Surbtalbahn

Warum für die S-Bahn in Niederweningen Schluss ist

Das neue Heft des Vereins für Ortsgeschichte Niederweningen.

Das neue Heft des Vereins für Ortsgeschichte Niederweningen.

«Hart umkämpft und nie gebaut – Die Geschichte der Surbtalbahn Niederweningen–Döttingen vom 19. Jahrhundert bis heute». So heisst ein neues Heft, das der Verein für Ortsgeschichte in seiner Reihe geschichtlicher Publikationen herausgibt.

Auf 78 Seiten mit vielen Bildern schildert Verfasser Rudolf Hauser die wechselvolle Geschichte des Projekts einer Bahnlinie von Niederweningen durch das Surbtal bis nach Döttingen. «Die Surbtalbahn hätte eine offensichtliche Lücke zwischen den bestehenden Bahnen im Wehntal und im unteren Aaretal schliessen und dem verkehrstechnisch vernachlässigten Tal wirtschaftlichen Aufschwung bringen sollen», schreibt der Verein.

1890 hatte ein Initiativkomitee unter Leitung aargauischer und zürcherischer Nationalräte und von Vertretern aller Gemeinden der Region zwischen Dielsdorf und Klingnau den Bahnbau gefordert und bereits 1892 die Konzession für eine Normalspurbahn auf der rund 15 Kilometer langen Strecke erhalten. Die Projektierung und Sicherung der Finanzierung verzögerten sich, doch im Dezember 1915 erreichte die Geschichte ihren Höhepunkt mit dem von der Bundesversammlung beschlossenen Surbtalbahngesetz, das die Schweizerischen Bundesbahnen zum Bau der Bahn verpflichtete.

Die SBB steckten nach dem Ersten Weltkrieg aber in Finanznöten und befürchteten Defizite im Bahnbetrieb. Deshalb führten sie statt einer Bahn ab 1921 einen Automobildienst im Surbtal und bis nach Baden ein. Trotz vehementen Protesten fiel das Surbtalbahnprojekt schliesslich dem «Siegeszug des Automobils» zum Opfer. In einer pragmatischen Lösung wurde die Verlängerung der Wehntalbahn um einen Kilometer bis zur Kantonsgrenze zwischen Niederweningen und Schneisingen zum dortigen Industriebetrieb, der Ausbau der Kantonsstrasse im Tal sowie ein Tarifentgegenkommen für die Talschaft beschlossen. Auf dieser Basis hob das Parlament das Surbtalbahngesetz 1937 wieder auf. Deshalb wird das Surbtal heute nicht durch eine Bahnlinie, sondern durch ein Netz von Buslinien erschlossen.

«Die Geschichte der Surbtalbahn geht weit über bahntechnische Fakten hinaus», schreibt der Verein für Ortsgeschichte Niederweningen. «Sie ist nicht nur ein Spiegelbild der aussergewöhnlichen gesellschaftlichen und demografischen Entwicklung der Talschaft, sondern stellt exemplarisch die umwälzende Entwicklung des Verkehrswesens und der wirtschaftlichen Struktur vom 19. Jahrhundert bis heute dar.» Schliesslich zeige die Surbtalbahngeschichte, «welche hohen politischen Wellen und welches hohe Engagement über Kantons- und Konfessionsgrenzen hinweg das für die Region wichtige Projekt auszulösen vermochte». (AZ)

Das Heft «Hart umkämpft und nie gebaut – Die Geschichte der Surbtalbahn Niederweningen–Döttingen vom 19. Jahrhundert bis heute» ist im Shop des Mammutmuseums Niederweningen oder via info@mammutmuseum.ch erhältlich.

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