Zu diesem Zweck fand im Frühling ein Atelierbesuch beim Performance-Künstler und Maler in Bad Zurzach statt. Betrachtet man nun die Werke der 14 Ausstellenden, die zusammen mit Santhoris Kunst noch bis zum 15. November im Schloss Klingnau präsentiert werden, sieht man, dass grundsätzlich jeder seinem eigenen Stil treu geblieben ist. Kaum jemand liess sich durch die Begegnung beeinflussen, auch wenn sie gemäss aller Beteiligten «sehr befruchtend gewesen sei». Kurator Peter Schütz sah sich vor die schwierige Aufgabe gestellt, die Exponate so in den verschiedenen Räumen zu verteilen, dass trotz der verschiedenen Stilrichtungen eine gewisse Harmonie entsteht und die Strahlkraft jedes einzelnen Künstlers zur Geltung kommt.

Santhoris Malereien, fast alle aus dem Zyklus «Dontmissingakiss», ziehen mit riesigen Frauenlippen, anthropomorphen Figuren und üppiger Sinnlichkeit in den Bann. Wie immer sind sie ausschliesslich in den Grundfarben Rot, Gelb, Blau und Grün sowie Schwarz und Weiss gehalten. Es ist unmöglich, sich der Wirkung seiner pop- und cartoonartigen Bilder zu entziehen, die teilweise wie wilde Träume anmuten.

Punkto Kolorit erinnern sie an Niki de St. Phalle und sind vom Stil her doch ganz und gar eigenwillig und unverkennbar wie der Künstler selber. Santhori bereitet im Moment eine Einzelausstellung in Manhattan vor. «Dort zählt nur Business», meint er und fühlt sich ganz offensichtlich wohl im familiären Umfeld, dass die Ausstellung auf Schloss Klingnau bietet. Für den Eingangsbereich hat er speziell eine Drehskulptur aus zwei Chromstahlpaneelen kreiert, die sich je nach Wind waag- und senkrecht bewegen. Mit farbgetränkten Pneus und Schuhen hinterliess er darauf seine persönlichen Spuren – getreu dem diesjährigen Ausstellungsmotto.

Wie vielfältig das Motto «Spuren» aufgefasst werden kann, zeigen die verschiedenen Exponate der Ausstellung «Kunst im Schloss». Ruth Roth aus Klingnau begab sich auf die Spuren von Gerhard Richter. Wie der Deutsche, der zu den bedeutendsten Künstler des 21. Jahrhunderts zählt, stellte sie ihre abstrakten Bildwelten nur in Spachteltechnik her, was zu raffinierten Oberflächen- und Farbeffekten führte. Der im Schenkenbergertal lebende Bildhauer Hans Etter zeigt Spuren des Lebens an Händen, die er aus französischem Kalkstein gemeisselt hat. Sie sind von unzähligen feinen Adern durchzogen. Charlotte Koloc aus Bad Zurzach offenbart mit ihren Fotografien die Schönheit und Faszination von einfachen Steinen und Wasserwirbeln. Ihre Aufnahmen wirken wie Gemälde.

Der in Leuggern wohnhafte Inder Sunny Kallore hat mit seinen verspielten Zeichnungen von Frauenköpfen wohl am ehesten die Chance, sich gegen Santhoris grellfarbige Kunst zu behaupten, die die Szenerie eindeutig dominiert. Der «Star» der Ausstellung wiegelt jedoch ab und sagt: «Jedes Bild hat seine Dominanz, der Betrachter muss sie nur in ihm finden.»

Die Ausstellung «Kunst im Schloss» auf Schloss Klingnau dauert noch bis zum 15. November 2015. Mittwoch, 11. November: 19.30 Uhr: Roy Oppenheim meets Santhori, Künstlergespräch.