Leibstadt

Was Zurzibieter vom frisch gewählten Ständerat Hansjörg Knecht erwarten

Soll sich in Energie- und Verkehrsthemen für die Region stark machen: Hansjörg Knecht.

Soll sich in Energie- und Verkehrsthemen für die Region stark machen: Hansjörg Knecht.

Der frisch gewählte Ständerat aus Leibstadt soll auch die Bedürfnisse des Bezirks in Bern berücksichtigen, fordern Exponenten aus Politik und Wirtschaft.

Nach 24 Jahren stellt der Bezirk Zurzach wieder einen Ständerat. Zuletzt sass der Zurzacher Hans Jörg Huber (CVP) von 1987 bis 1995 in der kleinen Kammer. Auf ihn folgt nun der Leibstadter Hansjörg Knecht (SVP).

Zusammen mit dem ebenfalls neu gewählten Thierry Burkart vertritt der 59-Jährige den Aargau im Stöckli. Welche Erwartungen haben Zurzibieter Vertreter aus Wirtschaft und Politik an Knecht? Die AZ hat nachgefragt.

René Utiger, Präsident Wirtschaftsforum Zurzibiet

Das Tollste ist nicht, dass Hansjörg Knecht ein Zurzibieter ist, sondern mit ihm ein Mann aus der Wirtschaft den Aargau im Ständerat vertritt. Einer, der selber mit anpackt und den Puls und die Bedürfnisse der Unternehmer kennt. Für eine kleine Region wie das Zurzibiet kann Knecht ein Brückenbauer sein, der den Bezirk näher an den Kanton und an die Schweiz bringt. Ein wichtiges Thema, das die Region betrifft, ist die Energie. Das Zurzibiet ist mit seinen Kernkraftwerken Beznau und Leibstadt und den rund 1000 Arbeitsplätzen stark von der Produktion abhängig. Mit dem beschlossenen Ausstieg aus der Kernenergie sind gute Lösungen nötig. Im Unterschied zu den grünen Ideen, die nicht umsetzbar sind, traue ich Hansjörg Knecht zu, dass er sich mit realistischen Lösungen einbringen wird. Er ist kein Fantast.

Silvia Huber, Geschäftsführerin Domaco in Lengnau

Die Erwartungen an Hansjörg Knecht haben nicht nur mit dem Zurzibiet zu tun, sondern damit, dass die Ansprüche der KMU, die in den Regionen tätig sind, permanent steigen. Ansprüche, die vom Staat und von Gruppierungen kommen und die Belastungen dadurch immer mehr zunehmen. Ich würde mir wünschen, dass er sich dafür einsetzt, dass nur so viel gemacht wird wie nötig und dass er dazu beiträgt, alles, was nicht zielführend ist, zu verhindern. Ich erwarte zudem, dass er alles KMU im Blickwinkel hat und nicht einen einseitigen bäuerlichen Schutz. Ich hoffe für ihn, dass er die Erwartungen der Bevölkerung spürt und mitnimmt. Dazu gehören sichere Arbeitsplätze und innovative Weiterentwicklungen. Das wir sicher nicht im Sinn von abschotten, sondern von Öffnung.

Hansjörg Erne, Präsident SVP Zurzibiet

Ein Punkt, der dem Zurzibiet seit Jahrzehnten Probleme bereitet, ist die Verkehrsanbindung. Hier erhoffe ich mir, dass Hansjörg Knecht die Gesamtsicht einbringen kann. Wir haben einerseits die OASE, das regionale Gesamtverkehrskonzept Ostaargau vom Kanton. Daraus ergibt sich auch der Zusammenhang zum Grenzübergang Koblenz, für den die Eidgenossenschaft zuständig ist, den man erneuern sollte. Ich wünsche mir, dass er bei den zuständigen Stellen Einfluss nimmt, damit man hier einen Schritt weiterkommt. Von einer intakten Infrastruktur würden auch die KMU profitieren. Zu begrüssen wäre, dass er die Randregionen, zu denen auch das Zurzibiet gehört, im Gespräch hält, damit diese nicht vergessen gehen. Zum Beispiel die Baulandentwicklung: Das solche Gebiete nicht immer stärker eingeschränkt werden und die Städte im Gegenzug wachsen können. Diese Zusammenhänge sieht Hansjörg Knecht. Ein weiterer Bereich ist Ökologie, die mich als Landwirt unmittelbar betrifft. Ich sage nicht, dass Ökologie per se schlecht ist, aber zum Teil geht es so weit, dass der Nutzen im Verhältnis zu den Kosten sehr klein ist. Hansjörg hat sich hier in den acht Jahren als Nationalrat bereits stark eingebracht. Wenn dieser Aspekt im Ständerat mehr Gewicht erhält, dann hilft uns das.

Elena Flach, Co-Präsidentin SP Zurzibiet

Natürlich hätten wir uns einen anderen Ausgang der Wahlen gewünscht. Ich hoffe, dass trotz des bürgerlichen Wechsels unsere Anliegen weiterhin Gehör finden werden. Vor allem die Energie- und Klimafragen. Ich bezweifle allerdings, ob die Strategie der SVP hier am Ende aufgeht. Daher bin ich gespannt, wie Hansjörg Knecht als Ständerat politisieren wird. Denn die Zeit läuft uns langsam davon. Ein Knackpunkt im Zurzibiet ist die Kernenergie, die mit den drei AKWs einen grossen Zuspruch hat. Es herrscht eine Grundangst, dass Arbeitsplätze verloren gehen könnten. Dabei würde mit der Technologie der erneuerbaren Energien gerade neue Stellen entstehen. Ich wünsche mir, Hansjörg Knecht sieht das ebenfalls so und setzt sich entsprechend dafür ein. Das gilt auch für den Verkehr. Das Zurzibiet ist schlecht angebunden, da gilt es Lösungen zu finden. Aber nicht mit dem Ausbau des Strassennetzes. Priorität hat der öffentliche Verkehr. Dass sich Hansjörg Knecht für die Rheintallinie starkmacht, ist ein positives Signal.

Aargauer Ständeräte seit 1979:

Autor

Daniel Weissenbrunner

Daniel Weissenbrunner

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