Waldshut

Waldshuter Werbewurst schockt US-Touristin – und die sorgt für Riesenwirbel

Rechts Waldshuts Oberbürgermeister Martin Albers, den der Protestbrief einer US-Touristin deswegen kalt lässt.

Neben der Plastik-Bratwurst vor dem Oberen Tor in Waldshut stillt die 20-jährige Johanna Lindner aus der Kreisgemeinde Ühlingen-Birkendorf ihren kleinen Hunger.

Rechts Waldshuts Oberbürgermeister Martin Albers, den der Protestbrief einer US-Touristin deswegen kalt lässt.

Eine grosse Werbe-Wurst vor dem Städtchen Waldshut brachte eine US-Touristin so sehr auf, dass sie dem Bürgermeister höchstpersönlich einen Protestbrief schickte. Der fand ein überregionales Echo.

Das Wahrzeichen von Waldshut am Hochrhein ist eigentlich das mittelalterliche Obere Tor, das die Pforte zur idyllischen Kaiserstrasse bewacht. Doch nun droht dem ehrwürdigen Bauwerk ungewöhnliche Konkurrenz. Alle Welt spricht plötzlich von der 150 Zentimeter grossen Plastik-Bratwurst, die vor dem historischen Gemäuer als Werbung einer Imbissbude platziert ist.

Ausgelöst wurde die Debatte, die nach einem ersten Bericht auf suedkurier.de mittlerweile überregionales Medienecho im Internet gefunden hat, bemerkenswerterweise durch eine Touristin aus den USA. Das ist jenes Land, dessen Highways gesäumt werden von Fast-Food-Tempeln mit überdimensionalen Hot Dogs, Hamburgern oder Donuts.

Doch in einem badischen Kleinstädtchen sind solche Reklame-Objekte fehl am Platz. Das meint jedenfalls die Kritikerin aus dem kalifornischen San Diego, die allerdings auch einen besonderen Bezug zum Wurststandort Waldshut haben soll. Denn laut eigenem Bekunden ist sie dort aufgewachsen.

Offenbar mit dem Bild von einst im Gedächtnis hat sie nun ihre alte Heimat besucht. Den Verlauf des Sightseeings in Old Germany schildert die Touristin in einem Beschwerdebrief an Oberbürgermeister Martin Albers. Nicht genug damit, dass vor dem Stadttor weniger Bäume stehen als anno dazumal, dafür jedoch momentan ein Stand mit Spargel- und Erdbeerkisten.

Besonders unangenehm stiess der Besucherin eine Werbefigur aus Plastik auf, die am Tor neben einem gusseisernen Kandelaber steht: «Eine wirklich schöne Strassenlaterne geziert mit einer abscheulichen Bratwurst.» Waldshut ist für die enttäuschte Dame zukünftig «die Stadt, die meine Träume zerstörte».

Metzgermeister Alexander Honegg, zu dessen Imbissbude das beanstandete Objekt gehört, will den Fall nicht weiter kommentieren. Dafür geben zahlreiche Internet-Nutzer auf suedkurier.de und im sozialen Netzwerk Facebook ihren Senf zu der Wurst-Affäre.

Überwiegend stösst dabei die Klage der US-Bürgerin auf Unverständnis. Beispiel: «Aus einem Land kommen, in dem die Werbung alles erschlägt und dann erwarten, dass in Waldshut noch alles ist wie vor 100 Jahren, ist schon ein bisschen naiv.»

Doch auch Mitgefühl kommt auf, etwa bei einem Verfasser, der angeblich ebenfalls am Hochrhein groß geworden ist und heute in den Vereinigten Staaten lebt: «Ja sowas sehen wir nicht gerne, wenn wir zum Besuch in der Heimat sind. Die Wurstreklame ist wirklich geschmacklos und verschandelt das Wahrzeichen der Stadt. Gruss aus Maryland, USA.»

Sogar ein Historiker hat sich eingeschaltet und daran erinnert, dass die Plastikwurst nicht zum ersten Mal für Diskussionen sorgt. Der ehemalige Stadtrat aus Waldshut meint auf Facebook: «Mir geht diese idiotische Bratwurst am Eingang zum historischen Zentrum schon lange auf die Nerven. Ich habe das auch thematisiert, als ich im Gemeinderat war, doch leider scheint es keine Handhabe für die Verwaltung zu geben, gegen dieses Monstrum vorzugehen.»

Oberbürgermeister Albers sieht allerdings auch gar keinen Bedarf, einzuschreiten. Er verweist nicht nur darauf, dass die öffentliche Meinung in der Wurst-Frage gespalten ist. Der Rathaus-Chef: «Ich habe genug Themen, die meine Aktivität erfordern.»

Damit spielt er etwa auf das Großprojekt Stadthallensanierung an. Demnächst muss der Gemeinderat entscheiden, ob die Stadt sich die mindestens 20 Millionen Euro teure Investition leisten soll. Dabei geht es dann allerdings nicht um die Wurst, sondern eher ans Eingemachte. 

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