Der Regierungsrat beantragt dem Grossen Rat, beim Projekt Hochwasserschutz Surbtal und Längsvernetzung aus Kostengründen auf die Längsvernetzung zu verzichten und das Hauptaugenmerk auf die Hochwasserschutzmassnahmen zu legen. Nur so könne der bewilligte Kostenrahmen eingehalten werden, schreibt der Regierungsrat.

Grund der Empfehlung sind massive Kostenabweichungen gegenüber dem Vorprojekt: Am 23. September 2008 bewilligte der Grosse Rat für das Projekt «Hochwasserschutz Surbtal und Längsvernetzung Surbtal» einen Kleinkredit für einen einmaligen Nettoaufwand von 4,93 Millionen Franken (brutto 12,42 Millionen Franken). Bewilligt wurde der Kredit auf der Basis eines Vorprojekts mit einer Kostengenauigkeit von plus respektive minus 20 Prozent. Im Vorprojekt enthalten waren die Hochwasserrückhaltebecken Ried (Ehrendingen) und Chilwis (Endingen), der lokale Hochwasserschutz im Dorfzentrum und im Gewerbegebiet Lengnau, Massnahmen am Rickenbach in Lengnau und am Lochbach in Endingen sowie die Längsvernetzung der Surb.

Massiv höhere Kosten

Beim Ausarbeiten des Bauprojekts stellte sich heraus, dass die Gesamtkosten unterschätzt wurden und bedeutend höher sind, als im Vorprojekt dargestellt. Dies führte dazu, dass Projektumfang und Kostenkalkulation grundsätzlich überprüft werden mussten. Die Projektleitung erhielt den Auftrag, Optimierungsmöglichkeiten und eine Redimensionierung der einzelnen Projektteile zu prüfen. Voraussetzung war, dass beim Hochwasserschutz keine Abstriche gemacht werden.

Im Laufe dieser Abklärungen zeigte sich, dass das Projekt «Hochwasserschutz Surbtal und Längsvernetzung» ungeachtet aller möglichen Sparmassnahmen den Kostenrahmen sprengen würde. Errechnet wurden Nettokosten von 6,475 Millionen Franken respektive Bruttokosten von 16,75 Millionen Franken. Dies entspricht einer Überschreitung des vom Grossen Rat bewilligten Kredits von rund 35 Prozent (1,545 Millionen Franken netto, 4,33 Millionen Franken brutto).

Alarm bei den Gemeinden

Diese Zahlen lösten nicht nur bei den kantonalen Stellen Alarm aus, sondern auch bei den am Projekt beteiligten Gemeinden Lengnau und Endingen. Sie machten geltend, dass sie die Mehrkosten aufgrund ihrer Investitionsplanung und des finanziellen Handlungsspielraums nicht verkraften könnten.

Im Laufe der Planung stellte sich zudem heraus, dass die beiden Surbtaler Gemeinden und der Kanton hinsichtlich der Längsvernetzung unterschiedliche Auffassungen vertreten. Deshalb lag für den Regierungsrat der Entscheid nahe, die Längsvernetzung auf Eis zu legen und zu einem späteren Zeitpunkt mit einem separaten Projekt zu realisieren.

Gründe der massiven Differenzen

In seiner Botschaft an den Grossen Rat listet die Regierung die Gründe für die massiven Differenzen zwischen der Kostenschätzung für das Vorprojekt und der Kostenschätzung für den Bauprojekt-Entwurf auf. Bei den Hochwasserrückhaltebecken werden Mehrkosten von 3,554 Millionen Franken ausgewiesen. Hauptursache sind die Dammerhöhungen beim Rückhaltebecken Chilwis Endingen um 50 Zentimeter im überströmbaren Bereich sowie um einen Meter im nicht überströmbaren Bereich. Diese Massnahmen allein verursachen Mehrkosten von 2,23 Millionen Franken.

Beim lokalen Hochwasserschutz im Gewerbegebiet und im Dorfzentrum Lengnau wurde im Vorprojekt der Landerwerb unterschätzt und zu tiefe Einheitspreise für die Dammbauten angenommen. Im Detailprojekt wurde ausserdem festgehalten, dass zusätzliche Massnahmen für die Siedlungsentwässerung notwendig sind.

Weit daneben lagen die Planer bei den Kosten für die Massnahmen am Rickenbach in Lengnau. Im Vorprojekt waren 860000 Franken aufgeführt, der Bauprojekt-Entwurf rechnet mit einem Aufwand von 1,691 Millionen Franken. Die Massnahmen am Rickenbach und am Lochbach sollen gemäss Botschaft des Regierungsrates zurück gestellt werden.