Koblenz

Widerstand wächst: 340 Einsprachen gegen geplante Asylunterkunft

Im leer stehenden Hotel Verenahof in Koblenz will der Kanton Asylsuchende unterbringen.

Im leer stehenden Hotel Verenahof in Koblenz will der Kanton Asylsuchende unterbringen.

Private und Firmen wehren sich gegen das Baugesuch für die Liegenschaft des Hotels Verenahof: 340 Unterschriften sind in den letzten 30 Tagen eingegangen. Der Gemeinderat ist ausserdem enttäuscht von Landammann Susanne Hochuli.

Roland Christen, Gemeinderat in Koblenz, spricht von einer «enormen Zahl»: 340 Einsprachen sind in den vergangenen dreissig Tagen gegen das Baugesuch für die Liegenschaft des Hotels Verenahof eingegangen. Dort will der Kanton eine Asylunterkunft für 60 Personen errichten. In den Einwendungen würden unter anderem die Sicherheit infrage gestellt, der Standort als ungünstig bezeichnet und die Platzverhältnisse in und um das Objekt bemängelt, so Christen. «Der Widerstand ist allgegenwärtig.»

Der Gemeinderat hofft noch immer, dass der Kanton auf die Unterkunft in Koblenz verzichtet. «Wenn hundert Prozent der Bevölkerung dagegen sind, dazu alle Grossräte und auch der Planungsverband, dann kann man das doch nicht einfach ignorieren», sagt Christen. Die Gemeinde habe viele Lasten zu tragen, unter anderem ein tiefes Pro-Kopf-Einkommen und starken Grenzverkehr.

«Mehr Fragen als Antworten»

Der Gemeinderat zeigt sich zudem enttäuscht vom Antwortschreiben von Landammann Susanne Hochuli, der Vorsteherin des Departementes Gesundheit und Soziales. Der Koblenzer Gemeinderat hatte den Rückzug des Bau- und Umnutzungsgesuches gefordert und Hochuli eingeladen, die Situation vor Ort zu begutachten. «Die von uns vorgebrachten Äusserungen und Vorbehalte sind nicht beantwortet worden. Die Probleme, mit welchen sich unsere Gemeinde auseinandersetzen muss, sind einmal mehr nicht zur Kenntnis genommen worden. Das Antwortschreiben wirft noch mehr Fragen auf als Antworten», so Christen. Ebenso enttäuscht sei man, weil Hochuli offenbar nicht bereit sei, der Einladung nachzukommen.

«Anliegen sehr wohl angehört»

Auf diese Vorwürfe antwortet Balz Bruder, Leiter Kommunikation beim Departement Gesundheit und Soziales (DGS) beim Kanton Aargau: «Frau Landammann ist sich sehr wohl bewusst, von welchen Belastungen die Gemeinde Koblenz betroffen ist.» Tatsache sei, dass die Anliegen des Gemeinderates Koblenz sehr wohl gehört wurden. Das Departement für Gesundheit und Soziales (DGS) sei darauf angewiesen, jene Unterkünfte in Betrieb nehmen zu können, die auf dem Markt seien. «Wobei mit Massnahmen in Bezug auf die Betreuung und Sicherheit Vorkehrungen getroffen werden, um die befürchteten negativen Umfeldauswirkungen möglichst minimieren zu können.» Falls der Gemeinderat Fragen habe, die aus seiner Sicht nicht beantwortet sind, könne er diese dem DGS jederzeit unterbreiten.

Als Nächstes werden nun die 340 Einwendungen bearbeitet. Nach Abschluss der Einwendungsverhandlungen und aller nötigen Abklärungen werde der Gemeinderat über das Baugesuch entscheiden, heisst es in einer Gemeindemitteilung. Mediensprecher Balz Bruder schreibt, das DGS sei überzeugt, dass sich Lösungen finden lassen, die für alle Beteiligten annehmbar seien. Eine Aussage von Gemeinderat Christen zeigt, dass der Weg zu einer Lösung aber noch lang ist. «Die Möglichkeit, dass der Gemeinderat das Baugesuch ablehnen wird, ist durchaus gegeben.»

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