Bad Zurzach

Warum will die FDP einen zweiten Wahlgang provozieren?

Lovey Wymann (hinten Mitte) und Uwe Fiedermann (hinten rechts) stellen sicher Gemeinderatswahl. Heiko Weirich (links) möchte als Stimmenzähler, Peter Lude (vorne) als Vizeammann gewählt werden.

Lovey Wymann (hinten Mitte) und Uwe Fiedermann (hinten rechts) stellen sicher Gemeinderatswahl. Heiko Weirich (links) möchte als Stimmenzähler, Peter Lude (vorne) als Vizeammann gewählt werden.

Die FDP-Ortspartei stellt sich vor der Gemeinderats-Ersatzwahl quer, weil ihr die Kandidaten nicht genügen. Sie hofft auf einen zweiten Wahlgang. FDP-Präsident Franz Nebel begründet das Vorgehen.

Nach dem Rücktritt von Vizeammann Meinrad Moser wählt Bad Zurzach am 25. September ein neues Gemeinderatsmitglied. Mit den parteilosen Uwe Fiedermann und Lovey Wymann kandidieren gleich zwei Personen. Die Stimmbevölkerung hat eine Auswahl – was längst nicht mehr selbstverständlich ist.

Doch der FDP-Ortspartei sind die beiden Kandidaten nicht gut genug. Denn Moser hatte das Ressort Bau unter sich. Dieses würde zwar womöglich Ammann Reto S. Fuchs übernehmen und dafür das Finanzressort abgeben.

Trotzdem: «Uwe Fiedermann und Lovey Wymann bringen die entsprechende Fachkompetenz im Bau nicht mit, ebenso nicht in den Finanzen», schreibt die Partei in einem offenen Brief.

Und weiter: «Es stellt sich die Frage, ob sich Uwe Fiedermann ohne fundierte Finanzfachkenntnisse aufgrund seiner beruflichen Erfahrung in der Informatikbranche allenfalls in den Finanzbereich einarbeiten könnte. Die FDP Ortspartei kann aber gesamthaft beurteilt keine der beiden Kandidaturen empfehlen.»

Um zu verhindern, dass Fiedermann oder Wymann gewählt werden, bittet die FDP die Stimmbürger, «die sich ebenfalls nicht entscheiden können», die Wahlzettel nicht leer einzulegen, sondern einen anderen Namen einer wahlfähigen Person aus Bad Zurzach auf den Zettel zu schreiben. Denn damit erhöht sich das absolute Mehr – und die Chance steigt, dass es, weil weder Fiedermann noch Wymann diese Hürde schaffen, zu einem zweiten Wahlgang kommt.

Die FDP hofft, dass sich dann doch noch eine Person zur Wahl stellt, die ihren Vorstellungen mehr entspricht. Hinter den Kandidaturen von Peter Lude (als Vizeammmann) und Heiko Weirich (Stimmenzähler) steht die Partei.

In der Facebook-Gruppe «Gemeinde Bad Zurzach» sorgte das Vorgehen der FDP für heftige Reaktionen. Dort hat FDP-Vorstandsmitglied Hanspeter Ricklin die besagte Mitteilung ebenfalls gepostet. Einige Personen drücken ihr Unverständnis aus. Darunter findet sich auch der Hinweis, dass Fiedermann «sehr wohl etwas von Finanzen versteht».

Uwe Fiedermann selbst sagt: «Ich kann nicht nachvollziehen, was sich die FDP dabei gedacht hat. Ich will es auch nicht kommentieren.» Mit FDP-Ortsparteipräsident Franz Nebel gab es nach dem Brief ein kurzes Telefonat, mit Hanspeter Ricklin hatte Fiedermann keinen Kontakt. Diesen werde er erst nach der Wahl suchen, sagt Fiedermann. «Im Moment ist es besser, zu schweigen.»

Dennoch fragt sich der Parteilose, wieso die FDP nicht vor dem offenen Brief den Kontakt zu ihm gesucht hat. Er betont: «Ich traue mir das Amt zu, sonst hätte ich mich nicht beworben.» Auch Kandidatin Lovey Wymann reagiert mit Unverständnis: «Ich kann damit leben, dass die FDP mich nicht empfiehlt, aber ich verstehe deren Strategie nicht», schreibt sie. Übrigens setzt sich der Gemeinderat derzeit ausschliesslich aus Parteilosen zusammen.

FDP-Präsident Nebel: Kein Egotrip

Franz Nebel, der 14 Jahre Gemeindeammann in Bad Zurzach war, steht weiterhin zum Inhalt des Briefes. «Ich habe menschlich nichts an den beiden Kandidaten auszusetzen, es ist eine reine Sachfrage», sagt er. «Es war ein Abwägen – und wir sind zum Schluss gekommen, dass wir die Kandidaten nicht unterstützen.»

Nebel betont, dass es sich bei dieser Meinung nicht um einen Egotrip von ihm handle: «Wir waren rund zehn Leute, die diesen Entscheid gemeinsam und einstimmig gefällt und den Brief der FDP-Ortspartei verfasst haben.» Doch warum stellt die FDP keinen eigenen Kandidaten? «Wir haben sechs Leute angefragt», sagt Nebel. Erhalten habe man zwei klare Absagen und vier Voten, die grundsätzliches Interesse angemeldet haben – aber nicht zum jetzigen Zeitpunkt.

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