Bad Zurzach

Wegen Corona gibt es keine Hausbesuche: Der Samichlaus schreibt nun Briefe an die Kinder

Für den Samichlausverein Bad Zurzach ist dieses Jahr nicht ­Bischofsstab und Mirta, sondern Stift und Papier angesagt.

Für den Samichlausverein Bad Zurzach ist dieses Jahr nicht ­Bischofsstab und Mirta, sondern Stift und Papier angesagt.

Samichlausverein Bad Zurzach verzichtet dieses Jahr auf Hausbesuche – für die Kinder gibt es eine Alternative.

Am Sonntag ist es wieder so weit: der Samichlaustag. Dieses Jahr werden die Kinder jedoch vergebens auf den Mann mit dem grossen Buch und seinen Schmutzli warten. Er wird nicht kommen. Nicht, weil seine Arbeit ihn ermüdet hat oder weil er sich zu alt fühlt, um mit Schmutzli und Esel um die Häuser zu ziehen. Es ist auch für den Samichlaus ein spezielles Jahr: Die Coronapandemie macht ihm und seinen Helfern einen Strich durch die Rechnung.

In vielen Gemeinden und Dörfern ist es Tradition, dass die Samichläuse und Schmutzlis die Familien zu Hause besuchen. So handhabte es auch der Samichlaus-Verein Bad Zurzach bisher. Er führte Hausbesuche im ganzen Zurzibiet durch. Nun ist aber klar, dass dieses Jahr wegen Corona alles ein wenig anders abläuft.

Jeweils am 6. Dezember machen sich rund 30 Samichläuse und Schmutzlis auf zu den Kindern im Zurzibiet. Im Voraus erhalten alle Haushalte ein Anmeldeformular, in dem sie Angaben zu der Familie und zum Kind machen. Insbesondere geht es dabei darum, was das Kind in diesem Jahr gut gemacht hat und wo es noch Verbesserungsmöglichkeiten gibt. Dieses Anmeldeformular wird dann in ein grosses Buch verpackt und zu den Kindern mitgenommen. Im Durchschnitt besucht der Chlausverein Bad Zurzach zwischen 70 und 80 Haushalte, wobei mit den Kindern jeweils 20 bis 30 Minuten geredet wird.

Samichläuse verzichten bewusst auf Hausbesuche

Für die diesjährige Durchführung begegnete dem Verein zweierlei Hindernisse. Das Erste ist ein logistisches. Im Verein sind rund 30 Leute tätig, die sich alle an einem Ort treffen, um Material zu fassen und sich zu schminken. «Die Umorganisation dieser Vorbereitung hätte unter Einhaltung der geltenden Vorschriften nicht funktioniert», sagt Patrick de Caes, Präsident des Samichlausvereins.

Das Haupthindernis sei aber die Verantwortung gewesen, die sie tragen. «Wir wollen auf keinen Fall riskieren, dass sich der Virus unseretwegen weiter ausbreitet», sagt der 31-Jährige. Es musste also eine Lösung her, die niemanden gefährdet. «Wir haben uns sehr viele Gedanken gemacht», sagt Patrick de Caes. Es gab verschiedene Ideen, darunter auch die Hausbesuche im Garten mit genügend Abstand durchzuführen oder mit einer Maskenpflicht. Schlussendlich hat sich der Chlausverein aber gegen Hausbesuche entschieden. Also mussten sie sich etwas Anderes einfallen lassen. Denn den Anlass ganz ausfallen zu lassen, war für sie keine Möglichkeit.

Handgeschriebene Briefe mit Samichlaus-Siegel

Schlussendlich kamen sie auf die Idee, aus den Angaben auf dem Anmeldeformular einen handgeschriebenen Brief zu verfassen. Absender ist der Samichlaus und Empfänger das jeweilige Kind. Die Briefe sind auf Marmorpapier geschrieben und werden mit einem Samichlaus-Wachssiegel verschlossen, damit der Brief authentisch bleibt. Am 6. Dezember verteilt der Verein die Briefe im Zurzibiet.

«Es ist für uns als Verein natürlich sehr schade», sagt Patrick de Caes. Er selbst ist seit dreizehn Jahren im Verein tätig. Wie einige andere Mitglieder auch wohnt er mittlerweile nicht mehr im Zurzibiet. «Es ist immer schön nach Bad Zurzach zurückzukehren und alle wieder einmal zu treffen», sagt Patrick de Caes. Es würden sich den auch alle freuen, dass der Anlass nicht vollkommen abgesagt wird. «Wir hoffen, dass so die Tradition trotzdem aufrechterhalten werden kann.»

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