«Jakob Aeschlimann, Liquidationen, Schätzungen, Inventaraufnahmen» steht auf dem Visitenkärtchen, das uns sein Besitzer in die Hand drückt.

Dann startet Aeschlimann zum Rundgang durch die menschenleeren Fabrikhallen in der Industriestrasse 7 in Kleindöttingen. Bis im April arbeiteten hier noch 100 Menschen. Dann meldete die ZKD Büromöbel AG Konkurs an.

Seit 23 Jahren führt Aeschlimann im Auftrag des Konkursamtes Aargau Liquidationen durch. Die ZKD Büromöbel AG ist einer seiner grössten Fälle. «Diese Grössenordnung erlebe ich nur alle 2 bis 3 Jahre», sagt er, «meist sind es dann Firmen aus der Industrie- oder Baubranche. Mit einer Möbelfirma habe ich so etwas noch nie erlebt.»

In der Lagerhalle zeigt Aeschlimann auf fertige Schränke. Für die SBB, das Bundesamt für Logistik und einen namhaften Detailhändler wurden sie auf Vorrat produziert, aber nie ausgeliefert. Die einstigen ZKD-Grosskunden fanden schnell neue Lieferanten.

Es ist 9 Uhr. In der leeren Kantine schrillt noch immer die Pausenglocke, aber die grossen Maschinen haben schon seit April Pause. Eine kleine Gruppe aus Portugal läuft durch die Hallen. Die Vertreter einer Möbelfirma interessieren sich für die riesigen CNC-Maschinen. Fünf davon gibt es. 580 000 Franken kostete einst die teuerste, fünf Jahre alt ist sie.

Aeschlimanns Job ist es, das bewegliche Inventar samt Maschinenpark für möglichst viel Geld an den Mann respektive die Firma zu bringen. Am 13. November findet der Liquidationsverkauf statt.

«Es ist ein Freitag, der 13.», so Aeschlimann. Alles, was nicht niet- und nagelfest ist, alles, was in den Büros, den Produktions- und Lagerhallen oder in der Kantine steht, wird an diesem Tag verhökert.

Die grossen CNC-Maschinen dürfen Interessenten schon jetzt besichtigen, um am 13. November ein schriftliches Angebot zu unterbreiten. Würden die Portugiesen den Zuschlag erhalten, müssten sie sich selbst um den Transport kümmern.

Ein Liquidationsverkauf in der jetzigen, wirtschaftlich angespannten Zeit sei nicht einfach, sagt Aeschlimann. Gerade die Produktion sei rückläufig in der Schweiz. «Ein gewisses Interesse am Inventar ist da», sagt Aeschlimann, «ich spüre aber auch Zurückhaltung.»

Bis zum 13. November wird er alles mit einem Preisschild versehen. «Das braucht Fingerspitzengefühl und Erfahrung», sagt er. Aeschlimann steht auch in Kontakt mit Fred Heinzelmann, der 2010 die ZKD Büromöbel übernommen und in den Konkurs geführt hatte.

Dieser Kontakt ist gesetzlich vorgeschrieben, aber alles andere als selbstverständlich, wie Aeschlimann aus Erfahrung weiss. «Bei vielen Besitzern fällt nach dem Konkurs der Laden runter», sagt der Liquidator.

Bereits abgewickelt wurden die ausstehenden Aufträge und das Dritteigentum wie Leasingfahrzeuge oder Gabelstapler. Sämtliche Einnahmen fliessen in die Konkursmasse. Im ersten Rang werden die ausstehenden Löhne der Mitarbeiter ausbezahlt, danach die Sozialversicherungen und im dritten Rang die restlichen Gläubiger wie Lieferanten, Steuerämter oder Banken.

Die Liegenschaft, deren Eigentümerin ebenfalls die konkursite Firma war, soll nächstes Jahr verwertet werden. Findet sich kein Käufer, kommt es zu einer öffentlichen Versteigerung. Dieser Verkauf liegt insbesondere im Interesse der Gläubigerbank.