Die Verknüpfung von kleineren Wirtschaftsräumen, die bessere Erschliessung der Tourismusregion Hochrhein mit Bad Zurzach und damit die Verlagerung des Freizeitverkehrs auf die Bahn: Darin sehen Stefan Angliker und Patrick Held die Vorteile einer schnellen Interregio-Verbindung zwischen Winterthur und Basel.

Die beiden Absolventen der Zürcher Hochschule für Angewandte Wissenschaften untersuchten mit ihrer Bachelorarbeit das Nachfragepotenzial und die Wirtschaftlichkeit einer wiederbelebten Rheintalbahn, wie sie die Arbeitsgemeinschaft Winterthur-Basel (Pro Wiba) fordert.

Zudem sind Nationalräte und Grossräte in ihren Parlamenten aktiv geworden – in der Überzeugung, dass ein Interregio-Zug der Prosperität der ländlichen Gebiete zwischen den grossen Zentren Auftrieb geben würde.

An der von drei Dutzend Personen besuchten Podiumsdiskussion am Donnerstagabend im Hotel Zurzacherhof war man sich einig: Der Zug macht für Umwelt und Wirtschaft Sinn.

«Warum unser Geld in Deutschland ausgeben?»

Helg und Angliker rechneten vor, dass der nötige Ausbau in die Infrastruktur finanziell tragbar wäre. Nationalrat Thomas Hardegger aus Rümlang, der in Bundesbern mit einer kleinen Anfrage das Thema aufs Tapet gebracht hatte, machte darauf aufmerksam, dass das Problem nicht nur beim Geld liegt, immerhin bewilligte das Parlament für den Ausbauschritt 2035 13 Milliarden Franken, sondern auch ein Problem der personellen Ressourcen ist.

Zudem könne nicht immer noch mehr öffentlicher Verkehr gefordert werden, wenn man den Unterhalt des bestehenden Netzes nicht im Griff habe. Aber, so Hardegger, «auch für mich geht es zu wenig schnell».

Auch wenn der Entlastungseffekt einer durchgehenden Rheintallinie für die Hauptachse St. Gallen–Winterthur–Zürich– Bern gering ist, wie Helg und Angliker erklärten, wäre die Rheintalbahn eine willkommene Ausweichmöglichkeit. Dann nämlich, wenn die Hauptlinie unterbrochen ist.

Roland Indermühle: «Das System Strasse-Schiene ist anfällig geworden.» Für den Pendlerverkehr, insbesondere auch ins Sisslerfeld, wo in den nächsten Jahrzehnten Tausende neuer Arbeitsplätze geschaffen werden sollen, könnte die Rheintallinie von grossem Nutzen sein, wie Manfred Schraner, Vizeammann von Laufenburg, feststellte. Gerade deshalb müssten aber Raumplanung und Mobilitätsplanung koordiniert werden.

Dass die Wiedereinführung einer durchgehenden, schnellen Bahnverbindung entlang des Hochrheins auf der politischen Bühne (noch) wenig Zuspruch erhält, davon können die Aargauer Politiker ein Lied singen.

Die Grossräte Andreas Meier und René Huber erhielten auf ihre Interpellation «eine ernüchternde Antwort». Meier: «Unser Anliegen wird nicht ernst genommen.» Nationalrat Hansjörg Knecht wurde vom Bundesrat immerhin bestätigt, dass von den 200 Millionen Franken, mit denen die Schweiz die Elektrifizierung der Rheintallinie auf deutscher Seite mitfinanzieren will, noch kein Franken ausgegeben worden ist. Knecht: «Warum sollen wir unser Geld in Deutschland ausgeben?»

Die Arbeitsgemeinschaft Pro Wiba will nun Druck machen. Ihre am Donnerstag verabschiedete Resolution fordert die Wiedereinführung der direkten Bahnverbindung Winterthur-Basel auch mit dem Zweck, «die weiter zunehmenden Verkehrsfrequenzen überhaupt zu bewältigen und ökologisch sinnvoll abzuwickeln».

Stefan Angliker und Patrick Helg, Pierre-François Bocion (alt Stadtrat Winterthur), Hansjörg Knecht und Thomas Hardegger (Nationalrat), Andreas Meier (Grossrat), Meinrad Schraner (Vizeammann Laufenburg) v. l.

Stefan Angliker und Patrick Helg, Pierre-François Bocion (alt Stadtrat Winterthur), Hansjörg Knecht und Thomas Hardegger (Nationalrat), Andreas Meier (Grossrat), Meinrad Schraner (Vizeammann Laufenburg) v. l.