein – eher unbeabsichtigtes – Novum gab es hinsichtlich Festplaketten. Am Sonntagnachmittag gingen die zehn Franken teuren Eintrittsberechtigungen aus. «Damit hätten wir nicht gerechnet, dass wir keine Plaketten mehr haben werden», sagt Keller und lacht. Grössere Einbussen haben die Verantwortlichen deswegen aber nicht hinnehmen müssen: Man habe auf den Plaketten-Notstand rasch reagiert und auf Ersatzarmbänder zurückgegriffen.

«Schönes und fröhliches Fest»

Roland Keller freut sich, ein friedliches Winzerfest ohne gravierende Zwischenfälle erlebt zu haben. Diesen Eindruck bestätigt auch das Fazit der Regionalpolizei Zurzibiet (Repol). «Ein schönes und fröhliches Winzerfest liegt hinter uns», heisst es in einer Mitteilung. 

Dank einer sehr hohen Präsenz auf dem Festgelände und der Zusammenarbeit mit der Kantons- und Transportpolizei sowie einer Sicherheitsfirma hätten Ausschreitungen im mittleren und grösseren Ausmass erfolgreich verhindert werden können. Niemand sei ernsthaft verletzt worden, schreibt die Repol. Es habe lediglich kleinere Blessuren und einige Ambulanzeinsätze aufgrund medizinischer Probleme gegeben.

«Alkoholpegel bei Jugendlichen schon früh recht hoch»

Die Stimmung der Festbesucher sei sehr positiv gewesen. «Festgestellt wurde aber, dass der Alkoholpegel bei Jugendlichen und jungen Erwachsenen schon sehr früh recht hoch war und entsprechende Spuren hinterlassen hatte», so die Repol. Einzelne Besucher, die sich an Gebäuden oder Fahrzeugen erleichtert hätten, seien zur Rechenschaft gezogen worden.

Auch hätten die Polizisten einige Bussen und Anzeigen wegen Verstössen des Betäubungsmittelgesetzes aussprechen müssen. In einem Zelt seien in der Nacht zudem Esswaren und Getränke gestohlen worden. Bezüglich Lärmemissionen hätten sich bis auf eine Festwirtschaft alle an die gesetzlich vorgeschriebenen Höchstwerte gehalten, hält die Repol in ihrem Bericht abschliessend fest.

Kein Wachstum geplant

Für die Verantwortlichen geht die 67. Ausgabe des Winzerfests als ein Fest der Superlativen ein. Neben den äusserst hohen Besucherzahlen stechen besonders die insgesamt 130 Feststände am Winzermarkt ins Auge. «In den letzten Jahren hatten wir jeweils knapp über 100 Stände», erklärt Roland Keller.

Allfälligen «Gigantismus»-Debatten, wie an der letztjährigen Badenfahrt, schiebt er aber einen Riegel vor: «Mit 130 Ständen haben wir die Limite erreicht. Auch wenn wir wollten, könnten wir gar nicht weiter wachsen.»