Verkehr

Wegen Corona: Planung für zweite Rheinbrücke am Grenzübergang Koblenz liegt auf Eis

Das Stauproblem zwischen Koblenz und Waldshut beschäftigt die Politik seit Jahrzehnten.

Das Stauproblem zwischen Koblenz und Waldshut beschäftigt die Politik seit Jahrzehnten.

Die Deutschen wollen Unterzeichnung einer Absichtserklärung via Videokonferenz nachholen. Koblenz will den grenzüberschreitenden öffentlichen Verkehr fördern.

Seit Jahrzehnten stauen sich Autos und Lastwagen in Koblenz und Waldshut. Seit Jahrzehnten fordern deshalb Politiker auf beiden Seiten des Rheins eine Lösung für das Stauproblem. Für die Deutschen ist klar: Eine zweite Rheinbrücke muss her. Der Koblenzer Ammann Andreas Wanzenried (parteilos) plädiert hingegen für eine ganzheitliche Lösung. Diesen April hätte eine Absichtserklärung zwischen dem Kanton und dem Land Baden-Württemberg unterschrieben werden sollen. Nur: Der Termin wurde wegen der Coronapandemie gestrichen, bestätigt Simone Britschgi, stellvertretende Kommunikationschefin des Departements Bau, Verkehr und Umwelt (BVU). Ein Ersatztermin stehe noch nicht fest. Ausgerechnet jetzt, wo es in Koblenz regelmässig zu einem Verkehrskollaps kommt.

Für die frühere Koblenzer Frau Gemeindeammann Heidi Wanner (FDP) ist klar: «Ein solcher sogenannter Letter of Intent wäre eine schöne Geste gewesen. Aber auch ohne Absichtserklärung kann das Projekt vorangetrieben werden.» 23 Jahre sass Wanner im Gemeinderat, 15 davon als Ammann. «Koblenz leidet unter dem Stau, den der Zollübergang verursacht. Die Einnahmen draus fliessen aber nach Bern.» Tatsächlich passieren täglich gegen 15000 Fahrzeuge die Verbindung über den Rhein. Der Übergang ist der am viertstärksten befahrene Grenzübergang der Schweiz, im Unterschied zu anderen Knotenpunkten aber einer ohne Autobahnanschluss. 2017 nahm das kantonale Verkehrsdepartement einen neuen Rheinübergang unter dem Namen «Koblenz-Ost» in den kantonalen Richtplan auf. Wanner kritisiert, dass in der aktuellen Diskussion um mögliche Lösungsansätze eine zweite Brücke zu stark im Vordergrund stehe. «Ohne zu wissen, was diese für Auswirkungen hätte.»

Verärgerung über Lippenbekenntnisse

Dieser Meinung ist auch Wanners Nachfolger, Andreas Wanzenried (parteilos). Seit zehn Jahren ist er Mitglied des Gemeinderates, seit 2017 als Ammann. «Solange keine Analyse der Verkehrsströme über die Konsequenzen einer zweiten Brücke und die nötigen Abflussmassnahmen vorhanden ist, wehren wir uns vehement dagegen.» Er ergänzt: «Zudem warten wir nach wie vor auf einen wesentlichen Ausbauschritt aus dem letzten Brückenprojekt auf deutscher Seite.» Würde der Abfluss Richtung Waldshut zum Abschluss gebracht werden, würde dies die Wartezeiten am Abend wieder deutlich verkürzen, gerade auch für die deutschen Pendler. «Leider scheinen das nur Lippenbekenntnisse zu sein.»

Wanzenried fordert nebst einer konkreten Evaluation eine starke Förderung des ÖV, beispielsweise mit dem Ausbau der «Park+Ride»-Angebote auf deutscher Seite. «Auch sollten die Fahrpläne der Züge und Busse auf beiden Seiten der Grenze besser aufeinander abgestimmt werden, um längere Wartezeiten beim Umsteigen zu vermeiden.» Entscheide, wie den Viertelstundentakt zwischen unterem Aaretal und Baden/Brugg wieder weiter in die Zukunft zu verschieben, seien dabei das reine Gift. «Auch wir auf Schweizer Seite haben unsere Aufgaben zu machen.» Auf deutscher Seite müsse sich die Bevölkerung mit einem Paradigmenwechsel auseinandersetzen. «Individualverkehr wird auf deutscher Seite gross geschrieben.» Für hoch belastete Verkehrsknotenpunkte sei das aber nicht die Lösung. Dass beide Seiten gemeinsam nach einer Lösung suchen, begrüsst er. «Sie sollte nicht zu Lasten einer Seite gehen.»

Auf deutscher Seite bedauert man, dass die Unterzeichnung der Absichtserklärung verschoben wurde. Sie könne aber zur Not bald als Videokonferenz stattfinden, sagte Felix Schreiner, CDU-Bundestagsabgeordneter aus Lauchringen, gegenüber dem «Südkurier». «Die Unterzeichnung ist ein formaler Meilenstein.» Und er betonte: «Am Vorhaben der zweiten Rheinbrücke halten wir fest.»

Meistgesehen

Artboard 1