Klingnau

Wie zwei Gemeindearbeiter 2,6 Kilo Gold auf der Wiese finden

Die zwei Gemeindearbeiter in Klingnau halten das in Plastiksack eingewickelte Päcken zuerst für Drogen. Doch dann schlitzen sie es mit einem Sackmesser auf und machen einen erstaunlichen Fund.

Der Bauamtsleiter Jean-Marc Wenger und der Lehrling Timo Metzger finden am Strassenrand normalerweise weggeworfene Flaschen, Büchsen und Kehrichtsäcke. Am vorletzten Donnerstag, 28. Juni, war das laut der Regionalzeitung «Die Botschaft» anders. Sie mähen das Gras einer Magerwiese am Fussweg nahe der Unterführung bei der Post in Klingnau, zwischen Bahnlinie und Umfahrungsstrasse. Hinter einem hohen Strauch liegt ein Plastiksack im hohen Gras. Erst will ihn Wenger mit der Fötzelzange greifen, doch der Sack ist zu schwer. Wenger schaut hinein. «Ich sah ein Päckchen, eingepackt in weisses Seidenpapier, mit ganz vielen Klebstreifen drum herum», schildert er die Situation der «Botschaft». Das habe wie ein Drogenpäckchen ausgesehen.

Zuerst machen die beiden Witze. Im Spass soll Wenger gesagt haben: «Wenn es Gold ist, machen wir heute Nachmittag frei.» Dann schlitzt der Lehrling mit einem Sackmesser das Päckchen auf, zum Vorschein kommen viele weitere Päckchen, und in diesen wiederum Goldbarren um Goldbarren von unterschiedlichem Gewicht. Insgesamt sind es 2,6 Kilogramm. Aktueller Marktwert: Zirka 120'000 Franken. So viel Gold haben der Chef und der Lehrling noch nie gesehen.

Gold wird nicht vermisst

Die Gemeindearbeiter rufen die Polizei. Auch die Polizisten glauben zuerst, der Goldfund sei ein Witz. Doch wenige Minuten später taucht eine Patrouille vor Ort auf und nimmt das Gold mit. Eine Stunde später kommen die Polizisten zurück, um den Fundort genau zu untersuchen und ihn zu fotografieren.

Mittlerweile stehe fest, dass es sich um Gold handle, sagt Bernhard Graser, Mediensprecher der Aargauer Kantonspolizei, am Donnerstag auf Anfrage der Nachrichtenagentur sda. «Mir ist kein vergleichbarer Fall bekannt», betont Graser. «Wir versuchen, die Herkunft der Goldbarren zu ermitteln. Die Hintergründe sind absolut rätselhaft.» Bislang habe sich niemand bei der Polizei gemeldet, der die Barren vermisse. Es liege auch keine Meldung über eine Straftat vor, sagt Graser weiter. Die Gemeinde Klingnau liegt in der Nähe der schweizerisch-deutschen Rheingrenze.

Erhalten die Finden einen Finderlohn?

Frank Gantner, stellvertretender Leiter der Staatsanwaltschaft Brugg-Zurzach, sagt gegenüber der «Botschaft», dass die Barren zur Analyse und Spurensicherung beim kriminaltechnischen Dienst der Kapo sind. Dort wird auch untersucht, ob es sich tatsächlich um Goldbarren, und nicht um Bleibarren mit Goldlegierung handle. Bis ein Resultat vorliegt, dürfte es mehrere Wochen dauern. «Mehr kann ich noch nicht sagen.» Anhand der Nummern, die sich auf den Goldbarren befinden, kann der Besitzer nicht zwingend festgestellt werden. Das ergibt eine Nachfrage bei der Schweizerischen Nationalbank und bei mehreren Banken aus der Region.

Ob die beiden einen Finderlohn erhalten, ist noch völlig unklar. Handelt es sich bei den Goldbarren um Deliktgut, ist der rechtmässige Besitzer zu keinem Finderlohn verpflichtet. Meldet er sich allerdings in den nächsten fünf Jahren nicht, dürften die Goldbarren laut Frank Gantner an die Finder gehen.

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