Klingnau

War das Ausstellungsmotto zu schwierig? Bei «Kunst im Schloss» beweisen Künstler aus Region ihre Kreativität

14 Kreative aus der Region präsentieren bei der Ausstellung «Kunst im Schloss Klingnau» ihre Werke - und verwirren damit teilweise das Publikum. Nicht alle Beteiligten haben sich dabei ans Motto der Ausstellung gehalten.

Betritt man den riesigen Raum auf Schloss Klingnau, stechen zuerst die farbsprühenden, impressionistischen Ölbilder von Sunny Kalore ins Auge. Der im Aargau lebende Maler hat Szenen aus seinem Heimatland Sri Lanka mitgebracht. Frauen in Saris, die elegant ihre Wasserkrüge auf dem Kopf balancieren.

Dann schweift der Blick zurück auf das Plakat zur aktuellen Ausstellung, die unter dem Motto «Schwarz + Weiss» steht. Wobei das «+» farbig ist und unterschiedliche Interpretationen zulässt.

«Unsere Vorgabe an die Künstlerinnen und Künstler war eigentlich schon, Schwarz-Weiss-Bilder einzureichen, die höchstens mit kleinen Farbakzenten ergänzt werden. Aber einige der 14 Exponenten haben sich nicht daran gehalten», erzählt Christina Andreatta stellvertretend für die Kulturkommission Klingnau. Diese organisiert die Gruppenausstellung mit dem Kunstverein unteres Aaretal alle zwei Jahre.

Und bestimmt notabene auch das Motto. War es dieses Jahr zu schwierig? «Es ist alles andere als einfach, nur in Schwarz und Weiss zu malen. Man muss praktisch all seine Vorstellungen loslassen», meint Andreatta, «gerade darum wäre es spannend gewesen, wenn alle Beteiligten unsere Richtlinien eingehalten hätten.»

Unterschiedliche Techniken

Für Bildhauer Hans Etter aus Oberflachs, der die ganze untere Etage bespielt, war die Schwarz-Weiss-Umsetzung relativ unkompliziert. Er verwendete Kalkstein sowie dunklen und hellen Marmor, um daraus formschöne Schalen, Pferdeköpfe, Reliefs und tanzende Figuren zu gestalten. Schmuckmacherin Silke Schaad begeistert mit ihren extravaganten Halsketten, die sie aus echten Steinen, selbstmodellierten Fimo-Elementen, Korallen und Papierstreifen kreiert. Fast alles, was ihr in die Hände fällt, wird bei ihr zu Schmuck verarbeitet. Sogar die Kapseln ihrer Kaffeemaschine.

Alle Bilder an der Ausstellung haben das Format 50 mal 50. Mit Ausnahme von Etter und Schaad durften sämtliche Mitwirkenden nur drei Exponate einreichen. Ruth Roth aus Klingnau zeigt sich einmal mehr experimentierfreudig. Sie hat Styroporblöcke mit Gaze kaschiert. Darüber kamen Zeitungen und Kleister. Diesen Untergrund bemalte sie mit Kohle und weisser Acrylfarbe. Menschenmassen und Fischschwärme sind zu sehen, dazwischen schimmern ganz schwach Zeitungsschlagzeilen hindurch.

Wie ein Voyeur fühlt sich der Betrachter vor der dreiteiligen Digitalprint-Serie von Heinz Koch, der in Kleindöttingen lebt. Frau, Mann und Kind tummeln sich halbnackt im blassen Licht eines schäbigen Zimmers. Die Szenen wirken teilweise deprimierend und vor allem sehr intim - wie der Blick durch ein Schlüsselloch.

Im starken Kontrast dazu stehen die fast fotorealistisch gemalten Kaktusblüten und Seerosen von Heidi Anderegg. Sie sind einfach nur schön! Die Klingnauerin ist 86 Jahre alt und erreicht mit Aquarellfarben eine Präzision, die kaum zu überbieten ist. Es gibt noch unzählige weitere Details, die bei der Ausstellung «Kunst im Schloss» ins Auge stechen. Und wieder einmal zeigen, wie vielfältig das regionale Kunstschaffen ist.

Die Ausstellung «Kunst im Schloss Klingnau» kann noch bis zum 18. November besucht werden. Am Mittwoch, 14. November, findet um 19 Uhr unter dem Motto «Food, Talk and Art» ein Diskussionsabend zum Thema «Schwarzweiss oder doch lieber Farbe?» statt.

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