Lengnau

Wie die Schoggoladewies zu ihrem Namen kam

Die Lengnauer lassen sich von Franz Laube in die Geschichte der Flur- und Zunamen einweihen.  Angelo zambelli

Die Lengnauer lassen sich von Franz Laube in die Geschichte der Flur- und Zunamen einweihen. Angelo zambelli

Dorfhistoriker Franz Laube weiss eine Menge über die Herkunft der Flurnamen und Zunamen zu erzählen. Im Rahmen eines Vortrages im Dorfmuseum Lengnau gab er sein Wissen zum Besten.

Der Mordgrabe in Lengnau heisst nicht Mordgrabe, weil dort ein Mord geschah und das Angelloch nicht Angelloch, weil sich an dieser Stelle eine Senke mit Wasser befindet, in der Fische gefangen werden. Die Flurbezeichnung Mordgrabe entwickelte sich im Laufe der Jahrzehnte und Jahrhunderte von Burggraben (1565) zu Murggraben (1777) zum heutigen Mordgrabe. Der Flurname Angelloch setzt sich zusammen aus den alten Bezeichnungen «Angulus» für «Winkel» und «Loch» respektive «Loh» für ein lichtes Gehölz. Das heutige Angelloch verdankt seinen Namen dem Umstand, dass sich an jener Stelle ein Dreiangel respektive Winkel aus lichtem Holz befand.

Diese und noch viele andere Geschichten zu den Lengnauer Flur- und Zunamen gab Dorfhistoriker Franz Laube im Rahmen eines Vortrages im Dorfmuseum Lengnau zum Besten. Beispiele, welch verschlungene Wege die Flurbezeichnungen nahmen, gibt es noch viele. Der Cheibewinkel heisst so, weil an diesem Ort verendete Tiere (Keibe = Kadaver) vergraben wurden und hinter der Schoggoladewies steht eine skurrile Geschichte: Der Besitzer der Wiese ass fürs Leben gern Schokolade. Als Folge seiner Vorliebe wuchs der Schuldenberg immer mehr an, bis sich der leidenschaftliche Schokoladenesser gezwungen sah, ein Stück Land zu verkaufen. Danach nannte der Volksmund die Wiese nur noch «Schoggoladewies».

Zunamen und deren Herkunft

Im 16. und 17 . Jahrhundert existierten in Lengnau – wie andernorts auch – noch keine Strassenbezeichnungen oder Hausnummern, mit denen man die Meiers, Müllers, Laubes oder Jetzers hätte auseinanderhalten können. Daraus entstand das Phänomen der Zunamen.

Relativ einfach zuzuordnen sind die Zunamen, die auf den Vor- oder Nachnamen des Familienoberhauptes oder auf dessen berufliche Aktivitäten hinweisen: Aloisis, Adolfen, Benedikten, Edwinen, Franzen, Daviden, Tislis (von Matthias), Franzelis, Franzseppen und Vikters (von Viktor) sind einige schöne Beispiele, aber auch Melchers (von Melchior), Berneten (von Bernhard) und Philippen sowie Bäcken, Wächters, Unterlehrers, Landvogts, Leisers, Wagners, Deckers und Seilers haben sich in Lengnau als Zunamen erhalten und sind vor allem den älteren Dorfbewohnern noch bekannt.

Dürrwebers und Steisuters

Nicht bis ins letzte Detail geklärt ist die Herkunft des Zunamens Dürrwebers, der laut den Recherchen von Franz Laube auf einen gewissen Franz Xaver Angst zurück geht, der sich als Weber betätigte. Unklar ist, ob Angst mager (dürr) war, oder ob die Bezeichnung einen anderen Ursprung hat. Klar ist hingegen, wie die Zunamen Steisuters und Wislis zustande kamen: Steisuters erhielten ihren Zunamen, weil ein gewisser Albert Suter (geb. 1885) bei der Firma Bucher-Guyer in Niederweningen für die Herstellung von Schleifsteinen zuständig war und Wislis leitet sich nicht etwa vom Vornamen Alois ab, sondern von Hans Jakob Suter (geb. ca. 1650), der schon früh weisse Haare bekam.

Verwandtes Thema:

Meistgesehen

Artboard 1