Die Negativmeldungen im Zurzibiet rissen in den letzten eineinhalb Jahren nicht ab: Schliessung des traditionsreichen Familienunternehmens Weibel Möbel in Endingen, Konkurs der ZKD Büromöbel in Kleindöttingen, Konkurs der H. Erne Metallbau AG in Leuggern. Dann die Nachricht, dass die ABB Turbo Systems AG das Werk Klingnau schliessen und die rund 110 Mitarbeiter nach Baden übersiedeln. Ein Verlust von rund 300 Arbeitsplätzen.

Nun die erfreuliche Nachricht: Die Etiketten-Firma CCL Label AG und mit ihr 120 Arbeitsplätze ziehen von Bergdietikon nach Lengnau. «Das sind endlich wieder einmal gute Neuigkeiten», sagt Markus Birchmeier, Präsident des Wirtschaftsforums Zurzibiet. «Der Zuzug der CCL Label AG löst in der Region eine Wertschöpfungskette aus. Von den Lieferanten über den Coiffeur bis zum Immobilien-Makler können alle profitieren.»

Die Firma hat eine lange Geschichte. Die 1954 in Zürich gegründete Bandfix AG handelte mit Tesa-Produkten und stellte selbstklebende Produkte und Etiketten her. Später ging der Bereich Etiketten an die Investmentfirma Palero. Seit 2014 ist er nun Teil des kanadischen Konzerns CCL Industries und heisst CCL Label AG. Der Gesamtkonzern gilt als Börsenliebling. Der Wert der Aktie hat sich seit Februar 2015 mehr als verdoppelt. Die Verkaufszahlen steigen seit Jahren.

Dass die Firma nach Lengnau zieht, sei der Verdienst des Gemeindeammanns, sagt Birchmeier, «die Lorbeeren gehören Franz Bertschi. Das Beispiel zeigt, was ein kommunaler Politiker erreichen kann, wenn er seine Ressourcen nicht für Kleinkram, sondern für die wirklich wichtigen Dinge einsetzt.»

Die Werbetrommel gerührt

Vor ziemlich genau einem Jahr hatte Bertschi erstmals Kontakt zur Firma. Die Geschäftsleitung stellte sich auf der Verwaltung vor. Bertschi rührte die Werbetrommel für seine Gemeinde, erzählte, dass insgesamt 80 Betriebe mit 700 Arbeitsplätzen in Lengnau angesiedelt sind, dass der Ort gut erschlossen ist, dass viele Wohnungen gebaut werden und dass Tagesstrukturen vorhanden sind.

Natürlich hatte die Firma auch ihre Gründe für den Wegzug. «In Bergdietikon waren wir Mieter. Die Produktion verteilte sich auf zwei Etagen, was ineffizient ist», sagt Mirko Egli, Marketing Manager der CCL Label AG. «In Lengnau können wir auf einer Etage produzieren. Wir bauen unser eigenes Gebäude.» Das 8800 Quadratmeter grosse Areal im Gewerbegebiet erwarb die CCL von der Domaco, dem grössten Arbeitgeber im Ort mit rund 200 Mitarbeitern. Baubeginn war im November 2016.

«Im Sommer habe ich von den Verkaufsverhandlungen gehört», sagt Franz Bertschi, «als die Geschäftsleitung im September erneut vorbeikam und das Projekt vorstellte, versicherte ich, dass mit der Baubewilligung alles rund laufen würde.» Laut Bertschi waren drei Aargauer Gemeinden im Rennen um den neuen Standort. «Dass 120 Arbeitsplätze nach Lengnau kommen, ist für uns eine Riesensache», freut er sich. «Für uns war klar, dass der Standort in der Region Baden bleiben sollte, damit der Weg für die 120 Mitarbeiter nicht zu weit wird», sagt Egli. «Wir haben verschiedene Optionen geprüft.

Der Neubau ist eine grosse Investition für unsere Firma und auch ein klares Bekenntnis zum Standort Schweiz.» Die Firma wird zwischen September und Dezember in Lengnau einziehen. Und die Gemeinde mit ihren 2700 Einwohnern darf sich über einen neuen Steuerzahler freuen. Den hat sie auch dringend nötig. Laut aktuellem Statistik-Buch des Kantons liegen Lengnaus Einnahmen bei den Aktiensteuern (juristische Personen) bei 260 000 Franken. In Bergdietikon, das gleich viele Einwohner zählt, waren es 2015 1,87 Millionen Franken.