Schon um 10 Uhr ist es 30 Grad heiss – ein Julimorgen wie viele andere in diesem Jahr. Seit zwei Stunden fährt Thomas Schumacher von einem Ende des Zurzibieter Rapsfeldes zum anderen und wieder zurück.

In geraden Bahnen frisst der Drescher die Ähren in sich hinein. In seinem Innern schüttelt er sie durch und siebt sie, bis nur noch die Rapskörner übrig bleiben. Alles andere fliegt hinten raus und bleibt als lange Gerade liegen. Diese Überbleibsel werden später zu Stroh werden.

An Bord des Mähdreschers.

An Bord des Mähdreschers.

Es ist bei Weitem nicht das erste Feld, das Schumacher in diesem Jahr erntet – er ist einer der Fahrer der Mähdrescherei Rohner und Laube. Mit drei riesigen Maschinen hat sie das Gebiet zwischen Siglistorf und Koblenz fest im Griff.

Doch das heutige Rapsfeld ist nicht irgendeines. Es gehört zum Hof von Stefan Schumacher, dem Vater von Thomas. Ein Siglistorfer Familienbetrieb, in dem auch Thomas arbeitet. Nur im Sommer geht er für ungefähr einen Monat fremd und fährt Mähdrescher im ganzen Studenland.

Komfortable Kabine

Er mag die Arbeit auf den Feldern. Langweilig werde es ihm nie, sagt Thomas Schumacher. «Meistens fährt ein Bauer oder seine Kinder mit. So hat man immer jemanden zum Reden. Und sonst bleibt immer noch das Radio.» Tatsächlich: ein Radio.

Die Kabinen der riesigen Maschinen sind heutzutage hochmodern: Mit einem Joystick kann der Fahrer Messerbalken, Haspel, Walze und vieles mehr steuern. Ein Touchscreen-Display gibt Auskunft über Dinge wie Geschwindigkeit oder Füllstand.

Es ist ausserdem erstaunlich ruhig in der Kabine. Nicht nur die Geräusche werden gedämmt, das Glashäuschen schützt den Fahrer auch vor dem feinen Getreidestaub, der sonst gefährlich für die Atemwege werden kann. Und: Der kleine Glaskasten ist klimatisiert und unter einem schattenspendenden Dach.

«Da hat sich viel getan in den letzten Jahren», sagt Rolf Laube, Mitinhaber der Mähdrescherei. «Heute ist so eine Maschine ein angenehmer und sicherer Arbeitsplatz.» Allerdings ist das Gefährt nicht gerade billig. Etwa 350 000 Franken kostet es. Dafür gleicht der Mähdrescher Hangneigungen automatisch aus – nützlich im hügeligen Studenland.

Gutes Jahr für die Ernte

Damit sich die hohen Investitionen auch lohnen, muss die Mähdrescherei eine möglichst gute Auslastung erreichen. Das sei in diesem Sommer einfacher als auch schon, sagt Rolf Laube.

«Das Wetter war optimal für die Ernte. Wir konnten fast an jedem Tag fahren.» So blieben den Fahrern Nachtschichten erspart. Diese sind nötig, wenn wegen schlechten Wetters nur kurze Zeitfenster für die Ernte bleiben. Solche nächtlichen Drescherfahrten mögen für einige Dorfbewohner eine lästige Lärmquelle sein, sind aber gesetzlich erlaubt.

Mittlerweile ist Thomas Schumacher fast fertig mit dem Rapsfeld. Plötzlich springt ein Fuchs zwischen den Ähren hervor und rennt davon. Das sei nicht ungewöhnlich, sagt Schumacher. «In diesem Feld hatten sich zum Beispiel etwa 20 Wildschweine versteckt.»

In der Regel flüchten die Tiere rechtzeitig. Selten rennt eines in die falsche Richtung und gerät in die Fänge der Maschine. Dann kommt jede Hilfe zu spät. «Es sind meistens Füchse, die scheinen nicht sehr intelligent zu sein», meint Schumacher, während er präzise die letzte Bahn für heute fährt.