Der knallgrüne Deux Cheveaux von Maria Erne leuchtet gegen den immer grauer werdenden Himmel an und verbreitet gute Laune. «Wenn meine Frau damit im Dorf herumfährt, lachen und winken die Kinder ihr hinterher», erzählt Karl Erne, Organisator des 46. Schweizer Döschwo-Pfingsttreffens in Full-Reuenthal.

Entsprechend ist beim Corso von über 50 Enten auch das ganze Dorf auf den Beinen. Später wird auf dem Schulhausplatz Unter den Linden getafelt, während die Jazzband Wynavalley aufspielt. Oder zwischen den parkierten Gefährten auf der grossen Wiese herumflaniert, wo Deux-Cheveaux-Besitzer aus der ganzen Schweiz und dem benachbarten Ausland ihre mehr oder weniger aufgemöbelten Citroëns 2 CV parkiert und Zelte für die Nacht aufgeschlagen haben.

Jugenderinnerungen werden wach

Kurt Mäder aus Zürich präsentiert die kleine Küche, welche im Queue des fahrbaren Untersatzes integriert ist. Er liebt seinen über 40 Jahre alten 2 CV6 Charleston. «Für mich verbinden sich damit Jugenderinnerungen», sagt der 68-Jährige und lacht. Heinz Mora, Präsident des Döschwo-Clubs Schnäggeflitzer Full-Reuenthal, bekundet: «In einem Deux Cheveaux spürt man noch richtig die Strasse unter den Rädern. Vor allem wenn es bergauf geht und mehrere Leute drin sitzen. Es herrscht das Gebot der Langsamkeit.» Kurt Mäder sieht das anders und witzelt: «Wenn ich richtig durchdrücke, schaffe ich fast 120 km/h. Dann schnurrt der Motor und ich fühle mich wie in einem Ferrari.» In seinen 41 Produktionsjahren ist der 2 CV denn auch auf immerhin 30 Pferdestärken gestiegen.

Nostalgiker schwärmen vom Schaukelgefühl, wenn man die Blechente wippen lässt. Wer die aufklappbaren Fenster öffnet und das Dach bis zum Kofferraum aufrollt, kann sich so richtig schön den Fahrtwind um die Ohren wehen lassen. Sogar James Bond, den man eher mit Aston Martin verbindet, fuhr im Film «For your eyes only» einen kultigen knallgelben Döschwo. Am Pfingsttreffen in Full-Reuenthal gibt es ein Modell aus dieser Serie zu bewundern. Der Bonner Roland Peters ist mit seiner blaugrauen selbstrestaurierten Ente von Nîmes (F) 3000 Kilometer bis in den Aargau gefahren. Er hat seinen Oldtimer bewusst nicht allzu sehr aufgetunt. «Das Auto soll nicht glänzender sein, als es jemals die Werkstatt verlassen hat. Sonst verliert es seinen Charme und Charakter», sagt Peters und spielt auf seinem Akkordeon ein paar Takte Klezmer-Musik.

Faszination ist geblieben

Christoph Dreyer aus Bern hat gleich die ganze Familie zum Pfingsttreffen mitgenommen. Der 41-jährige Lokführer aus Bern gehört zu den eher jüngeren Deux-Cheveaux-Fans und ist von der Einfachheit des Fahrzeugs fasziniert. 1987 kam der letzte 2 CV in die Schweiz. Weil das Auto dem Stand der Technik nicht mehr entsprach, stellte Citroën die Produktion wenig später endgültig ein. Die Faszination für den Oldtimer, der heute für 20 000 Franken und mehr gehandelt wird, ist geblieben. In der ganzen Schweiz haben sich über die Jahre zahlreiche Deux-Cheveaux-Clubs gebildet, die sehr aktiv sind. Das Schweizer Döschwo-Pfingsttreffen findet jedes Jahr an einem anderen Ort statt.

Nach 2003 ist Full-Reuenthal dieses Jahr erneut Austragungsort. Die Aargauer Gemeinde sorgt mit einem idyllischen Ambiente und Attraktionen auf der grossen Festbühne für viel Publikumsaufkommen. Und lässt das Lebensgefühl der 60er- und 70er-Jahre wieder aufkommen. «Ceci n’est pas une voiture, c’est un art de vivre!» (das ist kein Auto, das ist Lebenskunst) heisst es auf einer Heckscheibe. Darunter steht: «Pas bien vite mais loin» (nicht sehr schnell aber weit). Diesen Zeitgeist wünschte sich so mancher Entenliebhaber wieder zurück.