Ökostrom

Wie aus einem Dorf die grosse Energiestadt im Zurzibiet wird

Die Photovoltaikanlage auf dem Oberstufenzentrum gehört zu den Vorzeigeprojekten der Energiestadt Bad Zurzach.

Die Photovoltaikanlage auf dem Oberstufenzentrum gehört zu den Vorzeigeprojekten der Energiestadt Bad Zurzach.

Gut für das Image und auch für das Portemonnaie: Vier Gemeinden fördern zusammen Ökostrom und Energieeffizienz.

Knapp ein Drittel der Zurzibieter leben in einer Stadt. Nicht in einer richtigen Stadt, sondern in einer Energiestadt. In einer Gemeinde also, die sich für eine effiziente Energiepolitik einsetzt, den öffentlichen Verkehr und erneuerbare Energien wie Solarwärme oder Wasserkraft fördert.

Die erste Gemeinde im Bezirk Zurzach, die 2004 offiziell mit dem Label ausgezeichnet wurde, war Lengnau. Unterdessen dürfen sich auch Bad Zurzach, Döttingen und Schneisingen Energiestadt nennen. Heute stellen diese Gemeinden gemeinsam am Zurzibieter «Energyday» vor, wie Wasserkraftwerke erneuerbaren Strom produzieren. Doch wie wird eine Gemeinde überhaupt zur Energiestadt?

In Lengnau war es der Wärmeverbund, der den Anstoss lieferte, wie Gemeinderat Marcel Elsässer erklärt. Seit 1996 werden Holzschnitzel in einer grossen Heizung im Schulhaus Rietwiese verbrannt. Über Warmwasserleitungen werden so bis zum Dorfzentrum über 20 Liegenschaften geheizt, darunter sämtliche Gemeindeliegenschaften.

Seither war für Lengnau klar: «Wir wollen noch nachhaltiger sein, mehr Energie und somit Kosten sparen», sagt Elsässer. Mit dem Label gehe dies viel einfacher und koordinierter. Dabei geben Leitlinien einen bestimmten Rahmen vor. «Dank des Labels müssen wir nicht alles mühsam selber erarbeiten.» Zudem unterstützt eine Energie-Beraterin die Gemeinde, erstellt einen Massnahmenkatalog und prüft, was überhaupt umsetzbar ist.

Tankstelle für Elektrofahrzeuge

Mit dem Label wollen die Gemeinden auch ihren Beitrag zur Energiestrategie 2050 des Bundes leisten, nach welcher der Atomstrom durch erneuerbare Energien ersetzt werden soll. Remo Böhler, der in Bad Zurzach mitverantwortlich ist für die Zertifizierung, erklärt: «Erst die effiziente Energie-Nutzung und Senkung des Energieverbrauchs macht es möglich, dass ein wesentlicher Anteil des schweizerischen Energieverbrauchs durch erneuerbare Energien gedeckt werden kann.»

Zu den Vorzeigeprojekten des «Energiestadt»-Labels in Bad Zurzach, Lengnau und Schneisingen zählt der Wärmeverbund. Er liefert den Gemeindeliegenschaften nicht nur 100 Prozent nachhaltige Wärme, sondern schafft auch Arbeitsplätze im ortseigenen Wald, wo die Holzschnitzel herkommen.

Alle Gemeinden beziehen für ihre eigenen Liegenschaften 100 Prozent Ökostrom. Zudem setzen sie vermehrt auf Minergie: Alle öffentlichen Gebäude in Lengnau müssen mindestens den Minergiestandard erfüllen. Zudem müssen Privatpersonen, die von der Gemeinde Bauland kaufen, im Minergie-Standard bauen.

Auch die Erweiterung der Schulanlage Aemmert in Schneisingen wurde nach diesem Standard gebaut. Und auf dem Turnhallendach in Schneisingen und dem Oberstufenzentrum in Bad Zurzach wandeln Photovoltaikanlagen Sonnenlicht in Strom um. Zudem haben Bad Zurzach und Döttingen in ihrer Gemeinde Tempo 30 eingeführt. Dies erhöht nicht nur die Sicherheit, sondern senkt auch den CO2-Ausstoss.

Wie viel die Gemeinden effektiv einsparen, können sie nicht angeben. «Das energiepolitische Programm, das der Gemeinderat abgesegnet hat, beinhaltet viele verschiedene Aktivitäten und Massnahmen», sagt Remo Böhler. «Deshalb ist es schwierig, das Kosten-Nutzen-Verhältnis zu beziffern.»

Mit den bereits umgesetzten Projekten ist es aber noch nicht getan: Bad Zurzach möchte bald eine Tankstelle für Elektrofahrzeuge bauen. Ein noch grösseres Projekt hat Lengnau im Visier: Die Gemeinde gibt das «Energiestadt»-Label wieder zurück – und soll dafür im Februar 2017 gemeinsam mit Endingen und Tegerfelden zur «Energiestadt Surbtal» werden. «Durch die Perspektive Surbtal arbeiten wir schon eng mit Endingen und Tegerfelden zusammen», sagt Gemeinderat Marcel Elsässer.

«So haben wir bereits die sozialen Dienste, die Bauverwaltung oder die Steuerverwaltung zusammengelegt.» Deshalb liege es nahe, auch im Energiebereich zusammenzuarbeiten. «So können wir die Synergien nutzen und uns die Kosten für den Mitgliederbeitrag und die Zertifizierung teilen», so Elsässer. «Zudem profitieren Endingen und Tegerfelden von unserer zwölfjährigen Erfahrung mit dem Label.»

Verwandte Themen:

Meistgesehen

Artboard 1