Böttstein

Weit mehr als nur ein Volksfest

Für den Nachwuchs gab es am Böttsteiner 200-Jahre-Jubiläum Kinderschminken und ein reichhaltiges Spielangebot. Ingesamt 3000 Besucherinnen und Besucher nahmen am Fest teil. U

Für den Nachwuchs gab es am Böttsteiner 200-Jahre-Jubiläum Kinderschminken und ein reichhaltiges Spielangebot. Ingesamt 3000 Besucherinnen und Besucher nahmen am Fest teil. U

Die Gemeinde feiert 200 Jahre politische Selbständigkeit mit einem rauschenden Fest

Als Susanne Hochuli letztmals im Zurzibiet öffentlich auftrat, trug sie einen blauen Schal. Ihr Gesichtsausdruck war unterkühlt. Im Januar blies der Regierungsrätin in der Nachbargemeinde Leuggern eine steife Brise entgegen, als sie die kantonale Asylunterkunft in Felsenau erklären musste. Dafür musste sie heftigste Kritik einstecken. Ganz anders gestern Nachmittag: Frau Landammann überbrachte in Böttstein anlässlich der 200-Jahr-Feier die Grussworte der Regierung. Mit ihrem historischen Rückblick verbunden mit dem Ausblick, Mut zur Öffnung zu besitzen, erntete sie, interessanterweise, Applaus, als die Bühne verliess.

Wenn man OK-Präsident Sebastian Haus nach seinem persönlichen Highlight des 200-Jahre-Jubiläums von Böttstein fragt, kann er sich kaum entscheiden. War es das klassische Konzert im Rittersaal vom Schloss mit dem in Leuggern wohnhaften, international bekannten Bassbariton-Sänger Michael Hauenstein? Oder die Volksmusik-Gaudi mit «Die Oberbayern», einer Formation, die schon auf der Wiesn in München für Stimmung sorgte? Oder die Swiss Army Brass Band, die mit ihrem schmissigen Bläser-Sound das Publikum im In- und Ausland begeistert? Und dann gabs ja auch noch den australischen Comedian Rob Spence, der mit seinen Kalbereien beim offiziellen Eröffnungsakt mit Ansprachen von Frau Landammann Susanne Hochuli und Grossratspräsident Marco Hardmeier für Lacher sorgte. «Wir hatten nur hochkarätige Showacts», gibt sich Haus schliesslich diplomatisch, und meint in Bezug auf den bunten Stilmix: «Unser Ziel war, ein Volksfest für alle machen.»

Gegründet im Jahr ohne Sommer

Während viele stöhnten wegen der enormen Hitze, zeigt sich Haus dankbar für das schöne Sommerwetter. Ganz anders sah es im Gemeinde-Gründungsjahr 1816 aus, das als «Jahr ohne Sommer» in die Geschichte einging. Nach dem Ausbruch des indonesischen Vulkans Tambora waren die Wetterverhältnisse katastrophal und verursachten Hungersnöte. Dagegen ist das bisschen Schwitzen 200 Jahre später Peanuts; vor allem, weil in den neun fantasievoll eingerichteten Beizen der ortsansässigen Vereine vielfältige Erfrischungsmöglichkeiten angeboten wurden. «Bereits am Eröffnungstag verkauften einige doppelt so viele Essen wie erwartet», erzählt Haus und rechnet mit insgesamt knapp 3000 Besucherinnen und Besuchern. Das Festareal rund um das Schloss Böttstein war so raffiniert verwinkelt, dass es nie zu Menschenaufläufen kam. An den 70 regionalen Marktständen gab es Lavendelsirup, Safransalz, handgemachte Bambus-Enten und vieles mehr. Claudia Schmidiger vom Widderhof bot ihre Lammfleisch-Spezialitäten an, während ihr Mann Adrian vor der Traktoren-Ausstellung des Vereins Bührer Freunde seine Kreissäge kreischen liess und fein detaillierte Objekte herstellte.

Ruedi Keller sass vor seinem geraniengeschmückten Bauernhaus, in dem er einst aufwuchs. Sein Vater war in der ganzen Umgebung als «Barfüsser» bekannt, weil er nie Schuhe trug. Nun führt der Filius durch die Ölmühle, die Papa einst betrieb. Auch die Rebberge, die Schlosskapelle und das Axporama konnten mit kundiger Begleitung besucht werden. Im Schloss selber bot die Ausstellung von Hans Kellenberger eine spannende Reise durch 200 Jahre Zeitgeschichte von Böttstein. Der 1930 geborene Paul Abt ermöglichte mit seiner Tonbildschau einen Streifzug durch die Gemeinde mit ihren vielen lauschigen Plätzchen wie dem Wasserquellgebiet «Nünbrünne», die bis heute Geheimtipps sind. Wenn immer er zu erzählen beginnt, spürt man die tiefe Verbundenheit mit seiner Heimat. «Uns geht es heute sehr gut», meint er und fügt hinzu: «Meine Mutter nähte sieben Tage in der Woche Hosen für die Kleiderfabrik in Baden. Dafür bekam sie 27 bis 30 Franken.» Das Jubiläumsfest ermöglichte den Besuchern, sich zu vergnügen und gleichzeitig die nicht immer einfache Vergangenheit kennenzulernen, die diese Gemeinde zu dem gemacht hat, was sie heute ist.

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