Klingnau

Wildes Spektakel mit den Räbehegeln: «Sie müssen schon ein bisschen Angst bekommen»

Kinder und Jugendliche auf der Flucht vor den Räbehegel am Schmutzigen Donnerstag 2020 in Klingnau

Kinder und Jugendliche auf der Flucht vor den Räbehegel am Schmutzigen Donnerstag 2020 in Klingnau

Schnell mussten sie rennen, die Schulkinder in Klingnau: Sonst trafen sie die Geisseln der Räbehegel. Am Schmutzigen Donnerstag trieben die beiden Masken «Brieggerli» und «Lächerli» die Schüler durch die Strassen. Die Geisseln knallten und wurden nur durch das aufgeregte Kreischen der Flüchtenden übertönt.

Es scheint ein Tag wie jeder andere zu sein – jedoch nicht für die Schüler: Die warten schon gespannt auf die Räbehegel. «Ich bin eine Piratin und habe keine Angst», sagt ein Mädchen. Sie hat mit dem Cowboy und dem Superhelden zusammen beschlossen, die Hegel im Städtli zu bekämpfen. Ein kleiner Thor hingegen will später lieber wegrennen. Da hört man auch schon die Peitschen knallen: «Lächerli» und «Brieggerli» nähern sich. «Sie kommen!», schreien einige Schüler, die die beiden schon gesichtet haben.

Als Startschuss zur Fasnacht findet hier jedes Jahr eine «Befreiungsaktion» der Schüler aus dem Unterricht statt. Jedoch nicht gemütlich, sondern mit ganz viel Action: Eine Klasse nach der anderen wird von den beiden Räbehegel aus dem jeweiligen Gebäude gejagt. Die Schüler wissen genau: Jetzt müssen sie rennen. «Brieggerli» und «Lächerli» – in Jutekleidern, unter Holzmasken und mit Peitschen bewaffnet – treiben die Kinder und Jugendlichen ins Städtli.

Die Jüngeren haben Angst, die Älteren provozieren

Dort geht das wilde Spektakel erst richtig los: Während die Narren die eine Gruppe verfolgen, versucht die andere Gruppe, die aufgemalten Zielscheiben am Rücken der beiden mit Chabisstorzen zu treffen. Doch eine blitzschnelle Drehung der Hegel reicht, um aus den Werfern Verfolgte zu machen und aus den Verfolgten Werfer. So geht es immer die Strasse hinauf und hinunter. Während die jüngeren Kinder schreiend davonrennen, wagen sich die älteren Schüler nah an die Hegel heran, um sie zu provozieren.

Dann trifft die Peitsche ihre Beine. «Es hat schon beiderseits Verletzungen gegeben, das kommt aber sehr selten vor», sagt César «Brieggerli» Roth, der seit rund zehn Jahren mit seinem Bruder Lukas als Räbehegel unterwegs ist. Ältere Schüler, die sich absichtlich mit ihnen anlegen wollen, werden auch mal angepackt. «Sie müssen schon ein bisschen Angst bekommen», sagt Roth lachend.

Weil er gerne Sport mache, hätten seine Vorgänger André Schleuniger und Felix Keller ihn damals angefragt, die uralte Tradition weiterzuführen. Doch auch für Roth wird es mit jedem Jahr anstrengender: «Nach dem Räbehegel bin ich immer sehr müde und die nächsten paar Tage spürt man es ganz schön in den Beinen.» Dennoch mache er es immernoch gerne.

«Schlussendlich geht es darum, dass die Kinder Spass haben», so Roth. Der ist für die verkleidete Gesellschaft garantiert: Nach der Jagd durchs Städtli bekommen die Kinder beim Süssigkeiten-Schreien und Wurstzipfel-Fischen sogar noch etwas gegen den Hunger.

Nach dem Räbehegel-Treiben ziehen die beiden mit den Kindern zu den Läden und Beizen – sie schreien, bis sie Süssigkeiten erhalten:

Ohrenbetäubende «Schreiete»: Nach dem Räbehegel-Treiben ziehen die beiden mit den Kindern zu den Läden und Beizen – sie schreien, bis sie Süssigkeiten erhalten.

Ohrenbetäubende «Schreiete» in Klingnau.

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