Es war eine schwierige und unangenehme Mission, die Regierungsrat Stephan Attiger, Kantonsingenieur Rolf H. Meier und Projektleiter Guido Sutter am Donnerstagabend im Saal des Gemeindentrums Langwies zu erfüllen hatten: Sie mussten der Bevölkerung erklären, was zum Zusatzbedarf von 15,9 Millionen Franken für den Bau der Ostumfahrung geführt hat.

Dabei schonte der Leiter Tiefbau im Departement Bau, Verkehr und Umwelt und Kantonsingenieur Meier seine Abteilung in keiner Weise. «Wir müssen zugeben: Die Kostenberechnung war keine Meisterleistung. Dafür haben wir keinen Lorbeerkranz verdient.»

Meier nannte aber auch die Gründe, die zu den Mehrkosten geführt hatten. Der Kreditbeschluss von 58,825 Millionen Franken basierte auf einem generellen Projekt, das inzwischen zu einem Bauprojekt mit mehr Details weiterentwickelt wurde. Dabei stellte sich heraus, dass einige kostenintensive Projektanpassungen vorgenommen werden müssen.

Tiefere Pfählung

Die Pfähle müssen tiefer in den Fels getrieben werden als zuerst angenommen, um dem Hangdruck widerstehen zu können. Für den 527 Meter langen Tunnel selbst mussten zusätzliche Notausgänge zur Selbstrettung eingeplant werden. Auch zeigte sich bei der Ausarbeitung der Detailpläne, dass durch die Absenkung der Strasse im Bereich des Knotens Glocke umfangreichere Massnahmen zur Sicherung der angrenzenden Strassen und Wege erforderlich sind.

Verbessert wird auch der Lärmschutz der Ostumfahrung auf der Höhe des Tiergartenwegs und in den Portalbereichen. Entlang des Tiergartenwegs wird die Lärmschutzwand von 2,5 auf 3,75 erhöht; die Tunnelportale werden mit Lärm absorbierenden Elementen versehen.

Die Erklärungen der Kantonsvertreter, weshalb dem Grossen Rat ein Zusatzkredit über 15,9 Millionen Franken beantragt werden muss, wurden von der Bevölkerung mit relativer Gelassenheit entgegengenommen. In einigen Voten aber schwang doch die Befürchtung mit, das Projekt «Ostumfahrung Bad Zurzach» könnte wegen der Mehrkosten nicht nur wie angekündigt um ein Jahr verschoben, sondern vollständig gestrichen werden.

Der Kantonsingenieur stellte zwar klar, dass die Ostumfahrung ohne den Zusatzkredit nicht gebaut werden könnte, teilte aber auch mit, er habe bei den Mitgliedern des Grossen Rats eine grundsätzlich positive Haltung gegenüber dem Umfahrungsprojekt festgestellt. «Aber: Die politische Diskussion muss geführt und die politischen Verfahren eingehalten werden», sagte Meier.

Bahnhofspange vorziehen?

Laut Ammann Reto S. Fuchs zieht der Gemeinderat in Erwägung, die Verzögerung beim Bau der Ostumfahrung für eine frühere Realisierung der Bahnhofspange zu nutzen. Das hätte den Vorteil, dass die Spange bei Baubeginn der Ostumfahrung bereits fertiggestellt wäre und somit mit der Umgestaltung der Schwertgasse begonnen werden könnte.