Im Aargau gibt es bald nur noch fünf Bezirksgefängnisse. Jene in Bad Zurzach und Laufenburg werden im Sommer 2017 geschlossen, wie der Sprecher des Justizdepartements bestätigte. Das Bezirksgefängnis in Bad Zurzach befindet sich im obersten Stockwerk des Rathauses, eine Etage über dem Bezirksgericht. Es hat zehn Einzelzellen und eine Viererzelle. Maximal stehen 14 Haftplätze zur Verfügung.

Betreut werden die Häftlinge durch zwei Angestellte des Kantons. In der Nacht gibt es keinen Aufseher, lediglich einen Pikettdienst und das Alarmsystem. Weil in Bad Zurzach ein Innenhof fehlt, erhalten die Häftlinge morgens jeweils einen begleiteten Freigang. Geschlossen wird das Gefängnis nicht zuletzt auch aus Sicherheitsgründen.

Überrascht vom Entscheid ist man auf der Gemeinde Bad Zurzach nicht. «Das war erwartbar», sagt Gemeindeschreiber Daniel Baumgartner. «Es wurde vom Kanton angekündigt, aber der Termin verschob sich mehrfach nach hinten.» Den definitiven Bescheid hat die Gemeinde im Herbst erhalten, kurz vor der Gemeindeversammlung. Begründet wurde die Schliessung auch mit dem Ausbau der Haftplätze in Lenzburg und einer Zentralisierung der Bezirksgefängnisse.

Modelle für neue Nutzung

Für Bad Zurzach stellt sich nun die Frage, was mit dem neuen Freiraum im obersten Stock des Rathauses geschehen soll. Das Gebäude ist im Besitz der Gemeinde, wurde 1965 erstellt und beherbergt seitdem auch das Gefängnis. «Es gibt verschiedene Modelle», sagt Daniel Baumgartner.

Man befinde sich in der Projekt- und Erstellungsphase, Konzepte werden entworfen. Klar ist, dass das Stockwerk im Besitz der Gemeinde bleiben wird. Es könnte zum Beispiel Platz für Verwaltungs- und Gemeindeabteilungen geschaffen werden. Diese Lösung geniesst Priorität. Als Alternative wäre aber auch denkbar, dass man es wie bisher vermietet.

Der Mietvertrag für das Bezirksgefängnis wurde vom Kanton per Ende September 2017 gekündigt. Ab diesem Zeitpunkt entfallen für die Gemeinde auch die Mieteinnahmen. Das sei zwar nicht dramatisch, sagt Gemeindeschreiber Baumgartner, «aber in der heutigen Zeit ist man um jeden Franken froh».

Zelle in Brand gesteckt

Der Gefängnisbetrieb selbst soll bereits per Ende Juni eingestellt werden. Darüber ist wohl niemand traurig, kam es doch immer wieder zu Vorfällen. Diesen Mai türmte ein Häftling nach einer Behandlung in der Zahnarztpraxis von Jules Saxer.

Im Dezember 2003 setzte gar ein Häftling seine Zelle in Brand und verletzte sich selbst dabei schwer. Der Mann hatte mit einem Feuerzeug Matratze und Anzug seines Betts in Brand gesteckt. Die Zelle brannte aus, das Gebäude musste aber nicht evakuiert werden.

Klar ist, dass der Rückbau des Gefängnisses Kosten und Lärm verursachen wird. «Um den Betrieb insbesondere im Bezirksgericht nicht zu stören, wird eine gute Planung nötig sein», sagt Daniel Baumgartner. Bei der Liftrenovation habe man kürzlich entsprechende Erfahrungen gesammelt.

«Äxgüsi!», so hat Werkhofmitarbeiter Markus Wassermann den flüchtigen Häftling gestoppt.

20. Mai 2016: «Äxgüsi!», so hat Werkhofmitarbeiter Markus Wassermann den flüchtigen Häftling gestoppt.