Dass im Zurzibiet bald wieder das grösste Deutschschweizer Winzerfest stattfindet, ist einem breiten Publikum bekannt. Etwas kleiner ist der Kreis derjenigen, die wissen, dass Bad Zurzach dieses Wochenende zum 26. Mal Schauplatz des grössten jährlichen Drehorgeltreffens der Schweiz sein wird.

Kein Wunder, reisen Fans dieser eigentümlichen Instrumente auch aus dem Ausland an, um sich die Musik anzuhören oder selber mitzuspielen. Für Letzteres herrschen jedoch strenge Auswahlkriterien: Die Spieler sind handverlesen von Georg Dietschi.

Der Rekinger organisiert zusammen mit seiner Frau Theres das Konzert am Freitagabend – und dazu lädt er nicht jeden Musiker ein. «Für die Bewerbung müssen die Spieler ein Foto einschicken, auf dem sie mit ihrer Orgel zu sehen sind», sagt Dietschi. «Dabei lege ich grossen Wert auf das Outfit: Wir möchten zum Beispiel keine Spieler, die in zerrissenen Jeans oder kurzen Hosen daher kommen.»

Auch achte er stehts darauf, ein paar Drehorgelspieler aus dem Ausland einzuladen – und solche, die noch nie dabei waren. Auswahl an Interessierten hat Dietschi genug, mitunter gibt es sogar Wartelisten.

Sag danke schön mit roten Rosen

Über 60 Drehorgelspieler

Das Drehorgeltreffen ist nicht nur etwas für eingefleischte Fans – auch Neulinge sind willkommen. «Drehorgelmusik eignet sich wunderbar, um abzutauchen in vergangene Zeiten, um sich von alten Melodien verzaubern zu lassen», schwärmt Dietschi. «Wer lieber etwas Edleres hören möchte, dem empfehle ich das Konzert am Freitagabend.»

Dann treten die Drehorgelspieler um 18 Uhr in der reformierten Kirche Bad Zurzach auf. «Geboten wird vorwiegend klassische Musik, dazwischen ab und zu ein alter Schlager – zum Auflockern.» Am Samstag findet ab 9 Uhr ein grosser Floh- und Antiquitätenmarkt mit über 60 Drehorgelspielern statt.

«Dort wird alles gespielt – auch modernere Stücke», so Dietschi. Die Orgelspieler werden in prächtige Kostüme gekleidet sein. Etwas ganz Besonderes sind die Gewänder der Dietschis: Theres Dietschi stellt sämtliche Kleider, inklusive Hüte und Spitzen, eigenhändig her. Auch den üppigen Blumenschmuck für die Orgeln bindet das Ehepaar selber.

Georg Dietschi, Mitorganisator des jährlichen Drehorgeltreffs Bad Zurzach: «Drehorgelmusik eignet sich wunderbar, um in vergangene Zeiten abzutauchen.»

Georg Dietschi, Mitorganisator des jährlichen Drehorgeltreffs Bad Zurzach: «Drehorgelmusik eignet sich wunderbar, um in vergangene Zeiten abzutauchen.»

Orgeln, so teuer wie ein Auto

Drehorgelspielen ist kein billiges Hobby. «Eine alte Walzenorgel hat schnell mal den Preis eines Autos – bis zu 50 000 Franken», so Dietschi. Das sei wohl auch ein Grund, weshalb Junge meist nur dann zur Drehorgelmusik finden, wenn sie das Instrument vom Vater oder Grossvater erben. Preisgünstiger seien neuere Orgelmodelle oder solche, deren Musik nicht mit einer Walze, sondern mit einem Lochband erzeugt wird.

Dietschi erklärt, dass eine Orgel ähnlich funktioniere wie ein Computer. Dieser rechnet mit dem Binärcode Eins/Null. Die Notenbandorgel enthält hingegen ein Band mit Löchern an ganz bestimmten Stellen. Beim Spielen entsteht ein Überdruck. Dieser entweicht, wenn beim Kurbeln eines dieser Löcher erreicht wird und die Luft strömen kann. Dann öffnet sich ein Ventil, ein Ton erklingt.

Teaser fürs Drehorgeltreffen

Die Notenbänder stellt Dietschi nicht her, das sei zu aufwendig. Dennoch sind Sonderwünsche möglich: «Einmal hörte ich im Radio ein tolles Appenzeller Musikstück. Ich musste lange recherchieren, bis ich den Interpreten fand, der mir eine CD und die Noten überliess. Damit ging ich zu einem Orgelbauer, der das Stück auf ein Notenband übertrug.»

Etwas kompliziert sei das Ganze schon, sagt er lachend. «Wer am Samstag nach Bad Zurzach kommt, kann sich das von einem der Drehorgelspieler genau erklären lassen – wir geben sehr gerne Auskunft.»

Hier finden Sie das Programm zum Drehorgeltreffen.