Lengnau

Wie Mann mit einem Outing seinen Arbeitsplatz sichern kann

Zündstoff in der Komödie «Es bitzeli schwul isch cool» bietet zündende Unterhaltung

Was tut man nicht alles, um seinen Arbeitsplatz zu sichern? Überstunden leisten, «Vitamin B» aktivieren, intrigieren. . . Warum nicht gar eine potenzielle Diskriminierung provozieren? Auf diese Idee kommt Klaus, seines Zeichens Kantinenkoch in der Bonbons-Fabrik Domaco. Die gibt es, mit Sitz in Lengnau, bekanntlich tatsächlich – der Klaus hingegen ist dort nicht beschäftigt. Vielmehr steht er in der Mehrzweckhalle auf der Bühne. Daselbst stellt die Firma Domaco sich grosszügig in den Dienst des einheimischen Theatervereins. Sie tut das auch mit einer gehörigen Portion Humor.

Denn auf der Bühne geht es bei Domaco drunter und drüber, weil Bernhard Ryser entlassen werden soll. Ausgerechnet Bernhard, der verklemmte, stille, angepasste «Bürogummi», dessen Frau sich jüngst hat von ihm scheiden lassen und dessen Tochter nichts mehr von ihm wissen will. Bei seinen Arbeitskolleginnen Paula und Beatrice schrillen die Alarmglocken, als Klaus mit einer rettenden Idee den Firmenalltag aus den Fugen hebt. Bernhard outet sich als schwul, bringt damit seine Kolleginnen aus der Fassung sowie den Direktor und den Junior Chef in die Bredouille und die Komödie so richtig schwungvoll zum Laufen.

Gelungene Feuertaufe

Das Stück «Eeen beeten schwul is cool» aus der Feder des Ostfriesischen Autors Helmut Schmidt stammend, firmiert im hiesigen Dialekt unter «Es bitzeli schwul isch cool». Der Titel ist verheissungsvoll, aber insofern nicht ganz zutreffend, als «es bitzeli» ziemlich untertrieben ist. Denn im Verlauf des Geschehens häufen sich die Schwulitäten fast schon inflationär: Überraschende Wendungen, urkomische Situationen, witzige Pointen strapazieren die Lachmuskeln des Publikums auf höchst vergnügliche Weise. Dafür sorgen vor allem die mitreissende Spielfreude der Darstellerinnen und Darsteller sowie die Inszenierung von Matthias Haag. Es ist seine erste Regie und er hat die Feuertaufe mit Bravour bestanden. In einem grandiosen Bühnenbild und tollen Kostümen agieren sechs bewährte Akteure und zwei neue mit grossem Engagement.

Köstlich bis überbordend

Allen voran verleihen Babs Lüscher als Paula, dem altgedienten Gewissen der Firma, und Diana Patrizio als deren flippige Bürokollegin Beatrice mit Temperament umwerfend künstlerisches Profil. Kantinenkoch Klaus, der das Komödien-Süppchen zum Kochen bringt, ist bei Beda Abegg darstellerisch salopp und gewitzt in besten Händen. Mario Nötzli, von Beruf sehr erfolgreicher Koch, ist auf der Bühne als Bernhard Hauptbestandteil des Süppchens. Nötzli setzt den Wandel des verkorksten, in Selbstmitleid aufgelösten Mauerblümchen hin zum hemmungslosen Schwulen wider Willen bis zum verliebten Hetero mit einem Grosseinsatz von Mimik und Gestik um. Bisweilen tut er diesbezüglich des Guten etwas zu viel, überbordet seine Lust an der Schauspielerei. In eher kleineren Rollen überzeugen Vick Jetzer als Direktor, René Zürrer als Junior Chef sowie die beiden neuen Moni Hartmann als Bernhards Ex-Frau und Anouk Reinle als deren Tochter.

Weitere Vorstellungen Freitag, 17. Februar und Samstag, 18. Februar jeweils um 20 Uhr in der Mehrzweckhalle Lengnau.
www.theater-lengnau.ch

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