Klingnau

Widerstand gegen zweiten Fussballplatz: Es kommt wohl zur zweiten Abstimmung an der Urne

Mehrere Teams des FC Klingnau (hier im Schweizer Cup gegen den FC Chiasso 2018) trainieren auf demselben Platz im Grie.

Mehrere Teams des FC Klingnau (hier im Schweizer Cup gegen den FC Chiasso 2018) trainieren auf demselben Platz im Grie.

Die Gegner des Fussballplatz-Projekts im Grie in Klingnau sammeln Unterschriften für ein Referendum. Sie stören sich nicht nur an den Kosten.

Ende August nahm der zweite Fussballplatz im Grie in Klingnau die erste Hürde: Die Gmeind sagte Ja zum Projektierungskredit von 110'000 Franken. Vorgesehen sind nebst dem Fussballplatz auch ein neuer Sandplatz für den Reitverein sowie Plätze für Hündeler und Bogenschützen. Die Startplätze für die Modellflüge wurden wegen der Nähe zum Schwimmbad mittels Änderungsantrag aus dem Projekt gestrichen. Nun regt sich Widerstand gegen den Fussballplatz: Ein Komitee sammelt Unterschriften für das Referendum. Schon 2010 scheiterte ein Fussballplatzprojekt an der Urne. Damals war ein Platz nur wenig weiter auf der Zirkuswiese geplant.

Insbesondere die Verkehrs- und Lärmsituation sowie die Kosten stören das Komitee. Trotz eines Gesprächs seien die Anliegen der Anwohner in der Projektstudie nicht berücksichtigt worden, so die Kritik. «Die Parkplätze befinden sich immer noch vor den Wohnhäusern, die Zufahrt erfolgt immer noch über die unübersichtliche und enge Aarestrasse.

Und von einem Benützungsreglement ist keine Spur zu sehen», schreibt Felix Ernst im Namen des Komitees. Hingegen sei der neue Fussballplatz als Entgegenkommen an die Anwohner möglichst weit weg von den Wohnhäusern platziert. «Mit dem Resultat, dass die zwei bestehenden Reit- und Hundetrainingsplätze ganz oder teilweise neu auf Kosten der Steuerzahler gebaut werden müssen.»

Die Karte zeigt, wo der zweite Fussballplatz in Klingnau geplant ist.

Die Karte zeigt, wo der zweite Fussballplatz in Klingnau geplant ist.

Das Projekt sprenge die finanziellen Möglichkeiten Klingnaus. «Es sollte in Zukunft auch noch möglich sein, andere Bauvorhaben in der Gemeinde ausführen zu können, wie die Sanierung der Schlossmauer oder des Bohlerhauses.» Für die Jugend seien, so das Komitee, auch noch andere Angebote in der Gemeinde wünschenswert, etwa die Auferstehung des Jugendtreffs Alfa oder ein Pumptrack – und nicht nur ein Fussballplatz für die Erwachsenen.

«Ein Allwetterplatz bei den Schulanlagen könnte die Platzprobleme der kleinsten Junioren mildern», so das Komitee. Für die Fussballvereine im Unteren Aaretal müsse eine gemeinsame regionale Anlage in der Burlen das Ziel sein. Der Klingnauer Stadtrat zog sich 2017 aus dem Projekt zurück. Das Komitee ist zuversichtlich, bis heute das Referendum mit den nötigen 207 Unterschriften auf der Gemeindekanzlei einreichen zu können.

Projekt im Grie: «Wichtiger Beitrag an Jugendarbeit»

Stadtammann Reinhard Scherrer (CVP) hat Zweifel, dass das Projekt in der Burlen überhaupt umgesetzt werden könnte. Das Land liege in Naturschutzgebieten von nationaler Bedeutung, zudem wäre eine Teilrevision der Bau- und Nutzungsordnung der Gemeinde Böttstein nötig, die in diesem Projekt federführend wäre. Scherrer stellt klar: «Das aktuelle Projekt im Grie ist vermutlich günstiger als das Projekt in der Burlen.»

Für das Klingnauer Projekt mit einem Klubhaus für FC und Reitverein steht eine grobe Schätzung von rund 5,2 Millionen Franken im Raum. Der Fussballplatz könnte um weitere Plätze erweitert werden, auch zu einer regionalen Anlage. Einen Beitrag erhält die Gemeinde aus dem Swisslos-Fonds. Zudem würden auch die Vereine ihren Beitrag leisten. «Ob an die Finanzierung oder an den Betrieb ist noch offen», so Scherrer. Dies werde im Benützungsreglement festgehalten, das noch ausgearbeitet werde.

«Das Reglement, aber auch die Ausarbeitung verschiedener Varianten zu möglichen Parkplatzstandorten ist Teil des nächsten Arbeitsschrittes», sagt der Ammann. Auch auf andere Anliegen der Anwohner könnte das Städtli dabei eingehen, versichert er. Zu den befürchteten Lärmemissionen sagt er: «Alle müssen eine gewisse Toleranz üben gegenüber öffentlichen Institutionen und dem gesellschaftlichen Leben wie der Schule, der Kirche oder den Vereinen. Der Stadtrat ist bestrebt, für die Anwohner eine erträgliche Lösung zu finden.»

Für den Stadtrat sei das Projekt im Grie wichtig, um die Vereine bei der Jugendarbeit und mit einer entsprechenden Infrastruktur zu unterstützen. «Das Städtli bleibt dadurch attraktiv. Ausserdem ist der Standort ideal», sagt Scherrer. Das Gebiet befinde sich auf bereits eingezonten Flächen, und es könnten Synergien genutzt werden, was die Parkplätze oder die Erschlies- sung betreffe.

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