Diese Tat erregt sogar die Gemüter derer, die nicht per se grosse Tierfreunde sind: In Böttstein AG wurde eine Wildschwein-Mutter mit ihren drei Frischlingen auf einem Feld überfahren – mit voller Absicht. Laut dem «Tages-Anzeiger» hat der Fahrer des Offroaders erst die Bache nahe am Strassenrand erwischt, dann mehrmals gewendet, um auch die Jungtiere zu überfahren.

«Das ist ein Massaker»: Jagdaufseher Adrian Wendel ist bestürzt über die zu Tode gefahrene Wildschwein-Familie

«Das ist ein Massaker»: Jagdaufseher Adrian Wendel ist bestürzt über die zu Tode gefahrene Wildschwein-Familie.

Die drei Frischlinge waren bereits verendet, als ein Jäger das Massaker entdeckte. Das Muttertier musste vom Jagdaufseher wegen der schweren Verletzungen getötet werden.

Die Staatsanwaltschaft hat als mutmasslichen Täter einen 55 Jahre alten Mann ermittelt, der selbst in Böttstein wohnt. Er ist Halter eines Geländewagens, an dem offenbar Haare und Blut gefunden wurden. Gegen ihn läuft ein Strafverfahren wegen Tierquälerei. Der Mann ist nicht geständig. Sein Anwalt sagte gegenüber dem «Tages-Anzeiger», sein Mandant könne belegen, dass er zum Tatzeitpunkt nicht im Auto gesessen habe.

Wer auch immer die Wildschweine auf dem Gewissen hat: Die Tat dürfte unter Artikel 26 des Tierschutzgesetzes fallen. Dort wird das Thema «Tierquälerei» behandelt. Unter Tierquälerei fällt zum Beispiel das Aussetzen von Tieren, das Veranstalten von Tierkämpfen, Vernachlässigung – oder eben das Töten eines Tieres auf qualvolle Art oder aus Mutwillen, wie es im Fall des Wildschwein-Killers gegeben sein dürfte.

Wer ist der Wildschwein-Killer?

Wer ist der Wildschwein-Killer?

Wer dies vorsätzlich macht, kann laut Tierschutzgesetz mit einer Freiheitsstrafe von maximal 3 Jahren bestraft werden. «In der Praxis wird dieser Strafrahmen aber niemals ausgenutzt», sagt Lukas Berger, Anwalt beim Rechtsdienst des Schweizer Tierschutzes. Acht Monate Gefängnis bedingt sei die höchste ausgesprochene Strafe gegen einen Tierquäler, von der er wisse – «in einem Fall, der noch weit schlimmer war als die totgefahrenen Wildschweine, obwohl diese Tat schon unglaublich grausam ist».

Er rechnet deshalb nicht mit einer hohen Strafe für den Wildschwein-Killer. «Je nach Kanton wird mit diesem Thema unterschiedlich umgegangen», sagt Berger. «Mit dem Aargau haben wir eher keine guten Erfahrungen gemacht; unserer Meinung nach geht man da ein bisschen sehr sanft mit Tierquälern um.»

Sofern der Wildschwein-Killer nicht einschlägig vorbestraft ist, rechnet Berger deshalb mit einer bedingten Geldstrafe von etwa 100 Tagessätzen, deren Betrag von Einkommen und Vermögen des Täters abhängt. «Dazu kommt wohl noch eine Busse von vielleicht 500 bis 1000 Franken», so der Tierrechtsexperte.

Der Schweizer Tierschutz fordert schon lange, dass der Strafrahmen, den das Gesetz in Tierquälerei-Fällen vorgibt, ausgereizt wird – auch beim Wildschwein-Killer. «In diesem Fall wäre eine Gefängnisstrafe von über sechs Monaten angezeigt», sagt Berger. «Schliesslich wusste der Täter genau, dass die Tiere nicht sofort tot sein werden, sondern einen langsamen, qualvollen Tod erleiden werden.»

Berger weist ausserdem darauf hin, dass viele Gewalttäter erstmals ihre Hemmungen mit Gewalt gegen Tiere verlieren. «Wer derart skrupellos Tiere quält, kann auch gegenüber Menschen gewalttätig werden», sagt der Anwalt.

Weil der Wildschwein-Killer für die Tat sein Auto eingesetzt hat, fragen sich nun Leser auf aargauerzeitung.ch, ob er auch mit einem Fahrausweisentzug rechnen muss. Wohl nicht, sagt Andreas Edelmann, Anwalt für Strassenverkehrsrecht aus Bad Zurzach. «Für einen Ausweisentzug oder einen Einzug des Fahrzeuges müsste eine Verletzung des Strassenverkehrsgesetzes vorliegen. Das steht meines Erachtens in diesem Fall nicht im Vordergrund.»

Wäre der Fahrer aus Versehen von der Strasse abgekommen und hätte die Wildschweine dabei überfahren, käme das «Nichtbeherrschen des Fahrzeuges» als Tatbestand in Betracht. Dann wäre ein Fahrausweisentzug denkbar.

Wenn der Täter die Fahrbahn aber absichtlich verlassen hat, liegt der Fall anders. «Dann kommt neben der mutmasslichen Tierquälerei auch Sachbeschädigung in Betracht – an den Tieren, aber auch am Feld», sagt Edelmann. Der Eigentümer des Feldes könnte neben einer strafrechtlichen Verfolgung auch privatrechtlich gegen den Täter vorgehen.