Zurzach

Wer wird Ammann in der bald grössten Aargauer Gemeinde? Neue Kräfte sind gesucht

Wer kandidiert für das Ammannamt der neuen Gemeinde Zurzach? Schon jetzt ist klar: Die meisten aktuellen Amtsinhaber verzichten auf eine Kandidatur.

In ziemlich genau zwei Jahren entsteht im Kanton die flächenmässig grösste Gemeinde. Am 1. Januar 2022 starten Bad Zur­zach, Baldingen, Böbikon, Kaiserstuhl, Rekingen, Rümikon, Rietheim und Wislikofen unter dem Namen «Zurzach» in die gemeinsame Zukunft. Die Vorbereitungsarbeiten für den Zusammenschluss sind in vollem Gang. Nach der Bildung einer Umsetzungskommission wurde Ende November die Geschäftsleitung gewählt. Bis Mai werden noch zahlreiche Personalentscheide gefällt. Ende September erfolgt dann der 1. Wahlgang für den siebenköpfigen Gemeinderat.

Die Frage drängt sich auf: Wer von den amtierenden Vorstehern beabsichtigt für das Amt an der Spitze von der jüngsten Gemeinde im Kanton zu kandidieren? Die Wahrscheinlichkeit, dass künftig ein bisheriger Ammann die Geschicke von Zurzach leiten wird, ist gering. Fünf der acht aktuellen Ammänner haben sich bereits festgelegt: Sie stehen für das Amt in der künftigen Exekutive nicht zur Verfügung. Der einzige offizielle Kandidat ist aktuell Andi Meier (40). Der Geschäftsleiter der Verwaltung- 2000-Gemeinden hat sein Interesse Ende November bekannt gegeben.

Für Bernhard Scheuber (Bad Zurzach), René Meier (Baldingen), Werner Schumacher (Rekingen), Urs Habegger (Rümikon) und Heiri Rohner (Wislikofen) kommt hingegen ein Sitz an der Spitze der Gemeinde nicht in Frage. Adrian Thoma (Böbikon) sagt, dass er sich hierzu noch keine Gedanken gemacht habe. Beat Rudolf (Rietheim) wiederum will sich dazu nicht äussern. Und Ruedi Weiss aus Kaiserstuhl erklärt, dass es für einen Entscheid noch zu früh sei. Er werde aber gerne einem jüngeren Interessenten den Vortritt lassen. Weiss ist mit 70 Jahren der älteste der amtierenden Ammänner aus den Fusionsgemeinden.

Alter und Amtsmüdigkeit

Seine Begründung deckt sich mehrheitlich mit jenen seiner Amtskollegen. Sowohl Scheuber (66), wie auch Meier (65), Schumacher (56), Habegger (55) und Rohner (66) nennen primär Altersgründe für ihren Verzicht. Es sei jetzt die Zeit gekommen, um etwas zurückzulehnen, sagt Rohner, der seit sieben Jahren Ammann von Wislikofen ist.

Für Urs Habegger ist ein weiterer Punkt ausschlaggebend: Er sitzt seit 2006 im Gemeinderat von Rümikon und ist in der dritten Amtsperiode als Ammann tätig. «Ich bin daher zur Erkenntnis gelangt, dass die grosse Gefahr besteht, amtsmüde zu werden.»

Fusionsexperte warnt vor Wissensverlust

Reto Steiner, Professor an der Zürcher Hochschule für Angewandte Wissenschaften (ZHAW), befasst sich seit Jahren in seinen Arbeiten mit Gemeindefusionen und deren Auswirkungen. Aktuell betreut Steiner eine Studie zu diesem Thema im Auftrag des Nationalfonds. Dass im Fall der Zurzibieter Gemeinden die Mehrheit der Ammänner nicht kandidiert, sei durchaus üblich. Nach den ­Fusionen gebe es selten intensive Kampfwahlen, da sich insbesondere amtsältere bisherige Exekutivmitglieder zurückzögen: «Kandidatenmangel und Generationenwechsel sind oft ein wichtiger Grund, dass Fusionsprojekte aufgegleist und durch die Politik sachlich und emotionsärmer unterstützt würden.»

Wichtig sei, so Steiner, dass es im künftigen Gemeinderat eine gute Mischung aus erfahrenen und neuen Kräften gebe. «Auf das Wissen der bisherigen Personen gänzlich zu verzichten, wäre nicht unproblematisch.» Vor allem in der ersten Phase gehe es darum, Ruhe und Konstanz in die neu gegründete Gemeindeexekutive hin­einzutragen und gleichzeitig eine neue Kultur zu etablieren.

Wer der erste Ammann von Zurzach wird, entscheidet sich im März nächsten Jahres. Dann wird das neue Oberhaupt der Gemeinde gewählt.

Autor

Daniel Weissenbrunner

Daniel Weissenbrunner

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