Ob in der Partie des Schweizer Cups zwischen den 2.-Ligisten Klingnau und Bramois vor zwei Wochen alles mit rechten Dingen zu- und herging, wird sich noch weisen. Fest steht, die Begegnung befindet sich nach wie vor im Visier der Ermittler. Die zuständige Interkantonale Lotterie- und Wettkommission (Comlot) gibt zum laufenden Verfahren oder zu bisherigen Erkenntnissen keine Auskunft, wie der stellvertretende Direktor Patrik Eichenberger mitteilt.

Dennoch: Damit die Comlot überhaupt aktiv wird, muss der Fall «geldspielrelevant sein und es muss ein Verdachtsmoment geben», sagt Eichenberger. Hinweise auf einen Verdacht können aus verschiedensten Quellen kommen. «Etwa aus dem Ausland, von einem Athleten oder aus eigenen Beobachtungen der Comlot», so Eichenberger weiter.
Gemäss Informationen der «Schweiz am Wochenende» wurde die Wette der betroffenen Loterie Romande nicht aufgrund der auffälligen Quote zurückgezogen, sondern weil ungewöhnlich hohe Beträge auf eines der beiden Teams gesetzt wurden. Mediensprecherin Danielle Perrette will dies nicht bestätigen.

Der Wettanbieter aus der Westschweiz hatte das Spiel vor dem Anpfiff aus seinem Wettangebot genommen, nachdem ein Alarm eingegangen war. Die Quote für einen Klingnauer Sieg lautete 7,5:1. Wer also 100 Franken auf die Zurzibieter gesetzt hätte, hätte 750 Franken ausbezahlt bekommen. Wer hingegen 100 Franken auf Bramois setzte, hätte bei einem Sieg der Walliser bloss 115 Franken erhalten. Der FC Klingnau, der klare Aussenseiter der Wettanbieter, siegte schliesslich mit 7:0 und bekam im Spiel drei Penaltys zugesprochen.

Quoten werden eingekauft

Auffallend: Die hohe Quote hätte eigentlich nicht nur die Loterie Romande auf den Plan rufen sollen. Bei ausländischen Betreibern, welche die Partie ebenfalls im Angebot hatten, lag das Verhältnis sogar noch höher (siehe Bild). Auch der Uefa-Wettradar, den der Schweizerische Fussballverband (SFV) benützt, hat im Vorfeld des Spiels kein Signal ausgesendet.
Nebst der Suche nach möglichen Wettbetrügern drängt sich daher eine weitere Frage auf: Weshalb wurde Bramois in diesem Duell zweier vermeintlich ähnlich starker Teams (beide 2. Liga) von den Wettanbietern derart stark favorisiert. Die Quoten werden in der Regel bei Betradar eingekauft, einem Dienstleister für Sportmedien und die Sportwetten-Industrie sowie für Sportverbände wie die Uefa oder das Internationale Olympische Komitee. Die meisten Wettanbieter kaufen die Quoten ein, weil sie aufgrund fehlenden Personals und Know-hows gar nicht in der Lage wären, die Vielzahl an Wetten mit eigenständigen Quoten zu bedienen.

Auf die Ermittlung der Quote haben verschiedenste, hauptsächlich sportliche Faktoren einen Einfluss. Etwa die Stärke eines Teams, die Form, verletzte Spieler, die Quote anderer Anbieter oder das Wetter. Aufgrund des aktuellen Formstandes und des Heimvorteils hätte eigentlich eher Klingnau als Favorit gelten müssen. Usus ist offenbar, dass die verschiedenen Wettanbieter geringfügige Änderungen an der empfohlenen Quote vornehmen. «Weshalb Betradar für dieses Spiel auf diese Quote kam, kann ich nicht beurteilen», sagt Willy Mesmer, Pressesprecher von Swisslos. Eine entsprechende Anfrage zur Erhebung blieb von Betradar bis Freitagabend unbeantwortet.

SFV wartet Ergebnisse ab

Swisslos, das Deutschschweizer Pendant zur Loterie Romande, hatte die Partie ihrerseits nicht im Angebot. Sie darf Wetten zum Schweizer Cup erst ab der 2. Runde anbieten. Unbestritten ist, dass gesetzte Geldmengen eine Quote beeinflussen können. Mesmer meint, dass dies auch in der Begegnung Klingnau – Bramois der Fall war. «Dieses Spiel war vielleicht zwei oder drei Tage im Angebot, da kann die Quote nicht von Anfang bis zum Schluss dieselbe sein.»

Wie lange sich die Untersuchungen hinziehen werden, lässt Patrik Eichenberger offen. Die Dauer könne stark variieren. «Das hängt von der Komplexität des Einzelfalls ab.» Die Comlot selbst fällt keine Entscheide. Sie ist kein Sportgericht. Nach Abschluss der Ermittlungen werden die Ergebnisse an die zuständigen Organisationen oder Verbände weitergeleitet. Im Fall von Klingnau gegen Bramois an den SFV. Er hat von den verdächtigen Quoten und den eingeleiteten Ermittlungen ebenfalls Kenntnis. Bis die Untersuchungen zu einem Ergebnis geführt haben, wird der SFV nicht aktiv werden, wie er verlauten lässt. Das heisst: Stand Samstag, 1. September, sollte die Sechzehntelfinal-Partie zwischen Klingnau und Chiasso am 16. September wie geplant stattfinden.