Prominente Referenten vertraten am Donnerstag ihren Standpunkt in der Würenlinger Mehrzweckhalle Weissenstein.

Auf Einladung der Raiffeisenbank Siggenthal-Würenlingen diskutierten Preisüberwacher Stefan Meierhans, Axpo-Kommunikationschef Rainer Meier, der Chefredaktor der «SonntagsZeitung», Martin Spieler, sowie Finanzexperte Beat Morach von der Raiffeisenbank Siggenthal-Würenlingen über die Zukunft der Energieversorgung nach dem Atomausstieg.

Moderator Michael Sokoll, Programmleiter bei Radio Argovia, erinnerte in seiner Einleitung an den 11. März 2011, den Tag der Kernschmelze in Fukushima.

Dann hatte Rainer Meier das Wort. Er stellte fest, dass sich die Wahrnehmung der Schweizer Bevölkerung massiv verändert hat: Vor Fukushima beurteilten 81 Prozent die Schweizer Kernkraftwerke als sicher, danach nur noch um die 30 Prozent.

«Eine Volksabstimmung kann man so natürlich nicht gewinnen», sagte Meier und stellte Szenarien für die Energieversorgung ohne Atomkraftwerke vor: «Es ist machbar, doch es gibt einige Kröten zu schlucken.»

Zum Beispiel höhere CO2-Immissionen, teurerer Strom oder Einschränkungen beim Verbrauch. «Man kann nicht den Fünfer, das Weggli und dazu noch ein Schoggistängeli haben», brachte Meier auf den Punkt.

«Energiepreise werden steigen»

Preisüberwacher Stefan Meierhans zeigte auf, dass der Energiepreis nur einen Teil der Stromrechnung der Haushalte ausmacht. In Würenlingen zum Beispiel 6,82 Rappen pro Kilowattstunde.

Zusammen mit den Kosten für die Netznutzung und verschiedenen Abgaben bezahlt der Endverbraucher 17,44 Rappen. Wegen der Endlichkeit der fossilen Energieträger (Öl, Gas, Kohle), der Zunahme der Nachfrage, auslaufender Bezugsverträge mit Frankreich und Ersatzbedarf für bisherige Kernkraftwerke sei mit steigenden Energiepreisen zu rechnen.

Als Lösung für die Zukunft sieht Meierhans am ehesten einen Mix aus Lenkungssteuer, Subventionierung erneuerbarer Energien und Sparmassnahmen.

Finanzexperte Martin Spieler, Chefredaktor der «SonntagsZeitung», zeigte in seinem Referat Anlagemöglichkeiten im Energiebereich auf. Kurzfristig empfahl er den Kauf von Aktien von Grosskonzernen ohne AKW-Beteiligung, mittelfristig seien Stromtitel eine gute Ergänzung für Privatanleger.

Er warnte vor einer Euphorie beim Kauf von Solar- und Windenergieaktien und zog Parallelen zur Dotcom-Blase. «Passen Sie auf und machen Sie keine grossen Experimente mit Ihrem Ersparten!», gab er dem Publikum vor dem Hintergrund der Schuldenkrise in Europa noch mit.

«Wirtschaft bereitet mehr Sorgen»

In einem Podiumsgespräch unter der Leitung von Michael Sokoll diskutierten die drei Referenten sowie der Vorsitzende der Bankleitung der Raiffeisenbank Siggenthal-Würenlingen, Beat Morach, über die Energiezukunft der Schweiz.

Dabei war man sich einig, dass im Moment die Wirtschaftsrisiken die grössere Sorge sei als die Sicherheit der Kernkraftwerke.

Mit etwas Verspätung fuhr dann die Trennwand zu den andern zwei Dritteln der Dreifachturnhalle hoch, wo Georgy's Big Band spielte.

Beim grosszügigen Apéro riche, zu dem Blanc de Blanc aus Untersiggenthal und Döttinger Wein aus dem Keller des «Sternen» gereicht wurde, gab es noch Gelegenheit zum Weiterdiskutieren.