Lengnau

Wann bitte ist denn die Feuerlösch-Instruktion?

Ein Augenaufschlag von Natascha und schon ist ihr russischerMillionär wieder beruhigt.

Ein Augenaufschlag von Natascha und schon ist ihr russischerMillionär wieder beruhigt.

Das Theater zeigt sich mit seiner neuen Komödie «Après-Ski» weltoffen, direkt und humoristisch. Geschrieben und inszeniert von Marcel Schlegel.

Was passiert, wenn Deutsche, Russen und Schweizer notgedrungen miteinander Ferien machen? Es gibt ein Chaos. Die Überheblichkeit der Russen, die Dreistigkeit der Deutschen und die Übervorsichtigkeit der Schweizer. Diesen komödiantischen Mix verschiedener Kulturen präsentiert das Theater Lengau noch bis zum 3. März dieses Jahres.

Beim Check-in geht es los, beim Buffet geht es weiter und auf der Piste findet es ein Ende. Während
die Böckles aus dem Schwabenländle vorlaut den Parkplatz für das Pistenfahrzeug blockieren und am Morgen ihre Taschen mit Brot für den ganzen Tag vollstopfen, hat Natascha Propopov wie immer damit zu tun, ihren millionenschweren Gatten Igor zu beruhigen und sich um ihr Aussehen zu kümmern. Die beiden Freundinnen aus der Eisgenossenschaft machen ebenfalls das, was sie am besten können: kichern und lästern. Natürlich nicht, ohne sich zuvor über alle Notausgänge und Feuerlöscherstandorte des Hotels informiert zu haben.

Klischees von Mann und Frau

In diesem Sinne geht es weiter und weiter. Wie hat der Autor Schlegel das Stück beschrieben? Es gäbe eigentlich keine Handlung, sondern «das Spezielle sind die vielen Klischees der Personen, die Mann oder Frau auf jeder Skipiste und in jedem Hotel antreffen kann». Besser hätte man es nicht ausdrücken können. Dennoch baute Schlegel geschickt eine Facette ein, die nicht alltäglich ist und die Geschichte zu der macht, was sie ist: die Ankündigung der Gourmettester. Sofort bricht Panik aus im locker geführten und unterbesetzten 4-Sterne-Hotel. Wer könnten die verdeckten Ermittler sein?

Provokation und doch Spass

Die Auflösung gibt es natürlich im dritten und letzten Akt, auf dessen Bühnenbild Marcel Schlegel besonders stolz ist. Mit wenigen Mitteln hat das Team eine Skipiste samt Almhütte und Lift auf die Bühne gezaubert. «Wir sind immer bereit für Experimente», so der Regisseur. Und mit dem Thema Après-Ski wolle man eben mit dem Trend gehen. Diese Eigenschaft zeigt sich bereits in der zweisprachigen Anmoderation. Während er auf Deutsch die Zuschauer begrüsst, ist Schauspielerin Olga Mühldorfer für den russischen Part zuständig. Eine Provokation, ein Spass, ein Mittel, um das Publikum von Anfang an zu fesseln und die Figuren lebendiger wirken zu lassen. Da im Saal kaum jemand der russischen Sprache mächtig war, mussten die Schauspieler die Arroganz der Russen eben nonverbal ausdrücken.

«Ich wollte, dass sie mehr mit den Händen schaffen», begründet Schlegel seine ungewöhnliche Massnahme. Martin Sprenger musste für diese Aufführung extra Russisch lernen. So sei es ihm verziehen, dass es an der Aussprache manchmal etwas hapert, den Choleriker spielt er dagegen umso besser. Dabei begannen die Proben erst im vergangenen Oktober, doch geschadet hat es dem Stück nicht. In wunderbar überspitzter Form fördert der Regisseur die oft wahren Eigenschaften der Nationalitäten zutage, und so musste jeder im Saal sicher indirekt auch über sich selbst lachen.

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